Der Herbst ist da – und mit ihm beginnt die Hochsaison des hochansteckenden Respiratorischen Synzytial-Virus (kurz RSV). Der Atemwegserreger kann vor allem ältere und vorerkrankte Menschen schwer treffen. Der Facharzt Prof. Dr. Tino F. Schwarz rät daher dringend, vorzubeugen und die verfügbare Impfung zu nutzen. „Prävention ist das A und O“, betont der Experte.

Bei Atemwegsinfekten denken viele Menschen an Grippe- und Coronaviren als mögliche Auslöser. Doch auch der Atemwegserreger Respiratorisches Synzytial-Virus (kurz RSV) ist in den kühleren Monaten ein häufiger Grund für Erkrankungen der Atemwege. „Das Virus ist in der Bevölkerung wenig bekannt – aber in der Realität ein häufiges Problem“, erklärt Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie aus Würzburg. Denn: Nach einer Ansteckung mit dem Virus bleibt es nicht immer bei erkältungsähnlichen Beschwerden wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen.[1] Besonders bei Menschen ab circa 60 Jahren, aber auch Personen mit bestimmten Vorerkrankungen sind ernstere Verläufe möglich.[2] Dann drohen schwerwiegende Symptome wie Atemnot.

Geschwächtes Immunsystem im Alter – diese Folgen drohen

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„Das Immunsystem wird mit zunehmendem Alter schwächer – und genau deshalb verlaufen RSV-Infektionen bei Älteren oft deutlich schwerer“, erklärt Prof. Dr. Schwarz. Das Tückische am Virus: RSV könne dazu führen, dass Zellen in der Lunge verklumpen, verschmelzen und in der Folge die Atemwege verstopfen. Der Experte betont: „Wenn Luftnot besteht, ist Gefahr im Verzug. Dann braucht es eine stationäre Überwachung.“ Komplikationen wie eine Lungenentzündung, aber auch eine Verschlechterung von bestehenden Vorerkrankungen wie Asthma oder einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) seien keine Seltenheit. „Viele Patienten landen im Krankenhaus, weil sich eine COPD oder Asthma durch die RSV-Infektion dramatisch zuspitzt“, berichtet der Experte.

Eine Untersuchung zeigt: In Deutschland führt rund jede vierte diagnostizierte RSV-Infektion bei Erwachsenen ab 60 Jahren zu einem Krankenhausaufenthalt.[3] Viele RSV-bedingte Krankenhausfälle werden laut Prof. Dr. Schwarz aber gar nicht erfasst, etwa weil Betroffene nicht immer auf den Erreger hin untersucht werden. Nach einem Krankenhausaufenthalt könne die körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt sein. Der Facharzt erläutert: „Es braucht oft eine Weile, bis sich Betroffene von der Infektion erholen.“

Therapie stößt an Grenzen – Vorsorge ist entscheidend

Eine spezifische RSV-Therapie existiert bislang nicht.[4] „Wir können die Symptome lindern, aber es gibt keine Tabletten gegen RSV“, mahnt Prof. Dr. Schwarz. Umso erfreulicher sei es, dass es Möglichkeiten zur Vorsorge gäbe. „Prävention ist das A und O. Darauf müssen wir den Fokus legen“, betont der Experte. Für Erwachsene stehen aktuell drei verschiedene Impfstoffe zur Verfügung.[2] Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die RSV-Impfung für alle Menschen ab 75 Jahren sowie für Erwachsene zwischen 60 und 74 Jahren, die mit einer schweren Vorerkrankung oder in einer Pflegeeinrichtung leben.[5] Die Impfung könne vor einer Infektion, vor allem aber vor schweren Erkrankungen der unteren Atemwege schützen. Zum optimalen Zeitpunkt ergänzt Prof. Dr. Schwarz: „Ideal ist die Impfung vor der Saison, aber es spricht aktuell nichts dagegen, ganzjährig zu impfen. Das geht jederzeit.“ Älteren Menschen rät er, in der Hausarztpraxis gezielt mögliche Schutzoptionen anzusprechen.

„Ich bekam kaum noch Luft“ – Erfahrungsbericht einer 66-jährigen Betroffenen

Wie einschneidend sich eine RSV-Infektion im Alter anfühlen kann, zeigt der Fall der 66-jährigen Asthmatikerin Jutta B. aus München. Sie kämpfte vor allem mit einem Husten, der einfach nicht aufhören wollte. Es brodelte in den Bronchien. „Ich habe die Infektion als sehr bedrohlich erlebt. Ich bekam kaum noch Luft und hatte Sorge zu ersticken“, berichtet Jutta B. Auch Wochen nach der akuten Phase sind die Folgen der Atemwegsinfektion für die Betroffene noch spürbar: „Bei Anstrengung bin ich schneller kurzatmig und muss häufiger eine Pause machen.“ Ihr Wunsch: „Jeder sollte wissen, was RSV ist und wie man sich davor schützen kann.“

Referenzen

[1] Rki.de, „RSV-Infektionen (Respiratorische Synzytial-Viren)“. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/RSV/FAQ_Liste_gesamt.html Zugriff: September 2025

[2] Impfen-info.de, „RSV-Impfung bei Erwachsenen“. Verfügbar unter:

https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-erwachsene/rsv/ Zugriff: September 2025

[3] Marijic P et al. Pharmacoecon Open 2025;9(3):445-459

[4] Lungeninformationsdienst.de, „RS-Virus: Therapie“. Verfügbar unter:

https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/virale-infekte/rs-virus/therapie Zugriff: September 2025

[5] Rki.de, „RSV-Impfung für ältere Menschen“. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Informationsmaterialien/Faktenblaetter-zum-Impfen/RSV-Impfung-Aeltere-Menschen.pdf?__blob=publicationFile Zugriff: September 2025

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