Die Nachfrage nach Jodtabletten ist explodiert. Groß ist bei vielen Deutschen die Angst vor einem nuklearen Zwischenfall. Wie der Branchendienst APOTHEKE ADHOC unter Berufung auf Zahlen des Marktforschungsunternehmens Insight Health berichtet, hat sich der Absatz im Vergleich zum Vorjahr zuletzt vervierfacht.

Normalerweise werden laut Insight Health pro Woche rund 30.000 Packungen an Jodpräparaten in den Apotheken abgegeben. In der Datenwoche 7 (bis 22. Februar) lag der Absatz mit 28.600 Einheiten sogar 10 Prozent unter Vorjahr. Doch nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar stieg die Nachfrage sprunghaft an: Zwischen 23. Februar und 1. März wurden 62.100 Packungen abgegeben, in der Woche bis zum 8. März sogar 120.500 Packungen. Hatten sich die Abverkäufe also zunächst verdoppelt, kam es danach sogar zu einer Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr.

Hintergrund ist die Sorge vor einem nuklearen Zwischenfall – ob in Gestalt eines Atomangriffs oder eines Reaktorzwischenfalls. In der Ukraine liegt unter anderem das ehemalige Atomkraftwerk (AKW) Tschernobyl, das von russischen Einheiten eingenommen worden ist. Am AKW Saporischschja hatte es am 4. März nach Kampfhandlungen gebrannt.

Tatsächlich ist die vorbeugende Einnahme von jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder Jodtabletten weder nötig noch sinnvoll. Ein dauerhafter Jodüberschuss könne die Gesundheit gefährden und unter anderem zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen. Außerdem sind die klassischen Präparate für Schilddrüsenpatienten gedacht, die nun Probleme haben, an ihre Dauermedikation zu kommen. Nur sehr hoch dosierte Jodtabletten könnten demnach bei einer nuklearen Katastrophe vor Schilddrüsenkrebs schützen. Diese Tabletten würden im Notfall über die Katastrophenschutzbehörden verteilt.

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