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Hörgeräte benötigen regelmäßige Wartung, Fingerfertige können vieles selbst machen

Wer Hörgeräte nutzt, sollte sie regelmäßig warten, denn ganz ohne Pflege kommen die kleinen Apparate nicht aus. Die wichtigsten Wartungsarbeiten – Gehäuse säubern, Filter wechseln, Passstücke reinigen, Schallschlauch pflegen – kann jeder Nutzer selbst durchführen. „Es braucht aber schon eine gewisse Fingerfertigkeit“, schränkt Thomas Wittmann, einer der Vizepräsidenten des Fachverbandes Deutscher Hörgeräte-Akustiker, in der „Apotheken Umschau“ ein.

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Ein durch Ohrenschmalz verstopftes Filter etwa stört die Funktion erheblich, ist aber schnell behoben. Am besten nimmt man einen regelmäßigen Wartungstermin beim Hörgeräteakustiker wahr.

Technische Revolution am Ohr

Rund zehn Millionen Menschen in Deutschland hören schlecht. Unter den 60- bis 69-Jährigen ist es mehr als ein Drittel. Bei den über 70-Jährigen wächst die Zahl schon auf 60 Prozent an, berichtet das Apothekenmagazin „Senioren-Ratgeber“. Doch weit weniger als die Hälfte aller Hörgeschädigten besitzt überhaupt eine Hörhilfe.

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Erste Anzeichen von Hörverlust

Das Gehör stellt eine Verbindung zwischen Menschen und seiner Umwelt her. Hören zu können, ist für die meisten eine Selbstverständlichkeit. Den wenigsten ist bewusst, welche bedeutende Rolle ein gesundes Hörorgan im Alltag hat. Das Gehör ermöglicht den Genuss von Musik und Unterhaltungen, so dass Konzerte, Filme und Opern erst zu einem richtigen Vergnügen werden. Darüber hinaus verleiht es mehr Sicherheit im Straßenverkehr, da richtungsgebende Verkehrsgeräusche sowie beispielsweise Warnsignale von Polizeiautos oder Krankenwagen gehört werden.

Was sind die ersten Anzeichen von Hörverlust?

  •  Das Verstehen fällt in lauter Umgebung schwer.
  • Betroffene haben den Eindruck, dass ihre Gesprächspartner
    nuscheln und bitten häufig darum, Gesagtes zu wiederholen.
  • Ein passives Verhalten während Unterhaltungen.
  • In vielen Situationen stimmen Menschen mit Hörbeeinträchtigung
    oft zu oder nicken einfach mit dem Kopf, wenn sie etwas nicht
    verstanden haben.
  • Sie achten vermehrt auf Körperhaltung und Gesten oder versuchen
    von den Lippen zu lesen.
  • Gesprächsrunden oder sogar der soziale Kontakt werden gemieden.

Hörverlust ist in vielen Fällen ein schleichender Prozess. Betroffenen ist häufig gar nicht bewusst, dass sie Probleme mit dem Gehör haben. Es fällt beispielsweise schwer, Töne und Geräusche wahrzunehmen, wodurch Gespräche mit anderen Menschen immer schwieriger werden. Oft werden die ersten Anzeichen von Hörverlust erst einmal verdrängt, weil Betroffene durch ihr vorhandenes Restgehör einigermaßen im Alltag zurechtkommen. Jedoch ist es wichtig, einen Hörverlust frühzeitig zu erkennen, um einer weiteren Verschlechterung des Gehörs vorzubeugen und optimal von einer geeigneten Behandlung zu profitieren. Neben genetischen und altersbedingten Gründen kann Hörverlust durch Lärm – was eine der häufigsten Ursachen ist – entstehen. Aber auch Infektionen wie Meningitis, Mittelohrentzündungen oder die Einnahme von Medikamenten können ein Auslöser sein.

Welche Lösungen gibt es?

Sobald sich die ersten Anzeichen bemerkbar machen, sollten Betroffene einen HNO-Arzt aufsuchen. Je nach Art und Schweregrad des Hörverlusts gibt es unterschiedliche Lösungen. Reicht ein Hörgerät nicht mehr aus oder kann aus medizinischen Gründen nicht getragen werden, kommen Hörimplantate infrage – wie das Cochleaimplantat. Dieses kann den Hörsinn wiederherstellen, da es die Funktion der defekten oder nicht vorhandenen Haarzellen in der Gehörschnecke ersetzt. Es besteht aus einem internen Implantat und einem externen Audioprozessor. Der Audioprozessor nimmt die Schallwellen aus der Umgebung auf und übermittelt diese über die Spule an das Implantat. Dieses leitet die Signale mittels Hörnerv an das Gehirn, wo sie als akustisches Ereignis wahrgenommen werden.

„Neben Fachärzten sind auch Beratungscenter eine hervorragende Anlaufstelle für Betroffene, wo sie sich über Hörimplantat-Systeme und die einzelnen Schritte einer Implantation informieren können“, so Univ. Prof. Dr. Wolf-Dieter Baumgartner, MBA von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten in Wien. „Wer sich dennoch unsicher fühlt, dem empfehle ich, mit Hörimplantat-Trägern direkt zu sprechen. Diese können einige Fragen aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen besser nachvollziehen und Mut machen.“

Ältere Menschen bemerken ihren Hörverlust oft kaum – Angehörige können helfen

Hörverlust ist bei älteren Menschen ein schleichender Prozess. Selbst nehmen ihn die Betroffenen oft gar nicht wahr und sehen deshalb auch keine Notwendigkeit, Hörgeräte anzuschaffen. Stattdessen stellen sie den Fernseher lauter oder halten sich zunehmend aus Gesprächen heraus – sie isolieren sich. Angehörige oder gute Bekannte sollten sich deshalb den Mut nehmen, die Betroffenen behutsam auf das Problem aufmerksam zu machen – je früher, umso besser. „Je länger die Schwerhörigkeit besteht, desto mehr verkümmern die Zentren des Gehirns, die das Sprachverständnis regeln“, erklärt Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner, Hausärztin und Autorin eines Buches über Schwerhörigkeit für Betroffene und Angehörige, im Patientenmagazin „HausArzt“.

Vorbehalte gegenüber Hörgeräten lassen sich ausräumen, indem mehrere Geräte zuhause getestet werden. Hörgeräteakustiker seien rechtlich gehalten, mindestens drei Apparate zur Wahl zu stellen, darunter ein Kassengerät, sagt die Expertin. Eine gute Anpassung könne Wochen dauern, „denn der neue Sinneseindruck ist anfangs irritierend, wenn man seit Jahren nicht richtig gehört hat“, so Schultens-Kaltheuner. Umso erfreuter sind ältere Menschen dann aber, wenn sie plötzlich die Enkel wieder richtig verstehen oder morgens den Gesang der Vögel hören, der ihnen schleichend verloren gegangen war.

Diabetes scheint das Risiko für Schwerhörigkeit fast zu verdoppeln

Bei Hörtests mit mehreren Tausend Erwachsenen fanden amerikanische Forscher zu ihrer eigenen Überraschung heraus, dass Diabetiker fast doppelt so oft an Hörschwächen leiden als andere Menschen, berichtet das Apothekenmagazin „Diabetiker Ratgeber“. Zwar war die Hörminderung in der Regel nicht sehr ausgeprägt, doch raten Experten Diabetikern wenigstens einmal im Jahr zu einem Hörtest, um eine beginnende Schwerhörigkeit zu erkennen. Ein Hörgerät kann dann schnell Abhilfe schaffen. Die genaue Ursache der Schwerhörigkeit von Diabetikern ist noch nicht untersucht.

Da auch andere Komplikationen zu hoher Blutzuckerwerte auf Durchblutungsstörungen in den feinsten Blutgefäßen beruhen, liegt es jedoch nahe, dass dies auch der Schadensmechanismus am Hörorgan sein könnte. Diabetiker sollten auf jeden Fall zusätzliche Bedrohungen für die Ohren, wie Lärm und zu lautes Musikhören meiden.