Jedes Jahr sterben in Deutschland Schätzungen zufolge 5.000 Menschen an einer Pneumokokken-Erkrankung [1]. Das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ist altersabhängig – besonders gefährdet sind hier kleine Kinder bis zum zweiten Lebensjahr und ältere Menschen. Doch das Risiko steigt auch bei Personen mit chronischen Erkrankungen der Lunge, des Herzens oder des Nervensystems, bei vorliegendem Diabetes, einer Immunschwäche oder auch einer das Immunsystem unterdrückenden Therapie an [2] Rechtzeitig vor Beginn der nasskalten Jahreszeit sollten Familien deshalb an die Pneumokokken-Impfung denken; sie ist der beste Schutz gegen eine Infektion [3]. Die Pneumokokken-Impfung wird von der Ständigen-Impfkommission (STIKO) unabhängig von der Jahreszeit empfohlen und die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen [4].
Mit dem Einzug des Herbstes beginnt auch die Saison der Atemwegserkrankungen [5]. Wenn das Wetter unbeständiger wird, sinkt unsere Immunabwehr und unsere Infektanfälligkeit steigt, auch durch trockenere Luft und dadurch trockenere Schleimhäute [6]. Gleichzeitig können sich bei schlechterem Lüften Erreger leichter im Kindergarten- oder Klassenzimmers anreichern [6,7]. Auch Infektionen mit Pneumokokken, d. h. mit Bakterien, die teils schwere, lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen können, häufen sich dann in der kälteren Jahreszeit [8]. Besonders gefährdet sind Kinder in den ersten zwei Lebensjahren und ältere Erwachsene, aber auch Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen [A] haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf [9,10].
Die Pneumokokken-Erreger werden durch Tröpfcheninfektion – also beim Husten, Niesen, Sprechen oder Küssen – übertragen. Viele Menschen tragen Pneumokokken im Nasen-Rachen-Raum, ohne zu erkranken, können jedoch andere anstecken. Bei einer Infektion kann es zu Mittelohr- oder Lungenentzündungen kommen. Dringen die Bakterien weiter in den Organismus ein, droht ein schwerer Verlauf. Dann kann es zu einer mitunter lebensgefährlichen Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder auch einer Blutvergiftungen kommen und bleibende Schäden hinterlassen [7].
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Chronische Erkrankungen erhöhen das Risiko bei Kindern und Jugendlichen deutlich
Für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren, mit mindestens einer chronischen Erkrankung, ist das Risiko, wegen einer schwer verlaufenden Pneumokokken-Erkrankung behandelt werden zu müssen, bis zu 17,8-fach erhöht, da das Immunsystem durch die chronischen Erkrankungen bereits belastet ist [11]. Im Gegenzug kann die Infektion einen Schub einer Autoimmunerkrankung auslösen und auch insgesamt Herz und Lunge belasten.[12,13]. Dabei ist in Deutschland circa jede:r Fünfte 0-17-Jährige chronisch krank.[14,15,16,17,18,19,20]. Besonders häufig haben die Kinder Neurodermitis (12,8 %) und Asthma (6 %) [11]. Doch auch andere chronische Krankheiten können das Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen erhöhen. Hierzu zählen Krankheiten, die eine Unterdrückung des Immunsystems erfordern können (z. B. rheumatische Erkrankungen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen), aber auch chronische Krankheiten wie angeborene Herzfehler, Diabetes und Epilepsie [4,21]. Häufig leiden betroffene Kinder unter einer Kettenreaktion; ein typisches Beispiel ist der sogenannte „allergische Marsch“. Er startet im Säuglingsalter mit Neurodermitis, worauf in der Regel im Kleinkindalter Lebensmittelallergien und im Verlauf Asthma und Heuschnupfen folgen [22]. Mit der Anzahl an Vorerkrankungen und deren Schweregrad steigt das Pneumonie-Risiko [23].
Impfung als beste Vorsorge für Minderjährige mit erhöhtem Risiko – jetzt aktiv werden!
Die beste Vorsorge gegen schwere Krankheitsverläufe ist die Impfung. Deshalb empfiehlt die STIKO seit Januar 2026 allen Kindern und Jugendlichen ab 2 Jahren mit entsprechenden Vorerkrankungen [A]. die einmalige Pneumokokken-Impfung. Dies gilt auch für Kinder und Jugendliche, die bereits als Säugling eine sogenannte Pneumokokken-Grundimmunisierung erhalten haben [4].
Quellen:
[A] Mit relevanter Grunderkrankung, wie angeborene oder erworbene Immundefekte, chronische Krankheiten – wie Diabetes, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Atmungsorgane, Leber, Nieren oder des Nervensystems – und fremdkörperassoziierte Risiken für Hirnhautentzündung durch Pneumokokken (Pneumokokken-Meningitis) – zum Beispiel bedingt durch ein Cochlea-Implantat oder eine Liquorfistel.
[1] DGK. Pneumokokken-Erkrankungen. https://dgk.de/impfen-und-infektionen/krankheiten-von-a-bis-z/pneumokokken-erkrankungen.html. Letzter Zugriff: 11.08.2026.
[2] Robert Koch-Institut. Impfempfehlung (Stand: 23.3.2026). https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Pneumokokken/FAQ-Liste_Pneumokokken_Impfempfehlung.html. Letzter Zugriff: 19.08.2026.
[3] Robert Koch-Institut. Epid Bull. 2026;8:3-11.
[4] Robert Koch-Institut. Epid Bull. 2026;4:1-79.
[5] BIÖG. Atemwegsinfektionen. https://www.infektionsschutz.de/infektionen/krankheitsbilder/atemwegsinfektionen/. Letzter Zugriff: 17.08.2026.
[6] Robert Koch-Institut. Surveillance akuter Atemwegserkrankungen. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/ARE-Surveillance/ARE_gesamt.html#entry_16869652. Letzter Zugriff: 17.08.2026
[7] BIÖG. Pneumokokken-Impfung bei Kindern. https://www.infektionsschutz.de/impfen/fuer-kinder-0-12-jahre/pneumokokken-impfung-bei-kindern/. Letzter Zugriff: 17.08.2026.
[8] RKI. Ratgeber Pneumokokken, invasive Infektion. Stand: 19.02.2026. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Pneumokokken.html. Abrufdatum: 25.08.2026.
[9] BIÖG. Pneumokokken-Impfung bei Kindern. https://www.infektionsschutz.de/impfen/fuer-kinder-0-12-jahre/pneumokokken-impfung-bei-kindern. Abrufdatum: 25.08.2026.
[10] RKI. Impfempfehlung. Stand: 23.03.2026. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Pneumokokken/FAQ-Liste_Pneumokokken_Impfempfehlung.html. Abrufdatum: 25.08.2026.
[11] Robert Koch-Institut. Epid Bull. 2026;2:3-18.
[12] Wagner N, et al. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2019;62:494-515.
[13] Selpers. Impfungen bei chronischen Erkrankungen. https://selpers.com/immunsystem/impfungen-bei-chronischen-erkrankungen. Abrufdatum: 29.04.2026.
[14] Thamm R, et al. Journal of Health Monitoring. 2018;3(3):3-18.
[15] Robert Koch-Institut.. Diabetes in Deutschland – Kinder und Jugendliche. https://diabsurv.rki.de/Webs/Diabsurv/DE/diabetes-in-deutschland/kinderjugendliche/2-11_Praevalenz_Typ_1_Diabetes.html. Letzter Zugriff: 19.08.2026.
[16] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. Morbus Crohn. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/morbus-crohn/was-ist-morbus-crohn/. Letzter Zugriff: 19.08.2026.
[17i] Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung e. V. Einfluss von Epilepsie auf die Hirnentwicklung bei Kindern: Neue Therapieansätze und Forschungsperspektiven. https://dgkn.de/dgkn/presse/pressemitteilungen/544-einfluss-von-epilepsie-auf-die-hirnentwicklung-bei-kindern-neue-therapieansaetze-und-forschungsperspektiven. Letzter Zugriff: 19.08.2026.
[18] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. Herzfehler (angeborene). https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/herzfehler-angeborene/. Letzter Zugriff: 19.08.2026.
[19] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. Was ist Kinder- und Jugendrheumatologie? https://www.dgkj.de/eltern/spezialist/-innen-portraits/kinder-und-jugendrheumatologie. Letzter Zugriff: 19.08.2026.
[20] Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Deutschland altert in den Regionen unterschiedlich schnell. Langfassung. https://www.deutschlandatlas.bund.de/DE/Karten/Wer-wir-sind/030-Altersgruppen-der-Bevoelkerung.html. Letzter Zugriff: 19.08.2026.
[21] Trier NH, Houen G. Int J Mol Sci. 2023;24(17):13609.
[22] Hill DA, Spergel JM. Ann Allergy Asthma Immunol. 2018;120:131-137.
[23] Pelton SI, et al. BMC Infect Dis 2015; 15: 470.
