FSME-Saison 2009: Europaweit mehr Risikogebiete erwartet

Auch 2009 wird es wieder europaweit mehr neue FSME-Risikogebiete geben, das vermuten namhafte Experten. Bei einer Pressekonferenz des Impfstoffherstellers Novartis Behring zum Auftakt der Zeckensaison 2009 verdeutlichten sie, dass die Bedeutung der Impfung gegen die durch Zeckenstich übertragene Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) weiter zunehmen wird. Denn zum einen sind die FSME-Fallzahlen in Deutschland im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr von 238 auf 287 gestiegen. Und erstmals wurde 2008 eine Übertragung des FSME-Virus in einer Höhe von mehr als 1.500 m über dem Meeresspiegel nachgewiesen.

Bewusstsein schaffen für neue Risikogruppen und -gebiete

Ein FSME-Infektionsrisiko besteht offenbar nicht nur in den ausgewiesenen Risikoregionen. Darauf wies PD Dr. Kai Wohlfarth, Direktor der Kliniken für Neurologie und fachübergreifende Frührehabilitation am Klinikum Bergmannstrost in Halle hin. 2008 wurde laut Wohlfarth in einer Studie mit Waldarbeitern in Brandenburg beobachtet, dass 9,1% der zuvor ungeimpften Arbeitern Antikörper gegen FSME aufwiesen.

„Eine ähnliche Studie mit vergleichbaren Ergebnissen wurde in den 90er-Jahren in Baden Württemberg durchgeführt – heute ist das Bundesland ein ausgewiesenes FSME-Risikogebiet“; so Wohlfahrt. Zu ähnlichen Ergebnissen kam 2007 auch eine Studie in Niedersachsen, wo 13% der ungeimpften Forstarbeiter Antikörper gegen FSME aufwiesen. „Die Ergebnisse zeigen, dass beinahe überall in Deutschland mit einer FSME-Infektionen zu rechnen ist“, erklärte der Neurologe.

Wie DDr. med. Martin Haditsch, Oberarzt am KH der Elisabethinen, Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin, Linz, Österreich und Ärztlicher Leiter des TravelMedCenters Leonding, ausführte, nimmt das FSME-Risiko auch in europäischen Nachbarländern zu. Zunehmend wird die FSME daher in den letzten Jahren auch als reisemedizinisches Problem erkannt. Langsam in den Fokus rücken dabei auch die so genannten Event-Touristen. Dies sind meist „junge und gesunde Menschen, die keinerlei Veranlassung sehen, sich vor einer (Europa-)Reise medizinisch beraten zu lassen“, so Haditsch. Beispiele für solche Events sind die „Fußball-EM in Österreich und der Schweiz im letzten Jahr, die Damenfußballweltmeisterschaft 2011 in Deutschland oder auch große Musikevents“. Um die Kosten gering zu halten, campen viele Event-Touristen auf Zeltplätzen oder sogar in freier Natur, so dass für sie ein höheres Risiko besteht, von Zecken gestochen zu werden.

FSME-Vorbild Österreich

Obwohl sich die FSME-Risikogebiete auch in Österreich seit Jahren weiter ausbreiten, sind dort die Fallzahlen auf niedrigem Niveau stabil: Jährlich erkranken in Österreich etwa 50 bis 100 Menschen an FSME. Grund für diese niedrigen Zahlen ist die hohe Akzeptanz der FSME-Impfung in der Bevölkerung. Wie sehr ein Zusammenhang zwischen der Impfung und Krankheitsfällen besteht, zeigte sich besonders eindrucksvoll im Jahr 2006 (einem Jahr mit besonders hoher Zeckenaktivität) im Vergleich Österreichs mit der Tschechischen Republik, so DDr. Haditsch. „Bei guter Vergleichbarkeit von Bevölkerungszahl, Altersprofil, Klima, Freizeitverhalten, Verfügbarkeit von Impfstoffen sowie der beruflichen Expositionsrate gab es in Österreich ca. 100 FSME-Fälle und in Tschechien mehr als 1.100 Fälle“, erläuterte der Experte. In Österreich waren 87% der Bevölkerung gegen FSME geimpft, in Tschechien hingegen ca. 10%.

Längere Schutzdauer mit weniger Impfdosen

Neu ist, dass durch die Verlängerung der Auffrischungsintervalle bei Kindern die Kleinen jetzt mit weniger Pieksern vor einer FSME geschützt sind. „Dies bedeutet eine längere Schutzdauer mit weniger Impfdosen“, so Petri.

Je nachdem, wie schnell ein verlässlicher Impfschutz gegen FSME – zum Beispiel vor einer Reise in ein FSME-Risikogebiet – benötigt wird, stehen für die FSME-Impfstoffe von Novartis Behring neuerdings drei (statt bisher zwei) verschiedene Impfschemata zur Verfügung. „Dies bedeutet eine größtmögliche Flexibilität“, so Dr. Eckhardt Petri, Medical Affairs Novartis Behring, Marburg. Je nach dem, wann man den Impfschutz braucht und wann man Zeit hat, kann man sich aussuchen, wann man die drei Impfungen für die Grundimmunisierung bekommt. Entweder folgt auf die erste Impfung eine zweite nach 1-3 Monaten und eine dritte nach weiteren 9-12 Monaten oder, wenn es schneller gehen soll (z.B. vor Reisen), kann man drei Impfungen innerhalb von 3 Wochen erhalten (die ersten beiden mit einer Woche Abstand, die dritte dann nach weiteren 2 Wochen). Möglich ist aber auch, die ersten beiden Impfungen im Abstand von 14 Tagen zu bekommen und die dritte dann nach weiteren 9-12 Monaten – jeder, wie er mag und wann er Zeit hat.

Abschließend betonte Petri, dass in den FSME-Impfstoffen von Novartis Behring weniger Zusatzstoffe als in anderen FSME-Impfstoffen enthalten sind. Weitere Informationen unter: www.zecken.info

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