Zum Essen fehlen Zeit und Ruhe

Mehr als jeder dritte Deutsche isst seine Hauptmahlzeit in der Regel allein. Das ist ein Resultat einer Untersuchung im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). 1.200 Personen ab 18 Jahren waren zu ihrem Ernährungsverhalten in Alltag, Freizeit und Beruf befragt worden. Wer ohne Gesellschaft isst, sucht sich nicht selten Unterhaltung. Bei 35 Prozent der Befragten läuft beim Essen der Fernseher, sie surfen im Internet oder blättern in einer Zeitschrift.

Für die Mehrheit der jungen Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren wird die Nahrungsaufnahme auf diese Weise zur Nebensache. Im Allgemeinen lassen sich Männer beim Essen leichter ablenken als Frauen (40 % versus 31 %). Auch für viele Singles gehört ein Begleitprogramm beim Essen dazu.

Wer dagegen gut und gerne kocht, möchte in der Regel das Essen auch mit allen Sinnen und bewusst genießen. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass man nicht die Übersicht über die gegessenen Mengen verliert und meist auch langsamer isst.

Für jeden vierten Befragten stillt Essen nicht nur den Hunger, sondern hilft auch über Frust hinweg. So wird die Tafel Schokolade oder eine XXL-Pizza zum Seelentröster bei Liebeskummer oder Stress im Job. Allerdings verschafft Frustessen nur kurzfristig ein gutes Gefühl. Spätestens wenn die Pfunde mehr werden, sinkt die Laune wieder. Dennoch ist dieses Essverhalten vor allem bei jungen Erwachsenen verbreitet. Mit steigendem Alter finden viele Menschen offenbar andere Wege, um mit Stress und Anspannung umzugehen. Bei Paaren (20 %) und bei Männern (17 %) ist der Anteil der Frustesser geringer als bei Singles (27 %) und Frauen (30 %). Allerdings hadern Frauen auch stärker mit ihrer Ernährung und beobachten sich intensiver.

Im Allgemeinen hat sich das Ernährungsverhalten der Deutschen positiv entwickelt. Für 45 Prozent ist in erster Linie wichtig, dass das Essen gesund ist. Erst das zweite Kriterium ist der Geschmack (41 %). Knapp 80 Prozent der Befragten kaufen bevorzugt regional und saisonal, erklärt die TK. Bio-Lebensmittel sind nach wie vor gefragt, aber auch neue Ernährungstrends wie die Steinzeitdiät Paleo werden ausprobiert. Nur wenige Menschen verzichten vollkommen auf Fleisch. 13 Prozent der Befragten bezeichnen sich als Flexitarier. Sie ernähren sich hauptsächlich vegetarisch, nehmen aber gelegentlich hochwertiges Fleisch zu sich. Bei 41 Prozent dieser Personengruppe ist das ein- bis zweimal pro Woche. Knapp 90 Prozent der Deutschen gönnen sich mindestens einmal am Tag eine Mahlzeit, die sie zu Hause mit Ruhe und Genuss essen.

Wenn es mit einer gesunden Ernährung nicht klappt, liegt es nur selten am fehlenden Wissen (25 %), sondern eher an Zeit und Ruhe im Alltag (56 %). Weitere Gründe sind nach eigenen Aussagen der Mangel an Durchhaltevermögen (46 %), Willenskraft (43 %), Geld (29 %) und Kochkenntnissen (28 %).

/Heike Kreutz, www.aid.de/

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