Diagnose von Lebensmittelallergien

Verfolgte man die Berichterstattung der letzten zehn bis fünfzehn Jahre, so steht eindeutig fest: Lebensmittelallergien nehmen stetig zu. Das kann man nicht nur in wissenschaftlichen Fachorganen nachschauen, sondern nahezu überall hören, sehen und lesen. Mit der gestiegenen medialen Aufmerksamkeit nehmen aber auch die „gefühlten“ Allergien zu. Etwa jeder Fünfte glaubt, an einer Lebensmittelunverträglichkeit zu leiden. Dabei verschwimmen die Begrifflichkeiten Allergie, Unverträglichkeit oder Intoleranz. Das ist aber zunächst ein untergeordnetes Problem: „Den Patienten interessiert es zunächst nicht, wie die fachliche Zuordnung ist. Er kommt mit Beschwerden und möchte Abhilfe“, so Prof. Zsolt Szepfalusi von der Medizinischen Universität Wien auf einer wissenschaftlichen Tagung des Verbandes der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ) in Wien.

Wenn der Patient also bereits eine Unverträglichkeit auf ein Lebensmittel hat, „muss der behandelnde Arzt diesem Verdacht nachgehen“, so Szepfalusi. Zur Diagnose einer Allergie auf ein bestimmtes Lebensmittel empfiehlt sich ein Prick-Test. Hier wird die Haut am Unterarm eingeritzt und allergene Substanzen (aus verschiedenen Lebensmitteln) direkt aufgeträufelt. Reagiert die Haut mit einer starken Rötung, oft gepaart mit starkem Juckreiz, folgt ein anschließender Labortest auf Antikörper. Ist auch dieser positiv, spricht man von einer Allergie. Prof. Christof Ebner, Leiter des Ambulatoriums für Allergie und klinische Immunologie, Wien, warnt aber davor, diese Verfahren als Königsweg in der Diagnose zu sehen, denn ein positiver Allergietest kann nur immunologische Reaktionen aufdecken.

„Es gibt sehr viele Unverträglichkeiten, bei denen das Immunsystem nicht beteiligt ist.“ Und natürlich muss auch diesen Patienten geholfen werden. Eine verallgemeinernde Testung hält der Mediziner ebenso für falsch: „Es ist nicht sinnvoll, beim ersten Unwohlsein zum Arzt zu gehen und sich auf alle Nahrungsmittel testen zu lassen.“ Vielmehr sollte man sich gezielt auf einzelne in Frage kommende Lebensmittel fokussieren. Grundsätzlich hält Ebner die „Provokation“ für das Mittel der Wahl einer Nahrungsmittelunverträglichkeits-Diagnostik. Hier wird unter wissenschaftlichen Prämissen ganz gezielt ein „verdächtiges“ Lebensmittel gegessen und die Reaktion abgewartet, gemessen und in einem Placebo-Versuch bestätigt. Diese Tests sind allerdings sehr aufwändig und kostenintensiv und werden oft nur bei Kleinkindern durchgeführt.

Harald Seitz, www.aid.de

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