Sie wird nicht müde, hat keinen Hunger – und ist auch häufig besser als noch unerfahrene Ärzte oder Ärztinnen: Künstliche Intelligenz (KI) ist in der Medizin schon ein willkommener Kollege. Indem die KI anhand großer, medizinisch geprüfter Datensätze ständig dazu lernt und künstliches Wissen erzeugt, von Bildern und Codes ständig dazu lernt, kann sie Krankheitsbilder schneller und oft auch akkurater analysieren als menschliche Kollegen. Blind vertrauen sollte man den Systemen jedoch nicht: „Wir stehen noch ganz am Anfang und haben einen langen Entwicklungsprozess vor uns“, sagt Radiologe Prof. Mike Notohamiprodjo, geschäftsführender Gesellschafter eines radiologischen Praxisverbundes in der Metropolregion München, im Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“.

Mehrere mögliche Diagnosen überfordern die KI

Mit seinem Arztnetz arbeitet Radiologe Notohamiprodjo schon seit Jahren mit Entwicklungsabteilungen von Technologiefirmen zusammen und probiert neue Lösungen im Bereich KI aus, um geeignete Systeme dauerhaft in den Praxisalltag zu integrieren. „Was die KI mittlerweile sehr gut kann, ist, einfache Ja-Nein-Fragen zu beantworten“, urteilt er. Zum Beispiel, ob ein Patient einen Tumor hat oder eine Patientin einen Knochenbruch – oder eben nicht. Anders sieht es aus, wenn verschiedene Diagnosen möglich sind, etwa bei einer Person mit Knieschmerzen. Von den zahlreichen Ursachen wie Meniskus oder Bänder ist die KI noch überfordert. „Durch die KI werden wir schneller und besser – doch die Kontrolle und Verantwortung liegen beim Arzt oder der Ärztin“, stellt der Fachmann klar.

Neben der Diagnostik kommt die KI bisher außerdem beim Screening, etwa auf Haut- und Brustkrebs zum Einsatz, sowie bei Prävention, Nachsorge oder Therapie. Eine Vision ist es auch, mithilfe von KI das individuelle Risiko für Krankheiten wie Krebs vorhersagen zu können, lange bevor diese ausbrechen.

KI für die alltäglichen Routineaufgaben

Dass ein KI-System bald den Arzt ersetzt, passiert jedoch noch lange nicht – vielleicht sogar nie. Wahrscheinlich ist eher, dass die KI in Zukunft einfache Routineaufgaben in der Medizin übernimmt, zum Beispiel Daten aus dem Labor auswerten. Der Vorteil: In den Arztpraxen bleibt dann mehr Zeit für persönliche Gespräche mit den Patientinnen und Patienten.

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