War das Gläschen Prosecco zum Anstoßen schon zu viel? Für Frauen, die in der Schwangerschaft Alkoholisches trinken, lässt sich das nicht pauschal beantworten. „Es gibt keine sichere Menge“, sagt Kinder- und Jugendpsychiaterin Heike Wolter im Apothekenmagazin „Baby und Familie“. „Umso entscheidender ist, dass man sofort seinen Alkoholkonsum stoppt, sobald man von der Schwangerschaft erfährt.“ An der Charité in Berlin behandelt Wolter Kinder, die im Mutterleib alkoholbedingte Schädigungen erlitten haben.

Gravierende Folgen für die Organe

Frauen, die während ihrer Schwangerschaft trinken, geben den Alkohol über die Plazenta ungehindert an das ungeborene Kind ab. Es gibt Hinweise in Studien, dass der Alkoholspiegel beim Kind langsamer abgebaut wird. Mit gravierenden Folgen für die Organe, besonders das Gehirn. Nach Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden in Deutschland jedes Jahr 10.000 Kinder geboren, die während der Schwangerschaft Alkoholschäden erlitten haben – sogenannte Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen (FASD). Die neurologisch-psychiatrischen Auffälligkeiten zeigen sich vor allem durch Aufmerksamkeitsstörungen, eine verringerte Lern- und Merkfähigkeit sowie durch Verhaltensstörungen. „Die Kinder können sich schwer konzentrieren, sind unruhig, leicht reizbar, im schlimmsten Fall aggressiv und mit neuen Situationen schnell überfordert“, sagt Wolter. Viele haben auch Schwierigkeiten mit der Motorik und der sprachlichen Entwicklung oder sind intelligenzgemindert.

Alkohol gehört für viele zum Sozialleben

Daneben können auch äußerliche Auffälligkeiten auftreten. Zum Beispiel eine zu kurze Lidspalte, eine schmale Oberlippe oder ein wenig moduliertes und verlängertes Philtrum – so wird die Rinne zwischen Nase und Oberlippe bezeichnet. Ebenfalls kann es zu Wachstumsstörungen kommen. „Das Schwierige ist, dass Alkohol in unserer Gesellschaft für viele zu einem gelungenen Sozialleben dazu gehört“, beobachtet Wolter. Der Partner sowie Freunde können Schwangere unterstützen, indem sie während dieser Zeit selbst auf Alkohol verzichten oder das Feierabendbier gegen eine alkoholfreie Variante eintauschen.

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