Übelkeit im Auto – was Kindern helfen kann

„Mama mir ist schlecht“ – Es gibt wohl wenig, was Eltern im Auto mehr stresst als dieser Satz. Denn wenn der Magen der lieben Kleinen rebelliert, wird der Sonntagsausflug oder die Fahrt in den Urlaub für die ganze Familie zur Tortur. Vor allem Kinder im Alter von 2 bis 12 Jahren leiden unter der so genannten Reisekrankheit, die von Medizinern als Kinetose bezeichnet wird (abgeleitet vom griechischen Wort „kinein“ = bewegen). Man nimmt an, dass die Beschwerden durch widersprüchliche Körperempfindungen entstehen. Denn wenn wir passiv bewegt werden – im Auto, im Zug, im Fugzeug oder auf dem Schiff – registriert das Gleichgewichtsorgan im Innenohr die Bewegungen des Fahrzeugs, die Nerven und Rezeptoren der Muskeln melden jedoch keine Lageveränderung, da wir selbst ja sitzen, uns also nicht entsprechend bewegen. So entsteht im Gehirn eine Art Fehlermeldung, was zu einer Ausschüttung bestimmter Botenstoffe führt. Darauf reagiert der Körper wiederum mit Symptomen wie Blässe, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Verhaltenstipps für die Fahrt

„Für die Eltern der betroffenen Kinder ist diese Situation ziemlich belastend“, sagt Dr. Wolfgang Widmaier von der Union Deutscher Heilpraktiker. „Denn sie haben häufig Bedenken, den Kindern stark wirksame Medikamente gegen Reiseübelkeit wie Antihistaminika zu geben. Andererseits ist eine Autofahrt mit Spuktüte und einem Kind, das sich hundeelend fühlt, für alle Beteiligten eine Quälerei. Wir empfehlen deshalb, zunächst einmal ein paar ganz einfache Tipps auszuprobieren und durch Maßnahmen aus der Naturheilkunde zu ergänzen.“

In erster Linie kommt es darauf an, dem Gehirn möglichst wenig irritierende Signale zu vermitteln. Mit Kindern fährt man deshalb am bestens nachts. Oft hilft es auch, wenn sich das Kind auf den Rücken legt, die Augen zumacht und durch eine Geschichte abgelenkt wird. Oder man regt es dazu an, die Fahrt aktiv mitzuverfolgen, in Fahrtrichtung auf die Strasse zu schauen und z.B. auf Autos einer bestimmten Marke oder Farbe zu achten. Lesen, Spielen, Bilderbücher oder Videos verschlimmern dagegen die Symptome ebenso wie aufdringliche Gerüche, stickige Luft oder Zigarettenrauch. Der Magen sollte nicht durch fette Speisen oder Süßigkeiten belastet werden. Dagegen hilft es, viel zu trinken und leichtes Gebäck wie Salzstangen, Zwieback oder trockene Kekse zu knabbern um den Magen zu beruhigen.

Ingwer beruhigt den Magen

Das bekannteste pflanzliche Mittel gegen Reiseübelkeit ist die Ingwerwurzel. Die darin enthaltenen Scharfstoffe beruhigen die autonomen Zentren des zentralen Nervensystems und verhindern Schwindel und Brechreiz. Da Kinder meist keinen Ingwer mögen, bieten sich Ingwerkapseln oder ein Pflanzentrunk an, der schon vor Reisebeginn eingenommen wird. Auch 2-3 Tropfen Minzöl in 2 Esslöffeln lauwarmem Wasser können helfen. Alternativ kann man Baldrian- oder Melisse-Präparate ausprobieren.

Mittel schon vor der Fahrt nehmen

Weitere Möglichkeiten bietet die Homöopathie. Das gängigste Mittel gegen Reiseübelkeit ist Cocculus D6. Erwachsene und Schulkinder nehmen davon bis zu 6 x täglich jeweils 5 Globuli, bzw. 5 Tropfen oder eine Tablette. Bereits ein bis zwei Tage vor Reisebeginn sollte man mit 3 x 5 Globuli die Behandlung beginnen. Alternativ dazu kann der Heilpraktiker individuell auf den Patienten abgestimmt andere oder weitere Mittel verordnen oder ein Präparat der so genannten Komplexhomöopathie verschreiben. Alle diese Mittel sind auch für Kinder problemlos verträglich und haben keinerlei Nebenwirkungen.

Der Heilpraktiker kann dem Kind bzw. der Mutter auch zeigen, wie man einen bestimmten Akupunkturpunkt durch Massage bzw. Akupressur stimuliert. Dieser „Neiguan-Punkt“ befindet sich an der Innenseite der Handgelenke, drei Finger breit unterhalb der Handgelenksfalte in Richtung Ellbogen zwischen den beiden Beugersehnen. Diese werden sichtbar, wenn man die Hand zu Faust ballt und leicht einknickt. Der Neiguan-Punkt wird mit Mittel- und Zeigefinger der anderen Hand alle halbe Stunde pro Seite jeweils eine Minute lang massiert.

Mehr Infos: Union Deutscher Heilpraktiker

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