Abnehmen online: Enttäuschung vorprogrammiert?

„Was ist ein realistisches Abnehmziel?“ Dieser Frage gingen M.Sc. Steffi Dierks und Prof. Martin Schellhorn vom Institut für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre an der Kieler Christian-Albrechts-Universität im Rahmen einer Studie nach. Bei der Analyse der Erfolge von Online-Gewichtsreduktionsprogrammen stellten die Wissenschaftler fest, dass diese mit teilweise hohen Abbruchraten im Bereich von 15 bis 80 % zu kämpfen haben. Diese hohen Raten könnten damit erklärt werden, dass sich die Abnehmwilligen zu hohe Ziele setzen. Die empfohlenen Gewichtsverluste liegen üblicherweise im Rahmen von 5 bis 10 % und sind damit eher moderat. Demgegenüber setzen sich die Teilnehmer von Online-Gewichtsreduktionsprogrammen oftmals couragiertere Ziele – und scheitern damit allzu oft.

Grundlage für diese Untersuchung waren die Daten von 472 Teilnehmern eines Online-Gewichtsprogramms. Im Durchschnitt hatten die Probanden einen Gewichtsverlust von 16 % angestrebt, was oberhalb des empfohlenen Gewichtsverlusts lag. 93 % der Teilnehmer stellten damit überzogene Erwartungen an das Programm. Der Anteil der Frauen an dieser Gruppe „überzogene Erwartungen“ betrug 78 %. Ebenso fiel auf, dass Teilnehmer mit unrealistischen Erwartungen über den eigenen Gewichtsverlust mit durchschnittlich 45,2 Jahren tendenziell jünger sind. Interessant ist weiterhin, dass Menschen in der Gruppe „realistische Erwartungen“ gesundheitliche Gründe als Motiv für eine Gewichtsreduzierung nennen. Teilnehmer aus der Gruppe „überzogene Erwartungen“ waren demgegenüber eher durch eine Veränderung/Verbesserung des Aussehens angetrieben.

Die Kieler Wissenschaftler raten dazu, Menschen mit dem Wunsch einer Gewichtsabnahme verstärkt über die realistischen Möglichkeiten zu informieren. Dadurch könnte einer Frustration unter den Teilnehmern entgegengewirkt und die Abbruchquoten von Gewichtsreduktionsprogrammen verringert werden.

Dr. Uwe Scheper, www.aid.de

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