Schmerz: Konsum von Opioiden steigt in Südeuropa um 15 %

Heute finden die Abschlusssitzungen des „World Medicine Park“-Kongresses statt, dem ersten weltweiten, den medizinischen Wissenschaften gewidmeten Forum, dessen Fokus dieses Jahr auf der Schmerzbehandlung liegt. Zu den innovativen Aspekten, die auf dem Kongress diskutiert wurden, zählt die Zukunft der Schmerztherapie auf Basis der genetischen Medizin für zunehmend personalisierte Heilmittel. Kongresspräsident Jordi Moya Riera: „Merken Sie sich den Kongress für nächstes Jahr schon einmal vor – mit noch mehr Teilnehmern und multidisziplinären Aspekten. Unser Dank gilt den Institutionen auf Menorca und den Balearen für deren grosszügige Unterstützung.“

Über 1.200 Delegierte aus mehreren europäischen Ländern trafen sich zum ersten World Medicine Park, der am 7. Mai in Menorca eröffnet wurde. Hier handelte es sich nicht nur um einen Kongress, sondern vielmehr um einen multidisziplinären Medizinpark, der zu einem Treffpunkt der weltweiten Gemeinschaft im Gesundheitswesen werden soll.

„In den letzten Tagen haben wir hier einen intensiven Informationsaustausch und Teamwork vonseiten klinischer Spezialisten, Forscher, Unternehmen und Institutionen in der Diskussion um die wichtigsten Herausforderungen in Sachen Schmerzbehandlung beobachten können“, soGuido Fanelli, Professor für Anästhesiologie und Reanimation an der Universität Parma, einer der wichtigsten Unterstützer des WMP. „All dies mit Unterstützung aus den Bereichen Spitzentechnologie und Innovation. Eines der wichtigsten Ergebnisse des Kongresses war der Bedarf, das Patientenverständnis von opioiden Analgetika zu verbessern, damit diese Substanzen in Europa grössere Akzeptanz erfahren können, ebenso wie die Fortbildung von Medizinern, damit diese in der Lage sind, optimale Medikamente zu verschreiben. Was die Verwendung von opioiden Analgetika angeht, so haben diese in den Ländern Südeuropas einen zweistelligen Zuwachs erfahren. Dieser liegt höher als der Zuwachs in den Ländern Nordeuropas, doch hier gilt es weiterhin, eine Lücke zu füllen.“

Eine interessante Diskussionsrunde fand mit den beiden führenden Unternehmen im Bereich Schmerztherapie, Grünenthal und Mundipharma, zum Thema Verschreibung von Arzneimitteln statt. Diese wurden vertreten von den beiden Regional Managers für Südeuropa, Thilo Stadler, der die Marktdaten für Europa vorstellte, und Marco Filippini, der die Daten für Italien aufzeigte. Laut der von Stadler präsentierten Situation zeigt die Anzahl der Behandlungstage von Patienten (Patient Treatment Days – PTD) pro Jahr einen positiven Trend auf mit einem langsamen aber kontinuierlichen Anstieg entsprechender Therapien in Südeuropa. Im Zeitraum 2009-2013 konnte in Italien, Frankreich, Spanien und Portugal ein Gesamtanstieg im Konsum starker opioidhaltiger Medikamente um 15 % verzeichnet werden. Dem gegenüber steht ein Anstieg um 8 % in den nordeuropäischen Ländern, in denen der Einsatz dieser Substanzen ohnehin höher ist. Im Einzelnen belegt gemäss IMS-Daten von Januar bis Dezember 2013 Dänemark den ersten Platz (9,1 PTD), gefolgt von Grossbritannien (8,1) und Schweden (5,8). Am anderen Ende der Skala liegen Spanien (2,4), Frankreich (2), Italien (1,3) und Portugal (0,5). Das Marktvolumen opioidhaltiger Medikamente betrug in 2013 1,8 Milliarden Euro, wovon ein Zuwachs von 10 % auf Südeuropa entfällt, gegenüber 3 % auf Nordeuropa. Die Zahlen von Filippini zeigen eine leichte Verbesserung in Italien bezüglich der Verschreibung angemessener Schmerztherapien, obwohl hier nicht steroidale, entzündungshemmende Medikamente (non-steroidal anti-inflammatory drugs – NSAID) trotz ihrer erheblichen Nebenwirkungen die mit Abstand am meisten gekauften rezeptfreien Arzneimittel in Selbstbehandlung verbleiben.

Einen wichtigen Beitrag zur Diskussion leistete ein Vertreter der Vereinten Nationen, der die Bereitschaft der UN zur Unterstützung opioidhaltiger Schmerzmittel in der Schmerztherapie bestätigte. „Rund 83 % der Weltbevölkerung hat keinen oder nur begrenzten Zugang zu Betäubungsmitteln zum Einsatz in der Schmerztherapie“, so Gilberto Gerra aus dem Office of Drugs and Crime (UNODC) der Vereinten Nationen, einer der Referenten beim World Medicine Park. „Jedes Jahr leben 5,5 Millionen Krebspatienten im Endstadium ohne angemessene Schmerzbehandlung. Heutebekräftigen die Vereinten Nationenerneut, dass die kontrollierte Bereitstellung narkotischer Substanzen garantiert sein muss, um internationalen Abkommen zu genügen. Wir arbeiten an einervollständigen Überarbeitung des Modellgesetzes zum Zugang zu Medikamenten unter der Vermeidung der Problematik der Illegalität durch neue und fortschrittliche Bestimmungen, die weniger auf die Bestrafung von Straftätern abzielen, sondern vielmehr auf die Behandlung, den Schutz und die Unterstützung von Patienten. Bis Ende 2014 sollte uns eine Endfassung zur Vorlage bei unseren Mitgliedsstaaten vorliegen,damit diese ihre eigenen nationalen Gesetze bezüglich dieser neuen Bestimmungen überarbeiten können.“

Der Kongress behandelte weiterhin das interessante Thema der personalisierten genetischen Medizin, da diese Entwicklungsmöglichkeiten in der Schmerztherapie bietet. „Ein Beispiel ist der Schmerz im Lendenwirbelbereich, an dem 80 % der Patienten mit chronischen Schmerzproblemen leiden“, so Massimo Allegri, Spezialist für Schmerztherapie an der Polyklinik von San Matteo, Pavia. „Viele Untersuchungen zeigen, dass in in der Hälfte der Fälle diese Beschwerden vererblich sind. Der Einsatz genetischer Medizin wird uns dabei helfen, Menschen zu identifizieren, die die Biomarker aufweisen, die ihr Risiko erhöhen, bestimmte neuraglische Krankheiten zu entwickeln und uns so in die Lage versetzen, diese gezielter zu verhindern bzw. zu bekämpfen. Dies ist von erheblicher sozialer und wirtschaftlicher Bedeutung, da unser derzeitiges Gesundheitssystem mit fortschreitend alternder Bevölkerung in zwanzig Jahren nicht mehr aufrechtzuerhalten sein wird. Wir sehen uns mit begrenzten Ressourcen konfrontiert und brauchen Behandlungsmöglichkeiten, die persönlicher zugeschnitten sind als zuvor.“

„Wir gehen davon aus, dass der World Medicine Park in den kommenden Jahren weiter wachsen wird und dass mehr und mehr medizinische Fachrichtungen miteinander interagieren werden, während ihre Individualität und ihr erheblicher wissenschaftlicher Wert fortbestehen“, so Jordi Moya Riera, Kongresspräsident und Vorsitzender der World Health Association. „Für den Kongress in 2015 laden wir alle Akteure im Gesundheitswesen ein, gemeinsam an der Schaffung eines neuen, noch grösseren Wissenschaftsparks zusammenzuarbeiten, mit noch mehr Teilnehmern und multidisziplinären Aspekten. Unser Dank gilt den Institutionen auf Menorca und den Balearen für deren grosszügige Unterstützung.“

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