„Es wird in Zukunft mit neuen Viren als Seuchenerregern zu rechnen sein“, sagt Hans-Georg Kräusslich, Virologe an der Uni Heidelberg, gegenüber P.M. Magazin. „Welche das sind, lässt sich leider nicht vorhersagen.“

Wie die Gruner+Jahr-Zeitschrift in ihrer April-Ausgabe (ab heute im Handel) berichtet, ist die Armee der Viren groß. Sie schlägt zu, wenn niemand damit rechnet. Rund 4000 verschiedene Virusarten sind bis heute bekannt und klassifiziert – raffinierte Überlebenskünstler und in der Lage, ihre Struktur so zu verändern, dass ein bisher wirksamer Impfstoff nicht mehr zu ihrer neuen Form passt.

In den letzten Jahren und Monaten haben Wissenschaftler eine Reihe von unbekannten Viren entdeckt, darunter solche, die ihnen Kopfzerbrechen bereiten: Monsterviren von nie gesehener Größe. Auf so ein Riesenvirus stieß zufällig ein Mikrobiologe bei der Untersuchung des Wassers im Kühlturm eines Krankenhauses in Bradford, England. Er fand merkwürdige Mikroben, die er aufgrund ihres ungewöhnlichen Umfangs zunächst für Einzeller hielt. Mit 400 Nanometern waren sie rund 15-mal so groß wie Schnupfenviren und viermal so groß wie die meisten anderen bekannten Viren.

Konserviert in einer Tiefkühlbox wurde der Fund an den Virenspezialisten Didier Raoult an der Universität Marseille geschickt. Der betrachtete die sensationelle Lieferung zunächst unter dem Mikroskop und erblickte eine mit Fasern besetzte Oberfläche. Ein Bakterium, dachte er, da Viren für Lichtmikroskope normalerweise zu klein sind. Anschließend legte Raoult den Erreger unter ein Elektronenmikroskop. Was er jetzt sah, raubte ihm den Atem: ein Riesenvirus.

Das Monstervirus tarnt sich als Bakterie, mimt also eine Mikrobe (englisch: „mimicking microbe“). Dies trug ihm die Bezeichnung „Mimivirus“ ein. Doch der verniedlichende Name täuscht. Vielleicht müssen sich die Virologen bald auch mit Impfstoffen gegen Monsterviren beschäftigen, die bisher nur Amöben befallen.

„Ob diese Erreger gefährlich werden, kann heute noch niemand sagen“, erklärt Matthias Niedrig vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Beunruhigend ist jedoch die Tatsache, dass in Patienten, die eine gefährliche Lungenentzündung hatten, Antikörper gegen Mimiviren entdeckt wurden. Also muss es bereits erste Kontakte zwischen Mensch und Monstervirus gegeben haben.

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