In deutschen Arztpraxen herrscht zu viel Bürokratie. Fast die Hälfte (40,3 Prozent) der befragten Mediziner opfert zwei Stunden ihrer täglichen Arbeitszeit dem ‚Papierkrieg‘. Mehr als ein Viertel (25,2 Prozent) der Ärzte sieht darin einen Hauptgrund für den Ärztemangel in Deutschland. So das Ergebnis des monatlich erhobenen CompuGROUP GesundheitsMONITORs, einer repräsentativen Umfrage unter 440 zufällig ausgewählten Hausärzten, Kinderärzten und Gynäkologen der CompuGROUP Holding AG, der Rhein-Zeitung und der Medical Tribune aus dem März.

Deutsche Mediziner arbeiten lieber am Patienten als am Schreibtisch

Der Ärztemangel in Deutschland ist eines der Top-Themen unserer Gesundheitspolitik. Die Ärzte wissen aus eigener Erfahrung, weshalb der Arztberuf an Attraktivität verloren haben könnte. Etwa jeder Vierte (25,2 Prozent) der Befragten kritisiert einen unverhältnismäßig hohen bürokratischen Aufwand im Praxisalltag. So verbringt weit mehr als jeder Dritte (40,3 Prozent) etwa zwei Stunden seines zehnstündigen Arbeitstages am Schreibtisch. Fast ein Viertel der Befragten (24,1 Prozent) gibt an, eher drei Stunden – also nahezu ein Drittel der Zeit! – dafür aufzuwenden, und mehr als jeder Achte (13,6 Prozent) ist damit sogar eher vier Stunden beschäftigt.

Verdienen Ärzte zu wenig?

Über ein Viertel der Umfrageteilnehmer (25,5 Prozent) gaben ein zu geringes Honorar als möglichen Grund für den drohenden Ärzteschwund an. Zu viel wirtschaftliches Risiko hingegen fürchtet nicht einmal jeder Fünfte (18,4 Prozent). Und nur 13,9 Prozent der Mediziner schätzen den Arztberuf als perspektivlos ein. Noch weniger Mediziner (12,3 Prozent) glauben, dass eine zu unsichere Politik den Ärztemangel auslöst. Aus der Umfrage geht aber auch hervor, dass unsere Ärzte gerne und mit großem Einsatz in ihrem Beruf tätig sind. Denn lediglich 4,7 Prozent der Befragten geben zu lange Arbeitszeiten als möglichen Grund für den momentanen Ärztemangel an.

Medizinische Versorgungszentren ziehen Ärzte nicht aufs Land

Besonders eklatant ist der Ärztemangel auf dem Land. Hier scheint der Zusammenschluss von Fachärzten in medizinischen Versorgungszentren keinen Anreiz zu bieten, in ländlichen Regionen zu arbeiten. Das bekunden mehr als acht von zehn (86,1 Prozent) der befragten Hausärzte, Kinderärzte und Gynäkologen. Nicht einmal jeder Siebte (13,4 Prozent) hält die Zusammenschlüsse für eine gute Lösung, um den Arztberuf auf dem Land wieder attraktiver zu machen. Gut die Hälfte (54,2 Prozent) derer, die medizinische Versorgungszentren befürworten, begrüßen dort die geregelten Arbeitszeiten, den Austausch mit Kollegen 20,3 Prozent und knapp jeder Fünfte (18,7 Prozent) das sichere Einkommen.

Mehr Anreize durch gesicherte Existenzbedingungen

Auf die Frage, was man verändern müsste, um mehr Ärzte aufs Land zu bringen, fordern deutlich mehr als die Hälfte der Mediziner (61,4 Prozent) verlässliche Rahmenbedingungen. Knapp jeder Fünfte (17,5 Prozent) verlangt zudem, dass Ärzte auf dem Land ebenso viel verdienen können wie die Kollegen in der Stadt. 15,7 Prozent plädieren für ein garantiertes Mindesteinkommen.

Skepsis bei Selektivverträgen, aber Vertrauen in bewährte Praxis-Software

Nicht nur medizinische Versorgungszentren, sondern auch ‚Selektivverträge‘ betrachten deutsche Ärzte mit Zurückhaltung. Acht von zehn (79,1 Prozent) vertreten die Auffassung, dass Direktverträge zwischen einzelnen Arztgruppen und den Krankenkassen bislang keine Vorteile für die Patienten bringen. Doch nur 14,5 Prozent lehnen diese Vertragsform völlig ab. Offenbar muss an der Umsetzung von ‚Selektivverträgen‘ noch gefeilt werden. In diesem Zusammenhang träumen 61,2 Prozent der Befragten davon, dass sich alle Kassen auf die gleichen Rahmenbedingungen einigen. Fast jeder neunte Arzt (10,7 Prozent) hätte gerne Arbeitserleichterungen durch einheitliche Formulare für alle Kassen. Weit abgeschlagen auf der Wunschliste sind hingegen Software, die man zusätzlich installieren müsste (0,9 Prozent) sowie Hilfestellungen durch den Außendienst der Krankenkassen (0,2 Prozent).

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