Der Corona-Lockdown hat weltweit zu einem besorgniserregenden Zuwachs an Fällen von Depressionen, Angstzuständen, Einsamkeit und sogar Selbstgefährdung bei Kindern geführt. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Save the Children hervor, die sich auf Daten des „Oxford COVID-19 Government Response Tracker“ stützt. Die Kinderrechtsorganisation macht anlässlich des Welttages für psychische Gesundheit (10. Oktober) darauf aufmerksam.

„Wir befinden uns in einer globalen psychischen Gesundheitskrise! Benachteiligte Kinder, die in Armut leben, bekommen den Lockdown besonders spüren. Die Corona-Maßnahmen sind ohne Zweifel wichtig, um die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen. Aber soziale Isolation kann bei Kindern Hoffnungslosigkeit sowie Angst und Depressionen hervorrufen. Wird hier nicht reagiert, kann es zu Langzeitfolgen kommen – selbst wenn die Beschränkungen aufgehoben werden“, betont Marie Dahl, Leiterin des Bereichs psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung von Save the Children.

In der aktuellen Analyse von Save the Children, die Umfrageergebnisse von mehr als 13.000 Kindern in 46 Ländern berücksichtigt, berichteten 83 Prozent der Kinder über einen Anstieg von negativen Gefühlen aufgrund der Pandemie. Diese Gefühle zeigten sich bei der Mehrheit der Kinder (96 %) weitaus höher, nachdem Schulen bereits über 17 Wochen geschlossen waren.

Trotz der alarmierenden Raten psychischer Erkrankungen weltweit haben Regierungen zu wenig in die entsprechende Gesundheitsversorgung investiert, sodass in den Industrieländern bis zu 50 Prozent der psychischen Erkrankungen unbehandelt bleiben. In den Entwicklungsländern sind es sogar zwischen 76 Prozent und 85 Prozent.

In fast allen Ländern waren Kinder während der COVID-19-Pandemie in irgendeiner Form von einem Lockdown betroffen. Im Durchschnitt haben sie seit Beginn der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 184 Tagen unter gesetzlichen Schließungen oder Einschränkungen gelebt. In einkommensstarken Ländern wie Kanada mussten einige Kinder insgesamt 13 Monate (402 Tage) lang zu Hause zu bleiben. In Europa waren es im Durchschnitt neun Monate. In Indien, wo mehr als 448.000 COVID-19-Tote verzeichnet wurden, verbrachten Kinder mindestens 100 Tage zu Hause. An jedem Ort der Welt kann die erhöhte Zeit vor dem Bildschirm beim Homeschooling negative Folgen für die Kinder haben. Aber auch die Unregelmäßigkeit des Online-Unterrichts hat gestörte Routinen zur Folge. Das wirkt sich auch auf soziale Interaktionen und ihren Schlaf und somit das Wohlbefinden der Kinder aus.

Save the Children fordert alle Regierungen auf, der psychischen Gesundheit, dem Wohlbefinden und dem geregelten Lernen von Kindern während und nach der COVID-19-Pandemie Priorität einzuräumen und in sie zu investieren. Die Organisation ruft außerdem dazu auf, die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern als Recht anzuerkennen und fordert Regierungen auf, Stigmatisierung und Menschenrechtsverletzungen von Kindern mit psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken.

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