In vielen Schuhen stecken oft deutlich mehr problematische und gesundheitsgefährdende Substanzen als Verbraucher vermuten. Das haben rbb-Recherchen ergeben. Eine Laboranalyse des renommierten Bremer Umweltinstituts im Auftrag des rbb-Verbrauchermagazins SUPER.MARKT hat diese Recherchen bestätigt.

Untersucht wurde der Schuh einer rbb-Zuschauerin, den sie im Internet gekauft hatte und der allem Anschein nach in China produziert worden ist. Wegen des beißenden Geruchs vermutete die Frau schädliche Stoffe darin. Laboranalysen bestätigten diesen Verdacht. Sie ergaben, dass in der Sandale Substanzen stecken, die Allergien auslösen können oder gar ein krebserregendes Potential haben. In der EU gelten zwei der gefundenen chemischen Substanzen als besonders besorgniserregende Stoffe: Dimethylformamid (DMF) und N-Methyl-2-Pyrrolidon (NMP). Ulrike Siemers vom Bremer Umweltinstitut sagt dazu gegenüber SUPER.MARKT: „Das sind Substanzen, die zum Beispiel das Kind im Mutterleib beschädigen können, die die Gene verändern können. Nach unserer Auffassung sollten diese Substanzen nicht eingesetzt werden.“

Trotzdem sind solche Belastungen in Schuhen kein Einzelfall. Bei Leder- oder Kunstlederschuhen müssten Kunden mit hohen Schadstoffwerten rechnen, kritisieren Umweltverbände wie Greenpeace. Denn die Hälfte der hierzulande verkauften Schuhe wird in Asien mit niedrigen Umweltstandards produziert. 2020 waren es zum Beispiel etwa 270 Millionen Paar Schuhe aus China.

Zwar gibt es seit 15 Jahren eine Initiative von deutschen Schuhproduzenten zur Vermeidung von Schadstoffen. Bisher jedoch hat man kein gemeinsames Siegel herausgebracht, das dem Käufer signalisiert, dass dieser Schuh mit keinen gefährlichen Stoffen belastet ist. Es wurden lediglich die Höchstwerte für den Einsatz gefährlicher Substanzen abgesenkt. „Es ist natürlich immer eine Kostenfrage und für manche Hersteller eine Herausforderung“, sagt dazu auf Anfrage von SUPER.MARKT der Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Deutsche Schuhindustrie, Manfred Junkert.

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