Depressionen sind spätestens seit dem plötzlichen Tod von Robert Enke in aller Munde. Dass die Krankheit allerdings auch Herzerkrankungen verursachen kann, wissen nur wenige. Tatsächlich gibt es aber einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Herzkrankheiten.

Wenn Depressionen tatsächlich aufs Herz schlagen, ist dies für den Betroffenen oft sehr belastend – häufig werden hier Ursache und Wirkung nicht gleich erkannt. Die Rede ist von psychokardiologischen Beschwerden. Mittlerweile besteht in der weltweiten, interdisziplinären Forschung Einigkeit darüber, dass neben den bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen ein Zusammenhang zwischen gewissen psychischen Erkrankungen und bestimmten Herzkrankheiten besteht. „Wichtig ist in diesen Fällen, dass das jeweilige Symptom im Gesamtzusammenhang gesehen und fächerübergreifend behandelt wird“, erklärt Dr. Rainer Schubmann, Chefarzt der Abteilung Kardiologie in der Dr. Becker Klinik Möhnesee. Die Rehabilitationseinrichtung im Kreis Soest behandelt seit 2002 kardiologische Patienten mit Depressionen und Angsterkrankungen bzw. Depressive mit Herzkrankheiten in einem umfassenden Therapieprogramm.

Zusammenhang zwischen Depressionen und Herzkrankheiten
Konkret belegen epidemiologische Studien, dass an Depressionen Erkrankte im Vergleich zu psychisch Gesunden einem erheblich höheren Risiko ausgesetzt sind, an Verengungen der Herzkranzgefäße oder einem Herzinfarkt zu erkranken. Depressionen haben zudem einen negativen Einfluss auf die Gesundung bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Angsterkrankungen erhöhen außerdem im Allgemeinen die Sterblichkeit bei Männern und Frauen. Eine weitere Ausprägung in diesem Zusammenhang kann das so genannte Broken-Heart-Syndrom sein. Hier führen außergewöhnliche Stressfaktoren wie eine Trennung oder der Tod eines geliebten Menschen vorübergehend zu klassischen Symptomen eines Herzinfarktes, obwohl der Betroffene gar keinen Herzinfarkt erlitten hat.

Erste biologische Erklärungsmodelle führen dies auf einen veränderten Hormonspiegel bei psychischen Erkrankungen zurück. Da Depressionen bzw. Angsterkrankungen und Herzkrankheiten sich wechselseitig bedingen, erfordert die Behandlung eine ganz spezielle Therapie. Die Experten der Dr. Becker Klinik Möhnesee haben deshalb einen umfassenden Gesamtbehandlungsplan entworfen. „Die Erstellung des Therapieprogramms setzt immer die Untersuchung auf seelische Probleme voraus“, so Dr. Schubmann. „Wenn nötig, umfasst die Therapie dann neben der kardiologischen Behandlung die intensive Information zu psychisch relevanten Faktoren und Schulungen in der Stressbewältigung genauso wie die Aktivierung von psychischen Schutzfaktoren. Außerdem sind ein jeweils individuell abgestimmtes Entspannungstraining sowie Einzel- und Gruppentherapien möglich,“ erklärt der Chefarzt. Jahrelange Expertise ermöglicht es den behandelnden Ärzten vor Ort, die medikamentöse Behandlung – auch hinsichtlich einer antidepressiven Medikation, zu optimieren. Hierzu gehört auch die Verbesserung der Blutdruck- und Blutzuckereinstellung. Eine umfassende Sport- und Physiotherapie ergänzt das Behandlungsportfolio, damit Herz und Seele wieder in Einklang gebracht werden können.

Studie belegt Wirksamkeit der Behandlung
Laut einer Studie, die in den Jahren 2002 und 2003 in Kooperation mit der Psychosomatischen Abteilung der Universität Göttingen in der Klinik Möhnesee durchgeführt wurde, konnten die Angst- und Depressionswerte der 152 kardiologischen Studienpatienten während der Rehabilitation deutlich verringert werden. Auf der Basis dieses jahrelangen Expertenwissens gründete die Klinik für psychosomatische und kardiologische Rehabilitation das Zentrum für Psycho-Kardiologie. Eine Kooperation mit der Universität Köln und dem Arbeitsbereich Rehabilitationswissenschaften der Universität Würzburg begleitet die Einrichtung im wissenschaftlichen Bereich. „Die Zusammenarbeit soll die neuesten Erkenntnisse aus diesem bisher recht stiefmütterlich behandelten, medizinischen Zweig sichern“, erklärt Dr. Thomas Müller-Holthusen, Chefarzt der Abteilung Psychosomatik. Dr. Müller-Holthusen und Dr. Rainer Schubmann arbeiten bei der Behandlung von psychokardiologischen Patienten Hand in Hand.

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