Suchttherapie: Zwei Drittel begehen Missbrauch mit Substitutionsmitteln

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Ersatzstoffe in der Drogentherapie werden immer häufiger selbst zum Rauschmittel, ihre Verbreitung auf dem Schwarzmarkt ist enorm. Zu dieser Erkenntnis kommt das ‘Projekt zur Evaluation der missbräuchlichen Verwendung von Substitutionsmitteln in Deutschland’. Christian Wickert stellt die neue Studie des Zentrums für interdisziplinäre Suchtforschung, Hamburg auf dem 10. Interdisziplinären Suchtkongress in München vor.

Zur Erhebung der Daten nutzte die Arbeitsgruppe mehrere Ansätze. Erstmals werden nun die Gesamtergebnisse veröffentlicht.

Mit anonymen Fragebögen wurden 806 Personen der offenen Drogenszene in 13 deutschen Städten zu ihrem Konsumverhalten befragt. 67% berichten, bereits Erfahrungen mit nicht-verschriebenen Substitutionsmedikamenten zu haben; 13,5% geben einen Missbrauch innerhalb der letzten 24 Stunden zu. 58,7% hatten bereits einmal illegal erworbenes Methadon eingenommen oder sich das Medikament gespritzt; bei 41,8% trifft das für Subutex zu. Jeder zehnte Methadon-Substituierte und fast jeder siebte Subutex-Patient missbraucht zudem nicht-verschriebene Substitutionspräparate zusätzlich zu den Medikamenten der Suchtbehandlung.

Das gesundheitliche Risiko des Missbrauchs ist bei der Kombination von Methadon mit anderen psychoaktiven Substanzen am höchsten. Dies zeigt eine Fallanalyse Methadon-assoziierter Drogentodesfälle in Hamburg aus den Jahren 1999-2005.

In Ermittlungsakten aus neun Bundesländern stößt die Arbeitsgruppe auf 422 Sicherstellungen nicht-verschriebener Substitutionsmedikamente im Jahr 2007. Seit 2003 stieg die Zahl kontinuierlich an. Subutex und Methadon dominieren die Drogenmärkte. 84% der Befragten gaben an, Methadon sei auf dem Schwarzmarkt einfach zu erhalten, 80% bestätigen dies auch für Subutex. Suboxone, ein Präparat mit geringerem Missbrauchspotential, spielt auf den illegalen Märkten keine Rolle.

“Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der Missbrauch der Substitutionsmittel wesentlich häufiger ist, als von einigen Kollegen angenommen”, so Dr. Klaus Weckbecker, Suchtexperte und substituierender Arzt. “Das Missbrauchsproblem der Substitutionsmittel in Deutschland ist eindeutig dokumentiert und kann nicht länger geleugnet werden.”

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