Rund fünf Millionen Asthmatiker durch schwere Lungenentzündung bedroht

Etwa sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an Asthma, ebensoviele an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Nicht einmal jeder sechste Patient beugt einer schweren Lungenentzündung vor, in dem er sich gegen Pneumokokken impfen lässt. Dies ergab eine aktuelle Studie am Zentrum für Lungenmedizin am Diakoniekrankenhaus in Rotenburg/Wümme. Nicht prinzipielle Vorbehalte vereitelten die Impfung zumeist, sondern mangelnde Information. Mehr als drei Viertel aller Teilnehmer gaben an, noch nie von der Pneumokokken-Impfung gehört zu haben. Diese Unkenntnis kann fatale Folgen haben: Jährlich gehen bis zu 12.000 Todesfälle in Deutschland auf das Konto von Pneumokokken-Bakterien.

Die Erreger bewohnen bei jedem Zweiten die Schleimhäute des oberen Nasen-Rachen-Raumes, zunächst meist ohne Symptome hervorzurufen. Ist das Immunsystem durch eine chronische Erkrankung oder höheres Alter angeschlagen, können sich die Erreger rasend schnell im Organismus ausbreiten und dann zu schweren Erkrankungen wie Lungen- oder Herzmuskelentzündung führen. Bei chronisch Kranken kann zudem eine Verschlechterung des Grundleidens die Folge sein. Eine Impfung ist die einzige wirksame Prävention Pneumokokken-bedingter Erkrankungen. Eine Gruppe von Forschern unter der Leitung von Professor Tom Schaberg vom Zentrum für Lungenmedizin am Diakoniekrankenhaus in Rotenburg/Wümme wies nun nach, dass nur etwa 15 Prozent aller Menschen mit Asthma und COPD gegen die gefährlichen Erreger geimpft sind. Dazu befragten die Wissenschaftler 2.131 Patienten des Diakoniekrankenhauses. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Nicht einmal jeder zweite Patient mit einer chronischen Lungenerkrankung ist gegen Grippe geimpft. Eine Grippe-Erkrankung kann schwere Komplikationen hervorrufen und die Ausbreitung von Pneumokokken begünstigen, da sie die Schleimhäute schädigt und den Bakterien so das Eindringen in den Körper erleichtert. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Diabetes sowie allen über 60-Jährigen eine Pneumokokken- und eine Grippe-Impfung.

Informationsdefizit für schlechte Impfraten verantwortlich Wichtigster Grund für die niedrigen Impfraten sind fehlende Informationen auf Seiten der Patienten. Rund 90 Prozent der ungeimpften Studienteilnehmer gaben an, noch nie von der Pneumokokken-Impfung gehört zu haben. Jeder Zweite beklagte ein Informationsdefizit bezüglich der Grippe-Impfung. Eine Schlüsselrolle bei der Information der Patienten kommt dem Hausarzt zu. Drei Viertel der geimpften Teilnehmer ließen sich auf seine Empfehlung hin gegen Pneumokokken impfen. Um die geringen Impfraten zu steigern, seien neben der ärztlichen Beratung auch staatliche Impfprogramme und Impfkampagnen in den Medien eine wichtige Maßnahme, so die Autoren der Studie. Die Impfstoffe sind gut verträglich, die Kosten werden für die genannten Risikogruppen von den Krankenkassen übernommen.

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