Ob als Würzsoße, Öl, Fleisch- oder Milchersatz – die Verwendungsmöglichkeiten für die Sojabohne sind so mannigfaltig, wie die Meinungen zum gesundheitlichen Nutzen. Von Gesundheitsbewussten und Vegetariern als Trendlebensmittel entdeckt, warnen Mediziner und Wissenschaftler vor möglichen Risiken eines hohen Konsums.

Während vor ein paar Jahren Sojaprodukte wie Tofu oder Sojamilch noch als typisches „Vegetarieressen“ bekannt waren, erfreut sich die asiatische Bohne heute auch bei Mischköstlern größerer Beliebtheit. Die Palette an Sojaprodukten im Supermarkt ist daher denkbar reich. Neben traditionellen Produkten wie Sojaöl, Sojasoße, Tofu und Sojamilch stehen heute Sojajoghurt, Sojaeis und fleischlose Frikadellen in den Regalen. Ihren Ruf als „gesunder“ Fleisch- und Milchersatz verdankt die Hülsenfrucht vor allem dem hohen Gehalt an pflanzlichem Eiweiß sowie bestimmten Pflanzenhormonen, die gegen Beschwerden der Wechseljahre, Osteoporose und einige Krebsarten helfen sollen. Doch ist dieser Trend wirklich unbedenklich?

Sojaprodukte sind seit hunderten von Jahren Bestandteil der traditionellen ostasiatischen Küche. Bei uns gewann die Hülsenfrucht erst in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung. Für den europäischen Körper sind die Inhaltsstoffe daher noch relativ ungewohnt und führen bei empfindlichen Personen mitunter zu überschießenden Immunreaktionen. Sojaallergien sind seither relativ häufig anzutreffen. Besonders für die Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern sind Sojamilch und andere Sojaprodukte folglich ungeeignet.

Anlass für viele medizinische Spekulationen geben besonders die enthaltenen Phytoöstrogene Genistein und Daidzein. Diese, dem menschlichen Östrogen in Struktur und Wirkung ähnlichen Pflanzenhormone, wurden bereits vielfach untersucht. Sowohl für den beworbenen Nutzen, wie auch für die vermuteten Risiken mangelt es jedoch an aussagekräftigen Ergebnissen.
Als natürlicher Östrogenersatz sollen entsprechende Sojapräparate bei Frauen jenseits der Fünfzig gegen typische Beschwerden der Wechseljahre helfen. Viele Ärzte stehen dem allerdings kritisch gegenüber, da nicht ausreichend geklärt ist, ob diese bei längerer Einnahme das Brustkrebsrisiko erhöhen. Auch bei Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion ist erst einmal Vorsicht angebracht. Besonders in isolierter und angereicherter Form wirken sich Phytoöstrogene ungünstig auf den Schilddrüsenstoffwechsel aus. Dabei ist nicht auszuschließen, dass die regelmäßige Einnahme von Sojapräparaten aber auch ein häufiger Verzehr von fermentierten Sojaprodukten wie Tempeh und Miso die Funktion der Schilddrüse auf Dauer stören.

Einen Anlass, Sojaprodukte komplett vom Teller zu verbannen, gibt es allerdings nicht. Gerade für fleischlos lebende Menschen oder Milchzuckerintolerante sind diese eine willkommene Abwechslung und Eiweißquelle. Doch auch hier gilt: weniger ist mehr. Besonders unfermentierte Produkte wie Tofu und Sojamilch enthalten reichlich Phytinsäure, welche die Aufnahme von Mineralstoffen wie Kalzium, Eisen und Iod im Darm stört. Zudem sind Verunreinigungen mit gentechnisch veränderter Soja in vielen Produkten keine Seltenheit mehr, doch für den Verbraucher nicht zu erkennen.

Quelle: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.

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