Die Effizienz des PSA-Tests (Prostata-spezifisches Antigen) zur Verringerung der Sterblichkeit durch Prostatakrebs erhielt durch neue Ergebnisse der ERSPC-Studie (European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer) weiteren Auftrieb. Sie ergab, dass die tatsächlichen Auswirkungen viel grösser als zuvor angegeben, nämlich bei bis zu 31 % liegen.

Die vorläufigen Ergebnisse der ERSPC-Studie* zeigen, dass die Vorsorgeuntersuchung die Zahl der durch Prostatakrebs verursachten Todesfälle um 20 % senkt. Bei der jüngsten ERSPC-Auswertung** wurden die Ergebnisse auf nicht erfolgte Teilnahme und Kontamination hin korrigiert, sodass die Effizienz des PSA-Tests nur für die tatsächlich untersuchten Männer erfasst wurde: http://www.erspc.org.com.

Für die ERSPC-Studie wurden seit 1992 162.000 Männer im Alter zwischen 55 und 69 Jahren in sieben Ländern Europas nach dem Zufallsprinzip entweder dem Screening- oder dem Kontrollarm zugeteilt. Bei Personen im Screening-Arm wurde der Bluttest zur Bestimmung des PSA-Wertes durchgeführt. Lag dieser bei 3,0 ng/ml oder darüber, wurde eine Biopsie vorgenommen. Die Vorsorguntersuchungen fanden im Durchschnitt alle vier Tage statt. Die mittlere Nachbeobachtung betrug neun Jahre.

In jeder randomisierten Studie nehmen einige dem Screening-Arm zugeteilte Personen an der Studie letztlich nicht teil und bei einigen aus der Kontrollgruppe wird versehentlich ein PSA-Test durchgeführt (Kontamination). Kontamination erschwert die Feststellung von Unterschieden. Man nimmt an, dass aus diesem Grunde die PLCO-Studie (Prostate, Lung, Colon and Ovarian) keine signifikante Verringerung der Sterblichkeit hat feststellen können.

Ein PSA-Wert von 3 ng/ml ist ein sicherer Grenzwert und verringert die Zahl der Biopsien

Anhand retrospektiver Daten des niederländischen Arms der ERSPC-Studie konnte gezeigt werden, dass der Einsatz eines Vorsorgealgorithmus, d.h. einer individuellen Risikoabschätzung, neben dem PSA-Test die Zahl unnötiger Biopsien verringern kann. Der PSA-Test ist zwar empfindlich aber nicht spezifisch, sodass erhöhte Werte nicht notwendigerweise auf Krebs zurückzuführen sind. Ca. 30 % aller entdeckten Krebsfälle sind nicht aggressiv, d.h. indolent bzw. langsam wachsend.

Diese Ergebnisse, die in der Januar-Ausgabe 2010 von European Urology veröffentlicht werden (und bereits online unter http://www.europeanurology.com/current-issue zur Verfügung stehen), legen nahe, dass ein PSA-Wert von 3 ng/ml in Kombination mit einer individuellen Risikoabschätzung die Zahl der Biopsien um 33 % verringern würde. Die Mehrzahl der auf diese Weise möglicherweise nicht entdeckten Krebsfälle wäre indolent, sodass eine aktive Behandlung keine Vorteile erbrächte. Die Erhöhung des PSA-Grenzwertes von 3 auf 4 ng/ml würde möglicherweise eine vergleichbare Zahl von Biopsien einsparen, würde jedoch zu einer grösseren Zahl nicht entdeckter, klinisch signifikanter Krebsfälle führen.

*NEJM, März 2009

**European Urology, Oktober 2009

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