Stiftung Warentest hat 50 Apotheken unter die Lupe genommen – darunter auch 23 Versandapotheken. Allerdings schnitten sie im Test deutlich schlechter ab, als die Vort-Ort-Apotheken. Über die Testergebnisse spreche ich jetzt im Interview mit Thomas Bellartz, dem Pressesprecher des Deutschen Apothekerverbands.

1. Wie bewerten Sie die Ergebnisse der Stiftung Warentest?

„Zunächst ist das Ergebnis für die Versandapotheken katastrophal schlecht. Die Vor-Ort-Apotheke schneidet sehr gut ab – auch im Vergleich zu vorherigen Tests. Die Versandapotheken haben hingegen extrem schlecht abgeschnitten, noch schlechter als in den vergangenen Jahren ohnehin schon. Da ist der Gesetzgeber gefordert, hier durch neue Gesetze Hand anzulegen. Das Pick-up-Verbot muss her. Das heißt, dass das Pick-up in Drogerien in Zusammenarbeit mit Versandapotheken umgehend verboten werden muss. Der Verbraucher ist hier sehr schlecht beraten, und er ist auch schlecht versorgt.“

2. Überrascht es Sie, dass die Vor-Ort-Apotheken deutlich besser abgeschnitten haben als die Versandapotheken?

„Es ist auf jeden Fall nicht überraschend, dass die Vor-Ort-Apotheken besser sind. Die waren schon immer besser. Wir haben immer gesagt, dass der Versandhandel mit Arzneimitteln keine gute Lösung ist, kein gutes Angebot ist. Das bewahrheitet sich jetzt leider. Darüber sind wir gar nicht glücklich, deshalb ist jetzt natürlich auch eine Reaktion gefordert. Unser Reaktion wird natürlich sein, dass wir zum Einen versuchen, da, wo wir können vonseiten der Apothekerkammern die Prüfungen, die Tests zu verschärfen. Auf der anderen Seite sind natürlich auch die Regierungspräsidien vor Ort – also die Kontrollinstanzen – nun aufgefordert, sich die Versandapotheken mal genau anzuschauen. So kann es auf jeden Fall nicht weiter gehen.“

3. Was genau unterscheidet eine Versandapotheke denn von einer Vor-Ort-Apotheke – beziehungsweise sind Versandapotheken überhaupt „richtige“ Apotheken?

„Also, bei Versandapotheken muss natürlich grundsätzlich zwischen den illegalen und den legalen unterschieden werden. Die legalen Versandapotheken – nur die wurden hier getestet, und da die ganz großen, also etwa geschätzte 98 Prozent des Marktes der Versandapotheken wurden in dem Test von Stiftung Warentest abgebildet. Da ist im Hintergrund in der Regel eine ganz normale Offizin-Apotheke, aber das Ganze läuft natürlich schon fast industriell ab, und das ist genau das Problem. In der Vor-Ort-Apotheke arbeiten Menschen, da gibt es den Augenkontakt, den ganz persönlichen Draht zwischen dem Apotheker und dem Kunden. Das ist in der Versandapotheke nicht der Fall und deshalb ist die Qualität auch so dramatisch schlecht.“

4. Stiftung Warentest hat an den Versandapotheken ja unter anderem bemängelt, dass sie sich „nur die Rosinen rauspicken“ würden – was genau ist damit gemeint?

„Damit ist gemeint, dass Versandhändler eindeutig bestimmte Leistungen nicht erbringen – beispielsweise das Anfertigen von Rezepturen – und wir haben auch das Gefühl, dass beispielsweise nicht so sehr in pharmazeutisches Fachpersonal investiert wird, wie das in der Vor-Ort-Apotheke der Fall und auch normal ist. Das sind nur zwei Beispiele für das „Rosinen-Picken“. Natürlich legen es Versandapotheken darauf an, das schnelle Geschäft zu machen. Das kann nicht das Ziel sein. Es geht um pharmazeutische Beratung, es geht um Begleitung der Patienten und Versicherten, und da ist die Vor-Ort-Apotheke anscheinend die deutlich bessere Wahl.“

5. Sind die Testergebnisse für Sie als Verband jetzt auch Anlass, etwas zu verbessern oder zu verändern?

„Also, bei uns ist es immer so: Wir nehmen alle Tests – egal ob von Medien oder von Stiftung Warentest ernst. Man muss natürlich sagen, wenn 27 Vor-Ort-Apotheken getestet werden, dann sind das ungefähr ein Promille der deutschen Apotheken, wo hingegen bei den Versandapotheken nun fast 100 Prozent des Marktes getestet wurden, und das Ergebnis dramatisch ist. Also, bei uns ist es schon so, dass wir nachschauen, was wir tun können. Wir haben von Stiftung Warentest Hinweise bekommen. Ein Hinweis war, dass wir uns der Versandapotheken annehmen sollen, was ich sehr bemerkenswert finde. Einen anderen Hinweis zu mehr Diskretion nehmen wir sehr ernst. Da gibt es schon Maßnahmen, aber das werden wir sicherlich ausbauen.“

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