Angehörige oder Altenpfleger erleben gelegentlich heftige Abwehr, wenn sie pflegebedürftigen älteren Frauen bei intimen Angelegenheiten helfen wollen. Manchmal reagieren die Frauen auch verwirrt, apathisch oder gar aggressiv. Dies könnten Zeichen sein, dass bei ihnen Erinnerungen an sexuelle Gewalt in Jugendtagen wieder aufgebrochen sind, erklärt die Altenpflegerin und Psychotraumatologin Martina Böhmer aus Bielefeld im Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“. Heute hochbetagte Frauen haben als Jugendliche oder junge Erwachsene den Zweiten Weltkrieg erlebt. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Forscher gehen von zwei Millionen vergewaltigter Frauen aus. „Viele Betroffene haben ihre Erlebnisse verdrängt, um überhaupt überleben zu können“, erklärt Böhmer.

„Im Alter brechen Strategien, das Schreckliche zu verdrängen, schnell zusammen.“ Bei der Pflege kommt es häufig zu Situationen, in denen sie sich hilflos fühlen – so wie bei der Vergewaltigung. Böhmer rät dem Pflegepersonal, an solche Möglichkeiten zu denken, das Gespräch anzubieten, aber auch zu akzeptieren, wenn dies abgelehnt wird. Im Zweifel sollten die Pflegenden ihre Vorstellungen von Hygiene hintanstellen und den Willen der Patientin respektieren. „Die Frauen wurden oft im Beisein anderer vergewaltigt“, erklärt Böhmer. Deshalb sei es auch ratsam, auf individuelle Pflege zu pochen, also nicht vor den Augen anderer – wie es in Pflegeheimen of geschieht.

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