Ein Herzkranker kann zum Beispiel sehr gesunde Gelenke haben, ein Rheumatiker ein gesundes Herz und ein herzkranker Rheumatiker ein sehr fittes Gehirn. Niemand ist nur krank, er hat stets auch gesunde Anteile. „Er ist bedingt gesund“, formuliert es der Göttinger Medizinsoziologe Dr. Ottomar Bahrs im Gespräch mit dem Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“.

Seine Schlussfolgerung: „Diese Botschaft ist nicht nur gut fürs Selbstwertgefühl, sie kann auch Kräfte und Ressourcen freisetzen, die bei der Bewältigung der Krankheit helfen.“ Bahrs hat seine Erkenntnisse schon mit Patienten und Ärzten in der Praxis erprobt und erfahren, dass beide Seiten von dieser Einsicht profitieren.

Ärzten rät er, die Kranken öfter mit den ihnen verbleibenden Möglichkeiten zu konfrontieren, sie zu fragen, wie sie diese nutzen möchten und dabei Hilfen anbieten. Viele ältere Menschen seien sich etwa ihrer „Krisenerfahrung“ gar nicht bewusst. Der Arzt könne sie daran erinnern, welche Schwierigkeiten sie schon gemeistert haben und so Mut machen, auch das neue Problem anzupacken. Manchmal handelt es sich dabei um die Einsicht in das Unabänderliche: „Chronische Krankheiten lassen sich in der Regel nicht ausmerzen, man muss sie als Teil des Lebens begreifen“, so Bahrs.

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