Bei einem Schlaganfall spielt Zeit eine wichtige Rolle. Die plötzlichen Durchblutungsstörungen sind lebensbedrohlich, aber behandelbar – vorausgesetzt, die Betroffenen werden schnellstmöglich versorgt. Der Welttag des Gehirns am 22. Juli soll auf diese und andere neurologische Erkrankungen aufmerksam machen und dazu beitragen, dass Schlaganfälle schneller erkannt werden. Gleichzeitig wird an Medikamenten geforscht, die das Zeitfenster für die medikamentöse Behandlung erweitern können.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. [1] Schlaganfälle können unterschiedlich schwer ausfallen und dazu führen, dass Gehirngewebe abstirbt und die Betroffenen Fähigkeiten wie Sprechen oder Laufen verlieren. Schwere Schlaganfälle können auch tödlich enden.

Ein Schlaganfall entsteht, wenn Teile des Gehirns plötzlich nicht mehr richtig durchblutet werden. Ursache ist bei rund 80 Prozent der Fälle eine Mangeldurchblutung: Betroffene Teile des Gehirns können nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. [2] Grund dafür ist entweder ein Blutklümpchen, das durch den Blutkreislauf ins Gehirn gespült wird und dort ein Blutgefäß verschließt (Embolus) oder Ablagerungen, die das Blutgefäß im Gehirn immer weiter verschließen (Thrombus). Schlaganfälle, die durch Mangeldurchblutung entstehen, werden als akute ischämische Infarkte bezeichnet. Seltener entstehen Schlaganfälle durch Blutungen im Gehirn, die auf die umgebenden Gehirnzellen drücken. Diese Form macht etwa 20 Prozent aller Fälle aus und wird als hämorrhagischer Schlaganfall bezeichnet.

Etwa jede zehnte Person mit ischämischem Schlaganfall erleidet einen großen Hemisphäreninfarkt, der die lebenswichtige mittlere Hirnarterie betrifft. [3] Betroffene entwickeln eine Schwellung im Gehirn (Hirnödem), die diese Form des Schlaganfalls besonders schwerwiegend und gefährlich macht. Daher muss bei der Behandlung eines großen Hemisphäreninfarkts nicht nur die Durchblutung wieder hergestellt, sondern auch die Schwellung reduziert werden. Hoffnung machen hier Forschungsansätze, die über das Blockieren von Kanälen, durch die beim Schlaganfall vermehrt Wasser ins Gewebe strömt, verhindern, dass es zu einem gefährlichen Hirnödem kommt.

Schlaganfälle müssen schnell erkannt und behandelt werden

Ganz wichtig: Jeder Verdacht auf einen Schlaganfall ist ein Notfall. Dies gilt auch, wenn die Symptome schnell wieder verschwinden. Wie bei einem Erdbeben kann ein leichter Schlaganfall Vorbote eines schweren Schlaganfalls sein. Typische Symptome eines Schlaganfalls sind beispielsweise plötzliche Lähmungen oder ein gestörtes Berührungsempfinden im Gesicht, insbesondere wenn sie einseitig auftreten. Auch plötzliche Verwirrtheit, undeutliche Sprache, Sehverschlechterungen, Schwindel oder schlagartig beginnende schwere Kopfschmerzen können Warnhinweise sein. [2]

Zur Behandlung ischämischer Schlaganfälle können die Blutgerinnsel, die die Gehirngefäße blockieren, mechanisch beseitigt werden (Thrombektomie) oder mit einem Medikament aufgelöst werden (Thrombolyse-Therapie). Letzteres ist aktuell jedoch nur innerhalb eines Zeitfensters von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Symptome möglich. Leider sind viele Betroffene für diese Therapieform nicht schnell genug in ärztlicher Behandlung – sei es, weil die Symptome nicht erkannt werden oder weil die Person während des Schlaganfalls allein ist und spät gefunden wird. Ein wichtiges Ziel der Forschung ist daher, dieses Zeitfenster zu erweitern und die Lyse-Therapie so mehr Patientinnen und Patienten zu ermöglichen. Hierzu gibt es neue medikamentöse Ansätze, die das Zeitfenster der Lyse-Therapie zukünftig auf bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn verlängern könnten.

Quellen

[1] Ringleb P., Köhrmann M., Jansen O., et al.: Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls, S2e-Leitlinie, 2021, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Verfügbar unter www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 29.06.2022)

[2] Nolte C. (Klinik für Neurologie Charité – Universitätsmedizin Berlin): Patientenbroschüre Schlaganfall. Verfügbar unter https://ots.de/Qp7yDH (abgerufen am 29.06.2022)

[3] Liebeskind D., Jüttler E., Shapovalov Y., et al.: Cerebral Edema Associated With Large Hemispheric Infarction, in: Stroke. 2019;50:2619-2625.

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