Migräne kommt bei Kindern häufig vor. Bis zu jedes zehnte Kind ist davon betroffen, sagt Dr. Michaela Bonfert, die in München am Dr. von Haunerschen Kinderspital das Pädiatrische Kopfschmerzzentrum leitet: „Trotzdem wird Migräne häufig erst spät erkannt.“ Worauf Eltern achten sollten und was sie tun können, zeigt das Apothekenmagazin „ELTERN“.

Migräne auf keinen Fall bagatellisieren

Migräne entwickelt sich oft über die Zeit, zeigt sich anfangs in vielen Fällen erst selten oder noch nicht so ausgeprägt. Zudem klagen gerade kleinere Patientinnen und Patienten nicht unbedingt über Kopf-, sondern zum Beispiel über Bauchschmerzen, so Expertin Bonfert. Ob die Kinder den Schmerz nicht richtig deuten oder ob er sich im noch nicht fertig entwickelten Gehirn tatsächlich anders zeigt, ist dabei nicht ganz klar.

Wenn die Kinder dann spucken, denken Eltern, dass es einfach ein Infekt ist, beobachtet Dr. Kristina Huß, Oberärztin im Pädiatrischen Kopfschmerzzentrum. Hinzu komme, dass Migräne oft immer noch bagatellisiert werde. „Das sollte sie absolut nicht“, so Huß. Denn zum einen schränken häufige Attacken den Alltag und die Lebensqualität der Kinder drastisch ein, zum anderen könne Migräne chronisch werden.

Kinder sollten lernen, was in ihrem Kopf passiert

Wichtig ist, die Attacken frühzeitig zu unterbrechen. In der Regel reicht dafür Ibuprofen. Azetylsalizylsäure (ASS) ist für Kinder unter zwölf Jahren nicht geeignet. Oft kündigen Symptome wie Blassheit, Stimmungsschwankungen oder Heißhunger einen Migräne-Schub an. „Im besten Fall sind die Kinder irgendwann so geschult darin, die Vorzeichen zu erkennen, dass sie nicht einmal mehr Medikamente benötigen, sondern einfach das machen, was ihnen dann guttut – sich zum Beispiel zurückziehen, sich hinlegen, die Augen schließen, schlafen“, so Kristina Huß.

Hilfreich ist es, wenn Kinder lernen, was eine Migräne ist, was in ihrem Kopf passiert und was sie für sich tun können. Im Apothekenmagazin „ELTERN“ spricht Kinderärztin Bonfert von „Psychoedukation“: Im integrierten Sozialpädiatrischen Zentrum des Dr. von Haunerschen Kinderspitals arbeiten neben Ärztinnen und Physiotherapeuten auch Psychologinnen und Psychologen mit den Kindern. Nicht alle Fälle müssen in speziellen Zentren behandelt werden. „Eine Migräne, die gut mit Medikamenten zu kontrollieren, also zu unterbrechen ist, nur selten auftritt und das Kind nicht in seiner Teilhabe am ganz normalen Leben hindert, kann in der Regel sehr gut von niedergelassenen Kinderärztinnen oder -ärzten versorgt werden“, erklärt Michael Bonfert.

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