Zunahme von Hautkrebs durch Klimawandel und Verhaltensänderung

Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt im Laufe seines Lebens an Hautkrebs. Bereits jeder Zweite über 60 Jahren ist davon betroffen. Expertenschätzungen zu Folge erkranken jährlich in Deutschland rund 250.000 Menschen an hellem und etwa 16.000 an schwarzem Hautkrebs. Hauptursache für die Zunahme dieser Erkrankungen ist der in den letzten Jahrezehnten zunehmende intensive Kontakt der Haut mit Sonnenlicht, denn als sichere Erkenntnis gilt, daß Hautkrebs durch UV-Strahlung ausgelöst wird.

Der Einfluss der Wolken und ihrer Änderung durch den Klimawandel bedarf einer größeren Aufmerksamkeit als bisher, da Wolken auf vielfältige Weise die UV-Exposition des Menschen bestimmen. „Viele Menschen glauben vor der UV-Bestrahlung perfekt geschützt zu sein, wenn es bewölkt ist. Dies ist ein großer Irrtum, weil die höchste UV-Bestrahlung nicht bei wolkenlosem, sondern bei teilweise bedecktem Himmel auftritt. Wolken sind im UV-Bereich meist durchlässiger als im sichtbaren Bereich“, erklärt Prof. Gunther Seckmeyer vom Institut für Meterologie und Klimatologie in Hannover.

Hautkrebs ist zur häufigsten Krebskrankheit des Menschen überhaupt geworden. In den letzten Jahren hat die Zahl der Hautkrebsfälle die aller anderen Krebserkrankungen zusammen genommen überschritten, eine alarmierende Entwicklung. In den Vereinigten Staaten etwa kommt es jedes Jahr zu 1,2 Millionen Krebsneuerkrankungen an inneren Organen, dagegen zu 1,3 Millionen Krebserkrankungen an der Haut. Die Tendenz zeigt eine weitere Zunahme des Hautkrebses an, Ursache hierfür ist im Wesentlichen der unvernünftige Umgang mit Sonnenlicht.

„Insbesondere Sonnenbrände im Kindesalter schädigen die Stammzellen der Haut derart, dass noch nach Jahren oder Jahrzehnten bösartige Tumoren auftreten können“, warnt Prof. Wolfram Sterry, Klinikdirektor der Hautklinik Charité am Campus Mitte. Zur Vorbeugung ist daher der vernünftige Umgang mit dem Sonnenlicht, der insbesondere den Schutz von Kindern beinhaltet, von Bedeutung. Darüber hinaus aber auch die Früh- und Vorsorgeuntersuchung, um mögliche beginnende Hautkrebse bereits zu entdecken und behandeln zu können, bevor diese in den Körper streuen können.

Vorbeugung und der Umgang mit Hautkrebs benötigt ein stärkeres Bewusstsein in der Öffentlichkeit. Denn Hautkrebserkrankungen sind, wenn sie früh erkannt und behandelt werden, in den meisten Fällen heilbar. Ein Hautkrebsscreening ergänzt ab 01. Juli 2008 als neue Leistung das Präventionsangebot für Patienten. In Deutschland haben die rund 45 Millionen gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren Anspruch darauf, alle zwei Jahre dieses Früherkennungsprogramm für Hautkrebs durchführen zu lassen. „Hiermit wurde in Deutschland das weltweit erste, organisierte flächendeckende und standardisierte Früherkennungsprogramm für Hautkrebs eingeführt“, erklärt PD Dr. Uwe Trefzer vom Hauttumorcentrum der Charité und Tagungsleiter des Deutschen Hautkrebskongresses.

Die Aktinische Keratose (AK), eine durch chronische Lichtschädigung verursachte Veränderung der verhornten Oberhaut, stellt eine Hautkrebsfrühform dar. In 10 Prozent aller Fälle führt sie zu einem Plattenepithelkarzinom. AK tritt vor allem an den Körperstellen auf, die bevorzugt ungeschützt dem Sonnenlicht ausgesetzt sind (Sonnenterassen wie Stirn, Dekolleté, Arme, Handrücken, Hals und Kopf). Moderne Behandlungsmethoden bei der AK umfassen topische Therapien mit Cremes und Gelen sowie die Photodynamische Therapie (PDT). Diese bieten, gegenüber der chirurgischen Behandlung, den Vorteil eines minimal-invasiven Verfahrens. Die PDT hat eine inzwischen immer größere Bedeutung erlangt. Eine Neuentwicklung in dieser Therapie stellen selbstklebende ALA-Pflaster dar. Diese können vom Patienten vor der Behandlung selbst angebracht werden. Dieses innovative Verfahren ist mit ein bis zwei Behandlungen zeitsparend, die Rate kompletter Remissionen liegt bei bis zu 90 Prozent.

Eine neue Technik zur Diagnose von Hautkrebs liefert das konfokale Laserscanmikroskop. Es erstellt Schichtbilder der Oberhaut, die eine „optische Biopsie“ ermöglichen. Auf nicht-invasivem Weg werden zelluläre Mikrostrukturen der Oberhaut in dünnen Schichten abgebildet und erlauben damit eine Diagnose in Echtzeit. Prinzipiell ist dieses Methode mit dem Ultraschall vergleichbar. Anstelle von Schallwellen macht Laserlicht die Hautstrukturen über Reflexion sichtbar. „Diese neue Untersuchungsmethode könnte in Zukunft für die Patienten den Wegfall der Entnahme von Gewebeprobe zur Befunderhebung bedeuten“, erklärt Professor Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorcentrums an der Charité.

Aktuelle Forschungsergebnisse zur Entstehung, Prävention und Therapie von Hautkrebs präsentierten 300 Hautkrebsexperten auf dem 4. Deutschen Hautkrebskongress in Berlin. Der Deutsche Hautkrebskongress ist eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO), welche eine AG der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) ist.

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