Vorsorge bei Leber wichtig – „Lebererkrankungen können jeden treffen“

Das Motto des 15. Lebertags am 20. November heißt: „Lebererkrankungen können jeden treffen“. Dazu ein Interview mit Dr. med. Matthias Kraft, dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I für Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Endokrinologie, Diabetologie, Hämato-Onkologie und Ernährungsmedizin am Vinzentius-Krankenhaus Landau über Erkrankungen und modernen Behandlungsmöglichkeiten der Leber.

Warum gibt es überhaupt einen Tag für die Leber?

Ode an die Leber

Von Pablo Neruda / Nobelpreisträger

Das Herz erklingt und schwingt mit dem Klang der Mandoline
Dort, tief im Inneren
filtrierst und verteilst Du
teilst und trennst Du
vermehrst und schmierst Du
Du schöpfst und erntest den Stoff des Lebens

Dieses Zitat spiegelt die Wirklichkeit wieder. Häufig werden wir uns der Bedeutung der Leber für unsere Gesundheit erst dann bewusst, wenn diese ihre vielfältigen Funktionen nicht mehr wahrnehmen kann. Die Leber ist – im Gegensatz zum Herzen – eher schmerzunempfindlich. Deshalb bleiben viele Erkrankungen zunächst unbemerkt. Die Auswirkung einer Schädigung ist aber mindestens genauso schlimm und häufig nicht mehr umkehrbar.

Im Verlauf von Lebererkrankungen treten die häufig sichtbaren Symptome wie gelbliche Verfärbung der Haut sowie verstärkte Blutungsneigung oder aber auch Bauchwasser erst sehr spät auf. Meist ist das Organ dann schon so geschädigt, dass wir nur noch die Symptome, nicht mehr aber die Ursache bekämpfen können, da das Organ dann schon bindegewebig umgewandelt ist. Frühe Zeichen sind Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder aber auch vermehrte Infektanfälligkeit. Gibt es eine Begleiterkrankungen, wie Adipositas, sollten diese Symptome als ernst erachtet und die Leberwerte überprüft werden. Die Leber wird Tag für Tag mit Giften belastet – sie ist das Klärwerk unseres Stoffwechsels. Und deshalb gibt es den Lebertag. Eine sehr gute Sache, wie ich finde.

Gibt es Möglichkeiten der Früherkennung?

Ja, und sie sind sehr wichtig. Eine Leberverfettung ist eine der häufigsten Erkrankungen unserer Gesellschaft und hat nicht immer etwas mit Alkohol zu tun. Besonders bei übergewichtigen Patienten kommt dies in ca. 70 % der Fälle vor. Dies gilt es zu erkennen, da die Fettleber als Marker des metabolischen Syndroms gilt, welches durchaus eine prognostische Aussage für das individuelle gesundheitliche Risiko hat.

Eine Zirrhose (bindegewebiger Umbau) oder ein Tumor (Leberzellkrebs) sind die Folge und können, falls frühzeitig erkannt, abgewendet und gut behandelt werden. Deshalb sollte man regelmäßig seine Leberwerte prüfen lassen, vor allem auch den Gamma-GT-Wert, und zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Leber durchführen lassen. Heutzutage gibt es auch Untersuchungsmöglichkeiten, mit denen man näherungsweise ohne Punktion die Gewebebeschaffenheit der Leber im Ultraschall beurteilen kann. Dies ist insbesondere auch wichtig im Verlauf einer Therapie.

Und wenn nun doch eine Erkrankung vorliegt?

Die modernen Therapien der Lebererkrankungen sind hinsichtlich der Therapie von Tumoren und Entzündungen aktuell gut erforscht. Insbesondere im Bereich der Bekämpfung der Virushepatitis stehen uns sehr starke Möglichkeiten der Krankheitsbekämpfung zur Seite, da es gerade hier in den letzten Jahren einen Sprung in der Therapie gegeben hat, die ihresgleichen sucht. Auch die Chirurgie leistet hier einen beträchtlichen Anteil – bis hin zur Lebertransplantation. Ich bin sehr froh, dass wir in unserer Abteilung am Vinzentius-Krankenhaus Landau ein kompetentes und routiniertes Team haben. Das gibt unseren Patienten ein hohes Maß an Vertrauen.

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