Nanotechnologien im Lebensmittelbereich

Alle reden darüber, aber eigentlich weiß noch Keiner so richtig, wie sich das Thema fassen lässt: die Nanotechnologien im Lebensmittelbereich. Berichtet wird über Lebensmittelzusätze wie Mineralien, die aufgrund ihrer nanoskaligen Partikelgröße eine bessere Bioverfügbarkeit versprechen oder über Ketchup-Flaschen, die sich dank Nano-Beschichtungen restlos entleeren lassen sollen. Die Anwendungsbeispiele, die durch die Medien geistern, sind zahlreich. Dabei ist die wissenschaftliche Beweislage, dass es sich bei den Produkten tatsächlich um Nano-Anwendungen handelt, dürftig. Zu Vieles ist noch unklar: Weder gibt es eine eindeutige Definition, wann etwa ein Lebensmittel wirklich als „nano“ gilt, noch gibt es analytische Verfahren, mit denen sich freie Nano-Partikel im Lebensmittel verlässlich nachweisen lassen. Zwar ist ein fehlender Nachweis kein „Unschuldsbeweis“.

Doch auch die Indizien, dass echte Nano-Produkte in Lebensmitteln oder ihren Verpackungen eingesetzt werden, sind wenig überzeugend. So berichtete Dr. Ralf Greiner vom Max-Rubner-Institut auf dem 5. Karlsruher Lebensmittelsymposium im März 2011 über seine Untersuchungen an Verpackungsfolien aus Asien, die angeblich mit Nano-Silber beschichtet sein sollten. Nano-Partikel ließen sich nach den bislang möglichen Verfahren aber nicht nachweisen. Nach vollständiger Verbrennung der Folien war nicht einmal Silber nachweisbar. Ein Beispiel, das zwar keine pauschalen Schlussfolgerungen zulässt, es könnte aber Zweifel beflügeln, was die tatsächliche Anwendung der Nanotechnologien in der Lebensmittelwelt betrifft.

Die Wissenschaft ist ähnlich skeptisch, ob andere mögliche Nano-Anwendungen bereits Praxiswert besitzen. Als wahrscheinlicher gilt, dass die Nanotechnologien zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr dem Produktmarketing dienen. Davon ist im Übrigen auch der Forschungsbereich nicht ausgenommen. Viele Forschungsanträge beinhalten heute das Zauberwort „nano“, offenbar um die Chancen auf eine finanzielle Förderung zu begünstigen.

Dr. Christina Rempe, Britta Klein, www.aid.de

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