Skrupellose Geschäfte mit dem Krebs

Es geht um den Vorwurf des Abrechnungsbetrugs, um die fehlende Unabhängigkeit von Ärzten und um zweifelhafte Methoden, unter denen Chemotherapien hergestellt wurden: Das Hamburger Magazin stern veröffentlicht in seiner neuen Print-Ausgabe, die bereits an diesem Mittwoch erscheint, Recherchen zum Treiben des Hamburger Millionärs Günter Zeifang. Sie zeigen, dass das Geschäft mit dem Krebs mit großer Gier betrieben wird – und mit zuweilen dubiosen Methoden. Nach stern-Informationen ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft.

Der Unternehmer Günter Zeifang, 59, besitzt drei Apotheken im Hamburger Stadtteil Altona und im Zentrum. Zeifang gehört auch die „C&C Compound&Care Pharma GmbH“, ein Herstellbetrieb für Krebsmittel, die so genannten Zytostatika. C&C beliefert über Zeifangs Elb-Apotheke Onkologische Praxen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Nach stern-Informationen soll Zeifang über einen Arzt aus einem kleinen Ort nahe Hannover die beiden Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) Stormarn und Bergedorf kontrollieren. Das schreibt Zeifangs Rechtsanwalt in einer Email, die dem stern vorliegt. In den beiden MVZs werden Tausende Krebspatienten aus Hamburg und Umgebung behandelt.

Zeifang schickt nun immer wieder Bevollmächtigte in die MVZs, die die Belegschaft anhalten, die lukrativen Rezepte über Krebsmittel in höherem Maße in Zeifangs Elb-Apotheke zu bestellen. Das zeigen Erinnerungsprotokolle von MVZ-Mitarbeitern.

Umsatz hat Zeifang in von ihm gewünschter Weise auch ein 71-jähriger Arzt verschafft, der seit Januar 2015 im Standort Norderstedt des MVZ Stormarn arbeitet. Dieser Arzt, Prof. Rainer Klapdor, besitzt keinen Sitz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein und war auch über Monate nicht als Vertretung gemeldet. Er durfte demnach keine Kassenpatienten abrechnen.

Unterlagen, die dem stern vorliegen, zeigen, dass Prof. Klapdor in dieser Zeit Kassenpatienten behandelte. Er stellte auch Rezepte über Krebsmittel aus, die pro Patient bis zu 30.000 Euro kosteten. Die Abrechnung übernahmen zwei Kollegen aus dem MVZ. Ein Sprecher der KV Schleswig-Holsteins sagte dem stern, dass Ende vergangenen Woche die Kriminalpolizei zur KV gekommen sei und Unterlagen gesichert habe. „Es steht der Vorwurf von Abrechnungsbetrug im Raum“, sagte der KV-Sprecher.

Nach dem stern vorliegenden Unterlagen soll zudem in Günter Zeifangs Pharmafirma C&C im Sommer 2014 die Klimaanlage ausgefallen sein. Im Sterillabor, wo Chemotherapien für jeden Patienten individuell zusammen gemischt werden, zeigte das Thermometer an einem Tag 28,3 Grad an. Die Luftfeuchtigkeit bewegte sich auf 100 Prozent zu. Unter diesen Bedingungen können sich Keime schneller vermehren. Bei C&C sollen trotzdem teils hochsensible Zytostatika für Krebskranke hergestellt worden sein – darunter auch solche Medikamente, deren Wirksamkeit in derartiger Hitze zu schwinden droht.

Für die Hamburger Polizei ist Günter Zeifang kein Unbekannter. 2008 ermittelte sie gegen seine Elb-Apotheke. Die Apotheke wurde damals auch durchsucht. Zeifang hatte 766 Packungen eines Zytostatikums importiert. Die Packungen stammten aus Ägypten und waren als „Drittlandsware“ in Deutschland nicht zugelassen. Mitarbeitern sagte Zeifang, gar nicht gewusst zu haben, was man ihm da geliefert habe. Die Ermittlungen wurden zur Überraschung der beteiligten Beamten eingestellt.

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