Drei große Hürden für den Lern-Erfolg von Schülern und wie Lehrer helfen können, sie zu überwinden

Der Lern-Erfolg eines Schülers hängt unter anderem von drei Faktoren ab: dem eigenen Selbstbild des Schülers, eingefahrenen Denkmustern und dem Lern-Umfeld. Wie diese durch einfache, oft sogar kostenfrei umsetzbare Anregungen positiv beeinflusst werden können, zeigt eine neue Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung. Erstellt wurde die Studie vom Forschungszentrum der Royal Society RSA London in enger Zusammenarbeit mit Lehrern. „Lehrer leisten jeden Tag Schwerstarbeit“, so der Geschäftsführer der Vodafone Stiftung, Dr. Mark Speich, „besonders um Schüler aus benachteiligten Verhältnissen zu fördern. Und wir wollen sie dabei unterstützen.“ Hierfür wurde das Internetforum www.lehrerdialog.net eingerichtet, in dem alle Vorschläge aus der Studie vorgestellt werden und in dem sich Lehrer aus ganz Deutschland zudem gegenseitig weitere Tipps zur Schüler-Motivation geben können.

„Als Lehrer hat man zwar im Studium irgendwann einmal kurz gehört, wie bestimmte innere Hürden einen Schüler zurückhalten können, aber dies war nicht wirklich ausreichend und ist oft schon lange her“, so Ingrid Baumgartner-Schmitt, Realschul-Rektorin und Vorsitzende des Schulleitungsverbandes Rheinland-Pfalz anlässlich der Vorstellung der Studie. Deshalb müsse man als Lehrer immer wieder darüber nachdenken, so Baumgartner-Schmitt weiter, wie man durch kleine Impulse von außen dem Schüler über diese Hürden helfen kann. Hier setzt die Studie an.

Das Selbstbild der Schüler durch das richtige Feedback verbessern

Das Selbstbild eines Kindes hat deutliche Auswirkungen auf seinen schulischen Erfolg, kann jedoch durch die richtige Art des Feedbacks verbessert werden. Schüler haben es demnach beim Lernen schwerer, wenn sie das Bild im Kopf haben, dass ihre geistigen Fähigkeiten von vornherein festgefügt sind. Sie können dagegen besser lernen und leichter mit Rückschlägen umgehen, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihre geistigen Leistungen – ähnlich wie beim Sport – durch Übung verbessert werden können. Deshalb sollten Lehrer und Eltern genau dieses Selbstbild bei den Schülern fördern. Sie sollten sie nicht für ein bestimmtes Ergebnis oder gar ihre Klugheit loben, sondern dafür, wie sehr sie sich angestrengt haben. Dies kann bei den Schülern die Überzeugung fördern: Geistige Fähigkeiten sind keine unveränderbaren Eigenschaften, sondern es kommt stark auf den Fleiß an.

Eingefahrene Denkmuster immer wieder bewusst machen

Die meisten Menschen glauben, dass sie wohlüberlegt und unvoreingenommen urteilen, doch die Verhaltensforschung zeigt, dass sie in ihrem Denken zu Verzerrungen neigen. Sie neigen beispielsweise dazu, nach Informationen zu suchen, die ihre bestehenden Überzeugungen stützen und Informationen, die sie zuerst erhalten haben, überzubewerten. Solche Verzerrungen können den Lern-Erfolg beeinflussen. Lehrer können dem entgegenwirken, indem sie beispielsweise immer wieder mit den Schülern ihre Denkmuster reflektieren und sie für das Berücksichtigen von Gegenargumenten loben. Es gibt aber auch ein menschliches Denkmuster, das man sich möglicherweise zunutze machen kann, um Schüler zu besseren Leistungen anzuregen. Die meisten von uns ärgern sich nämlich mehr, wenn sie eine Sache verlieren, als sie sich freuen, wenn sie die gleiche Sache gewinnen. Dies wird in der Wissenschaft als Verlust-Aversion bezeichnet und ist bereits im Schulwesen erprobt worden. Bei Tests fielen die Ergebnisse besser aus, wenn die Schüler vorher eine Belohnung bekamen, die sie nur bei einer guten Prüfungsleistung behalten durften, als wenn sie sich dieselbe Belohnung durch eine gute Prüfungsleistung erst verdienen mussten. Dabei muss die Belohnung nicht finanzieller Natur sein. Vielmehr sollten Lehrer und Bildungspolitiker einmal ganz offen prüfen, ob sich diese Erkenntnis im Anreizsystem in der Schule einsetzen lässt.

Das Lern-Umfeld anregend gestalten

Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst kleine Reize aus dem direkten Lern-Umfeld große Leistungssteigerungen bewirken können: wenn der Lehrer die Schüler vor einem Test eine Eins oben auf ihren Antwortbogen schreiben lässt oder sie unbewusst mit bestimmten Schlüsselwörtern konfrontiert, die für Intelligenz stehen, kann dies ihre Prüfungsergebnisse verbessern. Aber auch die Gestaltung des Schulgebäudes und des Schulgeländes spielen eine große Rolle. Jede Art von Bäumen, Grünflächen oder auch schon Zimmerpflanzen beispielsweise können die geistige Erholung fördern und das Aggressionspotenzial senken. Dagegen sollten sichtbare Anzeichen von Armut oder Verwahrlosung so gut es geht vermieden werden, denn sie können die Impulsivität der Schüler steigern und ihre Leistungen negativ beeinflussen. Dies sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch dass es hier scheinbar Nachholbedarf gibt, zeigt die aktuelle Situation in Berlin. Dort wird der Zustand in vielen Schulen inzwischen sogar schon als unhygienisch bezeichnet, so dass sich bereits eine Eltern-Initiative dagegen bildet. Aber auch die Kinder, deren Eltern sich nicht so effektiv organisieren können, sollten in einer sauberen und anregenden Schule lernen dürfen.

Über die Studie

Die Studie Schüler richtig motivieren – Wie verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse im Bildungsbereich genutzt werden können wurde vom Forschungszentrum der Royal Society RSA London im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland erstellt. Sie fasst die neuesten Erkenntnisse aus Theorie und Empirie der Verhaltenswissenschaften (v. a. der Sozialpsychologie und Verhaltensökonomie) zusammen. Hierfür wurde der aktuelle Stand der Forschungsliteratur ausgewertet, Expertengespräche geführt sowie bestehende repräsentative Umfragedaten unter Lehrern, Schülern und Eltern hinzugezogen. Die Ergebnisse wurden in zwei Fokusgruppen mit Lehrern aus unterschiedlichen Schulformen, Unterrichtsfächern und Altersjahrgängen in Berlin getestet und diskutiert, um deren Einschätzungen in die Studie einfließen zu lassen und somit ihre praktische Anwendbarkeit zu erhöhen.

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