Oft sieht es spielerisch leicht aus, wenn man einen blinden Menschen mit seinem Führhund beobachtet. Doch der Eindruck täuscht: Beide brauchen äußerste Konzentration, um gemeinsam die Herausforderungen des Straßenverkehrs zu meistern. Hier erfahren Sie, wie Sie Führgespannen – Mensch und Tier – den Alltag erleichtern können.

„Am besten hilft man uns, in dem man uns in Ruhe als Team arbeiten lässt“, sagt Lisa Mümmler. Die 35-Jährige und ihr Führhund sind in ständigem Austausch miteinander. Während er ihr Treppenstufen, Ampeln und Eingänge anzeigt, muss sie seine Signale korrekt deuten und entsprechend handeln. Wenn die Stuttgarterin mit dem vierjährigen Führhund Harry unterwegs ist, wird der blondgelockte Goldendoodle jedoch oft von wildfremden Passanten angelockt oder gestreichelt – jedes Mal eine echte Herausforderung für die beiden: „Es ist einfach so, dass Harry für seine Aufgabe total bei der Sache sein muss“, sagt Lisa Mümmler. „Hier geht es ganz besonders um unsere Sicherheit.“ Deshalb freut sie sich auch, wenn andere Hundehalter einen Bogen um die beiden machen, denn ein Führhund muss während der Arbeit auf Kontakt zu anderen Hunden verzichten.

Natürlich sind Harry und sein Frauchen nicht immer im Stress, so dass es durchaus Gelegenheiten gibt, Lisa Mümmler anzusprechen: „Wenn man mich fragt, ganz normal, dürfte ich den Hund mal streicheln, dann gucke ich, ob es gerade passt, dann nehme ich ihm auch sein Führgeschirr ab.“ Das ist für Harry das Signal, dass er den Arbeitsmodus verlassen darf.

Im Alltag der beiden gibt es leider häufig das Problem, dass ihnen verweigert wird, beispielsweise einen Supermarkt, eine Arztpraxis oder das Restaurant eines Hotels zu betreten. Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Harry ist ein Hilfsmittel im Sinne des Gesetzes und darf in alle Räumlichkeiten hinein, die ein Mensch mit Straßenschuhen betreten darf. Leider ist das nicht ausreichend bekannt und Lisa Mümmler muss geduldig erläutern und diskutieren. Ebenfalls nicht ausreichend bekannt ist die Beförderungspflicht – Taxifahrer müssen Führhunde grundsätzlich mitnehmen und zwar kostenlos. Stattdessen passiert es immer wieder, dass ein Taxi Menschen mit Führhund einfach stehen lässt. Für Lisa Mümmler sind Probleme dieser Art ebenso nervig wie unverständlich: „Das kostet einfach Zeit und Kraft und macht uns das Leben unnötig schwer.“

Informationen zu Führhunden: www.woche-des-sehens.de/blindenfuehrhund

15. Oktober: Internationaler Tag des weißen Stockes

Im Jahr 1964 wurde vom US-Kongress eine Resolution in Kraft gesetzt, die den 15. Oktober zum White Cane Safety Day (übersetzt ungefähr: „Verkehrssicherheitstag des weißen Stockes“) erklärte. Mit seiner umgehenden Proklamation unterstützte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Lyndon B. Johnson, das Streben blinder Menschen nach mehr Selbstständigkeit.

Der Tag des weißen Stockes entwickelte sich schnell zum weltweiten Aktionstag der sehbehinderten und blinden Menschen. Seit dem Jahr 2002 ist der 15. Oktober in Deutschland zugleich der Abschlusstag der Woche des Sehens.

Die Woche des Sehens

„Augen als Fenster zur Welt“ heißt das Motto der diesjährigen Woche des Sehens. Die Aufklärungskampagne findet bundesweit vom 8. bis 15. Oktober statt. Getragen wird sie von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird sie zudem von der Aktion Mensch und von ZEISS. Weitere Informationen unter:

www.woche-des-sehens.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.