Rund 80.000 Stunden verbringt der Büro-Mensch im Laufe seines Arbeitslebens sitzend am Schreibtisch. Rechnet man noch das tägliche Sitzen in den eigenen vier Wänden, im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln hinzu, ganz zu schweigen von Kino- oder Theaterbesuchen, wird schnell klar: Der Körper bekommt zu wenig Bewegung. „Mittlerweile klagt jeder Zweite häufig bis regelmäßig über Rückenschmerzen und Verspannungen. Nicht selten sind früher oder später chronische Beschwerden die Folge“, weiß Ulrike Lübbert, staatlich anerkannte Physiotherapeutin, Geschäftsführerin des Berliner Unternehmens ergophys sowie Beraterin des Bundesverbands Sekretariat und Büromanagement e.V. (bSb). Doch was ist zu beachten, damit Schreibtischarbeit keine Spätfolgen nach sich zieht?

Sitzen gilt allgemein als Ruhestellung nach dem Stehen oder Laufen. Bewegungsapparat und Kreislauf werden entspannt, der Organismus reduziert sowohl Tätigkeit als auch Energieverbrauch. Diese Position unterstützt geistige Arbeit und fördert die Funktion des Gehirns. Trotzdem ist der Mensch für langes Sitzen nicht geschaffen. Die Bandscheiben, die als Stoßdämpfer und elastischer Puffer zwischen den Wirbelkörpern fungieren, werden nur in unbelastetem Zustand durch Diffusion mit Nährstoffen versorgt. Dauerbelastung und Austrocknung können zu irreparablen Schäden führen.

Allerdings nutzt der beste Bürostuhl nichts, wenn er nicht richtig eingestellt ist. „Korrekt sitzt man, wenn Ober- und Unterarm bei Horizontalstellung der Sitzfläche etwa einen rechten Winkel bilden und der Unterarm auf der Tischplatte aufliegt. Die Füße sollten mit der ganzen Sohle entspannt auf dem Boden stehen“, erklärt die Physiotherapeutin. Zudem entlasten höhenverstellbare Armlehnen die Arme und Ellenbogen. So lassen sich Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich vermeiden. „In Seminaren, die ich für unterschiedliche Unternehmen – wie auch für den bSb – durchführe, merke ich immer wieder, dass die Kenntnisse um einen optimal eingerichteten Arbeitsplatz oftmals noch rudimentär sind. Dabei sollten Arbeitgeber nicht außer Acht lassen, dass der Volkswirtschaft durch die Volkskrankheit „Rückenschmerz“ Milliarden Verluste entstehen, die sich durch Arbeitsausfall und Therapie sowie Rehabilitationskosten ergeben“, meint Ulrike Lübbert. „Als Berufsverband ist es uns wichtig, in diesem Bereich Aufklärungsarbeit zu leisten und unseren Mitgliedern und allen im Büro tätigen Menschen Tipps für den Alltag zu geben“, betont auch Monika Gunkel, erste Vorsitzende des bSb.

Doch egal wie gut man sitzt – was der Körper braucht ist regelmäßige Abwechslung. Deshalb sind Steh-/Sitzarbeitsplätze eine logische Lösung. Durch die höhenverstellbare Schreibtisch-Platte bestimmen die Benutzer jederzeit etwaige Haltungs- und Stellungswechsel. Ganz gleich, ob beim Telefonieren, Schreiben oder in der Diskussion mit Kollegen – ein Positionswechsel ist jederzeit möglich und vor allem empfehlenswert. So wird eine einseitige Belastung bestimmter Körperregionen vermieden. Darüber hinaus trägt das Gefühl der Selbstbestimmung dazu bei, entspannt mit der Arbeit umzugehen. Optimal organisiert ist der Arbeitplatz zudem, wenn nicht alles vom Stuhl aus erreichbar ist. Damit wird der Weg zum Kopierer oder das Strecken vor dem Regal zu einem willkommenen Ausgleich. Außerdem sollte für ausreichend frische Luft gesorgt werden. Ein Spaziergang in der Mittagspause ist also genau das Richtige. Wer dann in der Freizeit auch noch für regelmäßigen Ausgleichssport sorgt, gibt seinem Organismus den Rückhalt, den er bei der täglichen Arbeit am Schreibtisch benötigt.

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