Händewaschen nicht vergessen!

Händewaschen mit Seife ist der wirksamste und kostengünstigste Weg, um lebensgefährliche Durchfallerkrankungen und Lungenentzündung bei Kindern zu verhindern. Am heutigen ersten „Welttag des Händewaschens“ ruft UNICEF zusammen mit anderen Hilfsorganisationen in 60 Ländern zum regelmäßigen Händewaschen auf. Mit dem neuen jährlichen Aktionstag soll die Hygieneaufklärung in Entwicklungsländern verbessert werden. Allein in Südasien werden 120 Millionen Kinder von Kabul bis Karachi, von Colombo bis Dhaka öffentlich ihre Hände waschen. Jedes Jahr sterben in den Entwicklungsländern 3,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Durchfall und Lungenentzündung, was vor allem auf mangelnde Hygiene zurückzuführen ist.

„Händewaschen mit Seife kann die Kindersterblichkeit aufgrund von Durchfall um 50 Prozent und das Risiko lebensgefährlicher Lungenentzündungen um fast ein Viertel reduzieren“, erklärte UNICEF-Schirmherrin Eva Luise Köhler in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. „Wenn Kinder von klein auf hygienisches Verhalten lernen, ist dies ein wichtiger Schritt für die Gesundheit aller. “

„Die nachhaltige Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in Slums und Dörfern in Entwicklungsländern ist eine zentrale Zukunftsaufgabe“, sagte Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland in Dhaka. „Dabei müssen die betroffenen Menschen selbst aktiv mit einbezogen werden.“

Eva Luise Köhler und Jürgen Heraeus besuchen vom 13.-17.10. UNICEF-Projekte in Bangladesch. Dort führt UNICEF eine der weltweit größten Hygiene-Kampagnen durch. Millionen Menschen haben dort keinen Zugang zu sauberem Wasser und hygienischen sanitären Einrichtungen. Viele Frauen und Mädchen müssen jeden Tag lange Wege zurücklegen, um Wasser zu holen und können sich oft nicht einmal Seife leisten. Händewaschen mit Seife – zum Beispiel vor der Zubereitung von Speisen, dem Essen und nach der Toilette – ist deshalb nicht selbstverständlich. Viele Menschen wissen nicht, dass sonst gefährliche Krankheitserreger übertragen werden können. Gleichzeitig berührt die persönliche Hygiene die Intimsphäre und es fällt vielen Menschen schwer, diese anzusprechen.

„Händewaschen mit Seife kann die Kindersterblichkeit verringern“

UNICEF unterstützt in Bangladesch die Gemeinden auch beim Bau von Brunnen, öffentlichen Wasserverteilstationen, hygienischen Latrinen und der Organisation von Müllabladeplätzen. Weiter wurden in Bangladesch zehntausend freiwillige Gesundheitshelfer ausgebildet.

Am Dienstag ließ sich Eva Luise Köhler ihre Arbeitsweise im Dorf Belabo erklären. Jeder dieser meist weiblichen Helfer betreut rund 300 Menschen. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern wird zunächst eine Bestandsaufnahme aller Probleme im Bereich Wasser und Hygiene vorgenommen. Die Bewohner fertigen eine Karte mit Brunnen, Latrinen und Müllplätzen an und legen selbst fest, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Hierdurch wird sichergestellt, dass Wasserpumpen oder Brunnen da installiert werden, wo sie am dringendsten benötigt werden. Dann sammeln sie Informationen über das tägliche Verhalten in den Familien und diskutieren dessen Konsequenzen. Durch regelmäßige Hausbesuche, Beratung und Information werden Veränderungen nachverfolgt.

Die Treffen zu Hygienefragen sind für viele Mädchen und Frauen auch ein Anlass, über andere Themen zu sprechen. In Belabo diskutierte Eva Luise Köhler zum Beispiel auch mit jungen Mädchen über persönliche Hygiene, den Umgang mit Sexualität, Partnerschaft und Fragen wie Kinderheiraten.

Sauberes Wasser und Hygiene – ein Luxus für die Armen?

Schätzungsweise 884 Millionen Menschen auf der Erde haben nicht genug sauberes Wasser. Mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung oder 2,5 Milliarden Menschen haben keine ausreichenden sanitären Einrichtungen – unter ihnen fast eine Milliarde Kinder.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr der sanitären Grundversorgung erklärt. Ziel ist es, das Menschenrecht auf sauberes Wasser und Hygiene zu fördern. Zwischen 1990 und 2004 erhielten schätzungsweise 1,2 Milliarden Menschen Zugang zu verbesserten sanitären Einrichtungen. Dies war ein Anstieg von 10 Prozent. Um das so genannte Millenniumsziel (Halbierung der Zahl der Menschen ohne Zugang zu verbesserten Sanitäranlagen) zu erreichen, müssten bis 2015 weitere 173 Millionen Menschen pro Jahr versorgt werden.

Die größten Fortschritte gab es in Ostasien und der Pazifikregion, dem Nahen Osten und Nordafrika sowie Lateinamerika. Die größten Probleme bestehen weiterhin in Südasien (33% Zugang) und im südlichen Afrika (31%). In ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer ist die Versorgung besonders schlecht.

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