Mehr als 70 Prozent der Deutschen wünschen sich bei der Behandlung mehr alternative Behandlungsmethoden. Das Fitness- und Gesundheitsmagazin VITAL versammelte für seine aktuelle Ausgabe (5/10; EVT: 21. April) drei Leserinnen sowie eine Komplementär- und eine Schulmedizinerin zu einer Diskussion über Stärken und Schwächen der beiden Heilsysteme.

Einig sind sich beide Medizinerinnen, dass die Alternativmedizin von den Patienten mehr Eigenverantwortung verlangt. „In dem Sinne, dass ich auf meinen Körper höre, ihm vertraue“, erläuterte die Hamburger Komplementärmedizinerin Christiane Weigand-Schauenburg. „Dass ich weiß, wann ich mir nicht mehr selbst helfen kann und wann ich zum Arzt muss.“ Die Hamburger Allgemeinärztin Dr. Cordula Sohst-Brennenstuhl betont allerdings, dass der Patient auch in der Schulmedizin Verantwortung übernehmen muss: „Stichwort Empowerment: Der Arzt leitet ihn als Gesundheitscoach und empathischer Partner zu mehr Selbstbestimmung an.“

Schließlich hätten beide Heilsysteme einen ganzheitlichen Blickwinkel, der Krankheit als Summe mehrerer Faktoren wie Psyche, beruflichem oder privatem Umfeld betrachte. „Alternativmediziner klopfen aber in einem umfassenden, zeitintensiven Gespräch alle Faktoren ab“, gibt die Schulmedizinerin zu. Grund seien die begrenzten Fallpauschalen der Krankenkassen. „Als Schulmedizinerin werde ich pauschal pro Patient bezahlt. Egal, wie oft und wie lange ich mit ihm spreche. Vor diesem Hintergrund ist es schwer, eine gute Medizin zu machen.“

Bei lebensbedrohlichen Krankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Krebs sieht Komplementärmedizinerin Weigand-Schauenburg wiederum die Schulmedizin vorn. „In diesen Fällen bleibt sie unschlagbar, und ich könnte eine ausschließlich alternativmedizinisch orientierte Therapie nicht verantworten.“ Wohl aber sei bei solchen Akutversorgungen eine Kombination beider Systeme sinnvoll. „Denn gerade sie formt einen Idealbereich der Heilkunst.“ Ein Ansatz, der am ehesten den Patientenwünschen entspricht. „Beide Systeme sollten zusammen- und nicht gegeneinander arbeiten“, sagt VITAL-Leserin Tine Zelass. „Ich als Patientin möchte die Möglichkeit haben, mich für die Behandlungsform zu entscheiden, die sich für mich richtig anfühlt und die zu mir passt.“

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