Wie rücksichtsvoll verhalten sich Jugendliche bezüglich der Einhaltung von Corona-Regeln? Seit Beginn der Corona-Pandemie kursieren in den Medien Bilder von Party-Exzessen und feierwütigen Teenagern. Unklar war bis jetzt, inwieweit das Bild der leichtsinnigen und unsolidarischen Jugend verallgemeinert werden kann. Mit einer aktuellen Sonderauswertung der repräsentativen Studie „Junge Deutsche 2021“, die Anfang 2021 erscheinen wird, schaffen Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann Klarheit. Sie zeigen bislang unbekannte Zusammenhänge zwischen Rücksichtnahme und Alter, Bildung oder Religion auf.

Obwohl sich nur 11% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 und 39 Jahren Generation Y und Z zur Risikogruppe bei der Corona-Pandemie zählen, hält es mit 72% die große Mehrheit von ihnen für wichtig, sich an die Hygieneregeln (AHA) zu halten. Fast ebenso viele (71%) geben an, sich rücksichtsvoll zu verhalten, um die Mitglieder ihrer Familie nicht zu gefährden. Ein weiteres Ergebnis der Studie bestätigt diese Erkenntnis: Zwei Drittel der jungen Leute finden es wichtig und richtig, wegen der COVID-19-Pandemie auf Feiern zu verzichten, ein Viertel antwortet abwägend und nur 9% mit einem klaren Nein.

Die Studie „Junge Deutsche 2021“ basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung der deutschsprachigen Bevölkerung im Alter von 14 bis 39 Jahren – Generation Z und Y. Insgesamt wurden für die Studie 1.602 junge Menschen befragt. Inhaltlich und methodisch wird die Studie von Prof. Dr. phil. Dagmar Hoffmann (Universität Siegen) und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann (Hertie School) beraten. Die Quotierungen für die Repräsentativität wurden vom Institut für Demoskopie Allensbach erstellt. Die Befragung wurde vom 15. Oktober bis 16. November 2020 von der Respondi AG durchgeführt.

„Entgegen allen Vorurteilen in der Öffentlichkeit und den vielen Medien zeigt diese repräsentative Befragung, dass sich der allergrößte Teil der jungen Generation in der Corona-Pandemie verantwortungsvoll verhält“, so der Leiter der Studie Simon Schnetzer. „Nach unserer Erhebung ist es knapp ein Drittel der jungen Leute, die sich nicht an die AHA Regeln halten und keine Rücksicht auf die Risiko-Gruppen in der Bevölkerung nimmt“. Diese Aussage wird auch durch ein anderes Ergebnis der Studie bestätigt. Zwei Drittel der jungen Leute finden es wichtig und richtig, wegen der COVID-19-Pandemie auf Feiern zu verzichten, ein Viertel antwortet abwägend und nur 8% mit Nein. Auch dieses Ergebnis widerlegt den Eindruck, den man in den letzten Wochen in der Öffentlichkeit gewinnen konnte. „Endlich liegen jetzt zuverlässige Angaben aus einer Befragung vor, die ein realistisches Bild von der Einstellung der jungen Generation zur Corona-Pandemie zeichnet“, so der Jugendforscher Klaus Hurrelmann, der als Berater an der Studie mitwirkte.

Die Antworten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen unterscheiden sich stark nach Geschlecht und Bildung. Junge Männer zählen eher zur Risikogruppe und sie bewerten ihr wirtschaftliches Risiko höher als junge Frauen. Dennoch sind sie weniger bereit, sich rücksichtsvoll zu verhalten und auf Partys oder Feiern zu verzichten, als junge Frauen. Diese haben eher Angst, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren, und ihre finanzielle Situation hat sich durch die Corona-Krise häufiger verschlechtert als bei jungen Männern. In Bezug auf Bildung lautet die einfache Formel: Je höher der Bildungsgrad ist, desto rücksichtsvoller verhalten sich junge Menschen. Während 34% derer mit Mittelschulabschluss sich nicht rücksichtsvoll verhalten, sind es unter denen mit Studienabschluss nur 22%.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie: Junge Leute mit einer starken religiösen Orientierung gehen unbeschadeter, optimistischer und erfolgreicher durch die Krise, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören. Ein starker Glaube scheint ein hohes Ausmaß von Zukunftsvertrauen und Widerstandsfähigkeit gegenüber den Unsicherheiten, Veränderungen und Widrigkeiten der Corona-Pandemie mit sich zu bringen.

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