Palliativversorgung: Würdevolle Hilfe für Sterbende

Die Palliativversorgung soll in Deutschland weiter ausgebaut werden, so die Forderung des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes. Er unterstützt damit den allgemeinen Ruf nach einer besseren und ja, auch menschlicheren Versorgung schwerstkranker, sterbender Menschen. Viele Todkranke entscheiden sich bewusst ab einem bestimmten Stadium ihrer Erkrankung gegen die Automatismen der klassischen Medizin, entziehen sich der Krankenhausmaschinerie. „Sie möchten die Zeit, die ihnen bleibt, nutzen, ihr Leben noch einmal so aktiv wie es ihnen möglich ist, gestalten. Sie haben das Ziel, würdig und abschließend auch mit einer gewissen Zufriedenheit zu sterben.“, klärt Carsten Schulze, Ergotherapeut im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) über die Motivation der Menschen auf, die sich aktiv in eine palliative Betreuung begeben.

Es ist bestimmt keine leichte Entscheidung, die todkranke Menschen treffen, wenn sie sich aktiv für eine palliative Betreuung aussprechen. Denn die eigentliche Erkrankung wird dann nicht weiter behandelt, sondern deren Auswirkungen – meist sind es Schmerzen – werden gelindert. „Meine Klienten haben diesen Weg immer bis zum Schluss als den richtigen empfunden.“, berichtet der Ergotherapeut Carsten Schulze, der sich im Rahmen seiner Tätigkeit in der Palliativversorgung um todkranke Menschen kümmert. Er kann das sagen, denn er kennt sie sehr genau. Seine Klienten selbst, aber auch deren Angehörige, diejenigen, die zur Familie gehören oder enge Vertraute. „Es geht um Nähe, Verständnis, Vertrauen und Empathie in meiner Rolle als Ergotherapeut. Und darum, dem Sterbenden Mut zuzusprechen.“, erklärt er seinen Part im Zusammenspiel der Disziplinen in der Palliativversorgung, die oftmals über viele Monate hinweg stattfindet.

Ergotherapeuten helfen zu sich selbst und zu seinen Wünschen zu finden

Bei seiner ergotherapeutischen Befundaufnahme bilden die Anamnese und der aktuelle gesundheitliche Zustand die Basis, um realistische Ziele der Therapie festzulegen. „Was kann der Patient, körperlich oder im Zweifelsfall auch geistig, derzeit noch leisten? Was lässt sich daran verbessern? Oder gibt es vielleicht sogar einen Lebenstraum, den er sich noch erfüllen möchte? lauten einige der Fragen, die zunächst zu klären sind. Erst danach kann die ergotherapeutische Arbeit beginnen. Und die ist so individuell wie die Menschen selbst. Das heißt: Jeder bekommt sein maßgeschneidertes Behandlungskonzept, das sowohl die persönlichen Bedürfnisse als auch die sich verändernden Auswirkungen der Erkrankung berücksichtigt. Daraus entwickeln Ergotherapeuten wie Carsten Schulze gemeinsam und auf Augenhöhe mit ihren Klienten Pläne und Zielsetzungen. Und sie suchen zusammen nach den Fähigkeiten, die der Einzelne in sich trägt. Denn auch darum geht es Ergotherapeuten: Sie schauen nach den Ressourcen, sind dabei wahre Goldgräber und bringen manchmal Fähigkeiten, Ideen oder Interessen zutage, von denen derjenige, der sich zuvor auf seinen Tod fokussiert hat, vielleicht gar nicht mehr weiß, dass sie in ihm schlummern. Mithilfe der großen Bandbreite ergotherapeutischer Maßnahmen und Strategien lässt sich die Lebensqualität und dadurch die emotionale Stabilität von Menschen, die dem Tode nahe sind, deutlich verbessern.

Auch Sterbende haben noch Ziele, erleben glückliche Momente

Die Palliativpatienten, die Carsten Schulze ergotherapeutisch betreut, haben oft den Wunsch, noch einmal selbstständiger zu werden. Meist geht es um persönliche Belange, wie sich wieder selbst waschen und anziehen. Oder sie möchten im Haushalt etwas eigenständig erledigen können. Doch es sind nicht nur Dinge des Alltags, die Patienten in der Palliativversorgung wichtig sind. Carsten Schulze berichtet besonders gerne von einem Patienten auf der Palliativstation, dessen Erkrankung eine Lähmung mit sich brachte. Zu dem Zeitpunkt, als er seinen Klienten kennenlernte, waren beide Arme und Beine gelähmt; der Mann konnte nicht mehr alleine aufrecht sitzen. Sein sehnlichster Wunsch war: Es vor seinem Tod noch einmal in den Rollstuhl schaffen um draußen zu sein, den Duft der Natur aufsaugen zu können. „Das, was sich für Gesunde lapidar anhört, hat für Menschen, deren Alltag aus einer Folge von Operationen, Chemo- oder anderen extrem belastenden Therapien besteht oder bestand, einen ganz hohen Stellenwert. Es bedeutet Lebensqualität, manche verspüren sogar Lebensfreude.“, vermittelt der Ergotherapeut Schulze einen Einblick in die Gefühls- und Lebenswelt von Menschen, die den Tod vor Augen haben. Für Ergotherapeuten gehört es zum Berufsethos, ihre Klienten so in ihrer Entwicklung zu fördern, dass sie möglichst viele ihrer gesteckten Ziele erreichen und dabei mit sich zufrieden sind. Und so ist es tatsächlich auch in dem beschriebenen Fall gelungen: Der Patient hat es dank konsequentem ergotherapeutischem Training und Motivation geschafft, wieder aufrecht zu sitzen. Von seinem Platz an der frischen Luft konnte er die Vögel beobachten und sich an deren Gezwitscher ebenso wie an der Schönheit der Natur erfreuen, Momente des Glücks erleben.

Mit ergotherapeutischem Coaching zu innerem und äußerem Gleichgewicht

So gelingt es Ergotherapeuten immer wieder im Bereich der Palliativversorgung, Menschen auch emotional aufzufangen und aufzubauen. Versierte Ergotherapeuten wie Carsten Schulze können auf einen großen Schatz an Erfahrung zurückgreifen und bieten ihren Klienten geeignete Möglichkeiten an, um ihre körperlichen, geistigen und seelischen Probleme weitgehend zu kompensieren. Indem sie ihnen zu größtmöglicher Selbstständigkeit verhelfen, entlasten sie in der Folge die Angehörigen, verschaffen ihnen die Möglichkeit, sich etwas zurückzunehmen, sich körperlich und gefühlsmäßig für kurze Zeit herauszuziehen, die Gedanken um Sterben und Tod auszublenden. Denn das, was die einzelnen Familienmitglieder in solchen Zeiten durchmachen, darf nicht unterschätzt werden. Auch sie benötigen sehr viel Zuspruch und Zuwendung, um eine solch schwierige Phase auszuhalten und zu überstehen.

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