medico international fordert konkrete Schritte zur Bekämpfung vernachlässigter Krankheiten

medico international begrüßt den Bundestagsbeschluss vom 29. Mai 2008, der Deutschlands globale Verantwortung für die Bekämpfung sogenannter „vernachlässigter Krankheiten“ anerkennt. Damit ist nach jahrelanger Diskussion zum ersten Mal der Weg für eine Gesundheitsforschung bereitet, die sich nicht nur ausschließlich an den Profitinteressen der Pharmaindustrie orientiert. Der Bundestagsbeschluss fordert ganz im Sinne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr öffentliche Verantwortung für Forschung und Entwicklung von Medikamenten für Menschen in Entwicklungsländern.

„Wir erwarten nun konkrete Umsetzungsschritte seitens der Bundesregierung. Notwendig ist ein internationaler Fonds zur Finanzierung essentieller Gesundheitsforschung“, so Thomas Gebauer, Geschäftsführer der Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation.

Laut Gebauer sterben jährlich 13 Millionen Menschen an behandelbaren Krankheiten, “ auch weil die Patente der Pharmaindustrie dafür sorgen, dass selbst lebensrettende Medikamente unerreichbar teuer sind oder gar nicht erst entwickelt werden. Systematisch werden die Gesundheitsbedürfnisse von Menschen, die über keine oder nur geringe Kaufkraft verfügen, vernachlässigt.“

Im Vorfeld der G-8 Gipfels in Heiligendamm 2007 hatte medico international in Berlin Expertinnen und Experten aus Südafrika, Kenia, Brasilien, Thailand, Deutschland, Italien und den USA eingeladen, um innovative Ideen für eine alternative Medikamentenpolitik zu präsentieren und das bestehende weltweite Patentsystem und seine Folgen für die globale Gesundheit kritisch zu hinterfragen. Viele der in Berlin anwesenden Experten haben sowohl auf den Grundsatzbeschluss der WHO, wie auch auf den aktuellen Beschluss des Bundestages positiven Einfluss genommen.

Der medico-Report 27, „Patienten, Patente und Profite“ dokumentiert die Ergebnisse der Konferenz und zeigt alternative Steuerungsmechanismen für eine Forschung und Medikamentenpolitik auf, die auch Menschen in armen Ländern den Zugang zu einer elementaren medizinischen Versorgung sichert.

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