Vor der fünften Jahreszeit: Jugendliche gegen Meningokokken C impfen

Karneval, Fasching, Fastnacht! Ein willkommener Anlass, ausgelassen zu feiern. Es wird gesungen, gelacht, geschunkelt, getanzt und geküsst. Aber die kollektive Ausgelassenheit hat ihren Preis: die Ansteckungsgefahr steigt. Oft wird nicht daran gedacht, dass im Gedränge, auf der Party, beim gemeinsamen Benutzen von Gläsern und natürlich bei Intimkontakten Krankheitserreger wie Meningokokken übertragen werden können. Höchste Zeit, den Impfschutz der Jugendlichen auf Vordermann zu bringen.

Schon ein vermeintlich harmloser Kuss kann es in sich haben. Die durch Tröpfcheninfektion übertragenen Meningokokken C-Erreger können schwere, zum Teil lebensbedrohliche Erkrankungen nach sich ziehen. Überdurchschnittlich häufig trifft es, neben Kleinkindern, Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. Schutz bietet eine Impfung. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) das Nachholen der Meningokokken C-Impfung bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, falls die planmäßige Impfung im 2. Lebensjahr worden sein sollte.

„Überprüfen Sie daher den Impfausweis Ihres Kindes oder bitten Sie Ihren Arzt, ihn zu überprüfen“, fordert Dr. Martin Terhardt, niedergelassener Kinder- und Jugendarzt und Mitglied des Ausschusses Prävention und Frühtherapie im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. „Der behandelnde Arzt wird Sie auch gerne zu dieser Impfung beraten. Nicht nur für Kleinkinder, sondern gerade auch für Jugendliche ist dieser Impfschutz wichtig.“ In der Praxis ist die Meningokokken C-Impfung leicht durchzuführen, da nur eine Immunisierung nötig ist. Die Meningokokken C-Impfung kann auch einfach mit anderen Impfungen, die in diesem Alter nötig sind, kombiniert werden, wie zum Beispiel mit den Kombinationsimpfungen gegen Tetanus, sowie Keuchhusten oder gegen Masern, Mumps und Röteln bzw. Hepatitis B. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Etwa 15% aller Jugendlichen tragen Meningokokken in ihrem Nasopharynx ohne selbst zu erkranken, können sie aber an andere weitergeben. Warum es in manchen Fällen zu einer invasiven Meningokokken-Erkrankung kommt, während die meisten passive Träger bleiben, ist nicht geklärt. Die Inzidenz von invasiven Meningokokken-Erkrankungen ist im ersten Quartal des Jahres regelmäßig am höchsten. Es wird vermutet, dass eine (durch Atemwegserkrankungen) geschwächte Schleimhautbarriere eine der Ursachen dafür ist, dass die Erreger aus dem Nasen-Rachen-Raum in den Blutkreislauf übertreten können. Eine daraus resultierende Blutvergiftung (Sepsis) und/oder Hirnhautentzündung (Meningitis) verläuft typischerweise rasant und kann schlimmstenfalls innerhalb von Stunden zum Tod führen. Tatsächlich ist im letzten Jahr jede siebte – impfpräventable, also durch Impfung vermeidbare – Meningokokken C-Infektion in Deutschland tödlich verlaufen; etwa 20% der Überlebenden behalten dauerhafte Folgen wie Taubheit, neurologische Schäden und Amputationen von Gliedmaßen zurück.

Erhöhtes Risiko und niedrige Impfraten bei Jugendlichen Jugendliche haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen: Etwa 25% aller Fälle treten in dieser Altersgruppe auf. Der Faktor „enge soziale Kontakte“, der für diesen neben den Kleinkindern zweiten Erkrankungsgipfel verantwortlich gemacht wird, kommt in der Faschingszeit besonders stark zum Tragen. Wegen des unspezifischen Beginns und dann aber rasanten Verlaufs kann die Erkrankung oft erst so spät diagnostiziert werden, dass eine Antibiotika-Behandlung häufig zu spät kommt. Einziger wirksamer Schutz ist die Impfung. Aktuelle Daten aus Bayern zeigen jedoch, dass nicht einmal 10% der 11-16 Jährigen gegen Meningokokken C geimpft sind.

Zahlen und Fakten zu Meningokokken C-Erkrankungen Nach Angaben des Robert Koch Instituts (Epid Bul 32/2007) erkrankten im Jahr 2007 in Deutschland insgesamt 436 Personen an invasiven Meningokokken-Erkrankungen. Davon wurde etwa ein Viertel durch die impfpräventable Serogruppe C verursacht. Zwei Drittel aller Meningokokken-Erkrankungen gehen auf das Konto von Meningokokken B, gegen die sich derzeit ein Impfstoff in der Entwicklung befindet. In Einzelfällen treten Infektionen mit Meningokokken der Serogruppen A, W und Y auf.

37 Infektionen verliefen tödlich, davon waren 15 Meningokokken C-Erkrankungen.

Weitere Informationen unter: www.meningitis.de

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