Unerkannte Gefahr beim Ski-Sport: Zunahme sportbedingter Kopf- und Gesichtsverletzungen

Ski-Rennfahrer Hans Grugger war Mitte Januar im Abfahrtstraining von Kitzbühel gestürzt und hatte sich schwerste Kopfverletzungen zugezogen. Eine Woche später traf es seinen Teamkollegen Mario Scheiber: Bei einem schweren Trainingssturz zog er sich neben einem Schlüsselbeinbruch einen Nasenbeinbruch und eine Nasen-Nebenhöhlenfraktur zu. „Sportunfälle als Ursache von zum Teil schweren Kopf- und Gesichtsverletzungen nehmen einen immer höheren Stellenwert in der tagtäglichen Arbeit des Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen ein“, weiß Prof. Dr. Dr. Elmar Esser, Pressereferent der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). Wintersportarten machen dabei einen Anteil von 4,8 % aller sportbedingten Kopf- und Gesichtsverletzungen aus, so eine Mitte letzten Jahres veröffentlichte Studie.

Vom Ärzteteam um Prof. Dr. Dr. Andreas Bremerich, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie am Klinikum Bremen-Mitte, wurden im Zeitraum von 6 Jahren 3596 Patienten mit Gesichtsschädelverletzungen stationär behandelt, davon waren diese bei 147 Patienten auf Sportunfälle zurückzuführen. In seiner Studie differenziert er hinsichtlich Sportart, Geschlecht, Alter, Frakturlokalisation, Begleitverletzungen und jahreszeitlicher Verteilung.

Die Ergebnisse der Datenauswertung:
Mit 79,6 % stellten Männer den Hauptanteil des Kollektivs und waren damit im Verhältnis nahezu viermal häufiger betroffen als das weibliche Geschlecht.
Die Gruppe der Ballsportarten stellte mit 74 % den größten Anteil der verursachenden Sportarten dar, es folgten Reitsportunfälle mit 6,8 %, Kampfsportarten mit 5,5 % sowie Wintersportarten mit 4,8 %.
In der Altersverteilung konnte mit 79,6 % eine Häufung der Gesichtsschädeltraumata zwischen dem 10. und 40. Lebensjahr festgestellt werden, wobei bei Männern mit 34,7 % ein Peak im dritten Lebensjahrzehnt feststellbar war.
In der jahreszeitlichen Verteilung zeigte sich mit 12,9 % aller Unfälle der Monat April besonders betroffen. Insgesamt war eine Häufung von 57 % in den Sommermonaten auffällig.
Im Hinblick auf die Frakturlokalisation lagen Mittelgesichtsfrakturen mit 75,9 % vor den Unterkieferfrakturen mit 17,8 % und sonstigen Frakturen mit 6,3 %. Innerhalb der Gruppe der Mittelgesichtsfrakturen war die Jochbeinfraktur mit 32 % am häufigsten vertreten, gefolgt von der Nasenbeinfraktur mit 24 %, der isolierten Orbitafraktur (knöcherne Augenhöhle) mit 18 %, der Jochbogenfraktur mit 14 % sowie der kombinierten Jochbeinfraktur-Jochbogenmehrfachfraktur mit 11 %.

Da Sportunfälle zum großen Teil vermeidbare Unfälle sind, rät Prof. Dr. Dr. Elmar Esser als Pressereferent der DGMKG, besonderes Augenmerk auf die Prävention zu legen.

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