Erkennen von Stottern darf kein Zufall sein

Rund fünf Prozent aller Kinder stottern, ob und wann ein Kind das Stottern verliert lässt sich nicht vorhersagen. Damit sich das Stottern nicht verfestigt und lebenslange Benachteiligungen nach sich zieht, ist ein frühzeitiges Erkennen und Handeln besonders wichtig. Bei den üblichen Schuleingangsuntersuchungen wird die Sprechbehinderung bislang jedoch eher zufällig festgestellt. Den Welttag des Stotterns am 22. Oktober nimmt die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (BVSS) zum Anlass, um auf die notwendige Anpassung dieser Tests hinzuweisen.

Stottern wird bei der ärztlichen Untersuchung von Vorschülern bisher meist nicht einmal erfragt. Ohnehin würden Eltern diese Frage aus Scham oft verneinen. Zudem wissen Mütter und Väter oft nicht, dass die Schule die Sprechproblematik des Kindes verstärken kann. Häufig nehmen sie das Stottern ihres Kindes auch erst gar nicht als solches wahr. Bleibt die Sprechbehinderung jedoch selbst bei der Einschulung noch unentdeckt, kann dies fatale Folgen für das Kind haben.

„Ein zuvor unauffälliges Stottern kann durch die Kommunikationssituation in der Schule, durch Hänseleien oder unbewusst falsche Reaktionen der Lehrer schnell chronisch werden und sich massiv verstärken“, warnt Dr. Matthias Kremer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (BVSS). „Wir setzen uns daher für die bundesweite Einführung einer gezielten Stotterdiagnostik im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen ein“, erläutert Kremer, „nur so ist die notwendige Prävention im Schulalltag möglich“. Basierend auf den Ergebnissen einer anschließenden Fachdiagnose, würden Lehrerinnen und Lehrer dann systematisch auf den Umgang mit dem Stottern des Kindes vorbereitet.

Bereits vorhandene Konzepte für Tests zum spontanen Sprechen könnten für die Untersuchung im Gesundheitsamt modifiziert werden. Ein erster Erfolg dieser Forderung wurde bereits im Saarland erzielt. Im September sicherte der Saarländische Gesundheitsminister eine entsprechende Erweiterung für zukünftige Untersuchungen zu. Kremer ist zuversichtlich, dass andere Bundesländer diesem Modell folgen werden.

Wie sehr die Sprechbehinderung Stottern das Leben der Betroffenen beeinträchtigen kann, weiß die BVSS aus rund 30 Jahren Arbeit im Bereich Selbsthilfe, Beratung und Interessenvertretung. Der jährliche Welttag des Stotterns am 22. Oktober steht in 2008 unter dem Motto „Keine Angst vorm Stottern!“. Eine Ermutigung, die auch nicht stotternde Menschen ansprechen will, die eigene Furcht vor dem Umgang mit stotternden Mitmenschen abzubauen. Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe ist die Interessenvertretung stotternder Menschen in Deutschland, sie informiert umfassend und unabhängig rund um das Thema Stottern.

Mehr Infos: www.bvss.de

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