Viele Menschen in Deutschland fühlen sich einsam. Was bedeutet Einsamkeit für den Einzelnen, wer ist besonders betroffen und welche Folgen hat sie gesellschaftlich? Diese und weitere Fragen sind Thema der öffentlichen Jahrestagung des Deutschen Ethikrates am 19. Juni in Berlin. Neben zahlreichen hochrangigen Expertinnen und Experten ist auch Bundesfamilienministerin Lisa Paus zu Gast.

Jeder Dritte zwischen 18 und 53 Jahren fühlt sich zumindest teilweise einsam, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 44 Prozent. Das ergab eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Der Trend: anhaltend hoch. „Einsamkeit ist schon lange keine Randerscheinung mehr“, sagt Mark Schweda, der gemeinsam mit Annette Riedel die Arbeitsgruppe des Ethikrates zur Vorbereitung der Jahrestagung leitet. „Seit der Coronapandemie ist das Phänomen viel stärker in unser Bewusstsein gerückt. In unserer Tagung wollen wir analysieren, welche gesundheitlichen, psychischen und sozialen Folgen Einsamkeit für das Individuum und für die Gesellschaft haben kann, und diskutieren, wie wir damit umgehen sollten. Ethische Fragen, beispielsweise nach sozialer und demokratischer Teilhabe und Gerechtigkeit, sind dabei zentral.“

Hierzu ordnet der Deutsche Ethikrat das komplexe Phänomen der Einsamkeit zunächst in Zeit- und Ideengeschichte ein und beleuchtet die empirischen Grundlagen aus Sicht der Sozialwissenschaften, der Psychologie und der Medizin. Weiterhin wird die Ausprägung von Einsamkeit in verschiedenen Lebenslagen und -abschnitten untersucht. So geht es in einem ersten Forum am Nachmittag um Einsamkeit in Kindheit und Jugend, Einsamkeit im mittleren Alter und schließlich um Einsamkeit im hohen Alter und bei Sterbenden. Ein parallel laufendes Forum nimmt Einsamkeit bei marginalisierten Menschen, Einsamkeit in Führungspositionen sowie Einsamkeit bei Menschen mit Sorgeverpflichtungen – beispielsweise Alleinerziehenden oder Pflegenden – unter die Lupe. Daran anschließend werden seelsorgerische und gesellschaftspolitische Ansätze zum Umgang mit Einsamkeit erörtert.

Auf dem Schlusspodium diskutieren Bundesfamilienministerin Lisa Paus, der ehemalige Präsident der Diakonie Deutschland Ulrich Lilie, der Journalist Jakob Simmank sowie der Sozialforscher Claus Wendt, wie wir den Herausforderungen der Einsamkeit politisch und gesellschaftlich besser begegnen können. Bereits im Dezember des vergangenen Jahres hatte die Bundesregierung eine Strategie gegen Einsamkeit auf den Weg gebracht. Die Jahrestagung des Deutschen Ethikrates liegt in der vom Bund initiierten Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“, die vom 17. bis 23. Juni 2024 stattfindet.

Kunstausstellung

Einsamkeit kann Isolation, Alleinsein und Vereinsamung bedeuten, aber auch eine bewusste und positive Entscheidung des Rückzugs, Schutzes oder der Selbstfindung. Sieben Künstlerinnen haben sich mit den verschiedenen Facetten der Einsamkeit auseinandergesetzt und stellen ihre Werke während der Tagung aus. Die von artburst berlin kuratierte Ausstellung „journeys of solitude“ wird zudem für Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Livestream digital dokumentiert und auf der Webseite des Deutschen Ethikrats zur Verfügung gestellt.

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