Leben ohne Pillen – Wege aus der Medikamentensucht

Rund eine Million Frauen in Deutschland sind medikamentenabhängig. Wie die Zeitschrift VITAL in ihrer aktuellen Ausgabe (9/08; EVT: 20. August) berichtet, geraten die meisten von ihnen über dämpfende Medikamente wie Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmittel in die Suchtspirale. In jüngster Zeit sei allerdings auch die Menge der verschriebenen Psychostimulanzien stark angestiegen.

Dass zwei Drittel aller Medikamentenabhängigen weiblich sind, hat verschiedene Gründe. „Frauen werden durch die zunehmende Doppelbelastung in Familie und Beruf, als alleinerziehende Mutter oder durch finanzielle Probleme überfordert“, sagt Christoph von der Goltz, Suchtforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Das Risiko einer Abhängigkeit ist laut Studien ebenfalls vergrößert, wenn Frauen vor dem 16. Lebensjahr Gewalt oder andere Traumata erfahren haben. Vermutet wird zudem, dass Frauen vermehrt unter einem spezifischen Gen-Defekt leiden, der es ihnen schwerer macht, seelische Krisen zu bewältigen.

Um einem sukzessiven und von den Betroffenen meist nicht registrierten Abrutschen in die Abhängigkeit vorzubeugen, empfehlen Experten bei Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmitteln die sogenannte 4K-Regel: „Klare Indikation“, „Kleine Dosen“, „Kurze Anwendungsdauer“ und „Kein abruptes Absetzen“.  Letzteres ist besonders wichtig, da sonst schwere Nebenwirkungen entstehen können. Von einem Entzug auf eigene Faust muss aus dem gleichen Grund dringend abgeraten werden. Stattdessen sollte das Reduzieren oder Absetzen der Medikamente immer mit ärztlicher Begleitung erfolgen.

Spezielle Therapieeinrichtungen für Medikamentensucht gibt es derzeit noch wenig. Für betroffene Frauen hat sich jedoch die Betreuung in Tageskliniken bewährt, die die Patientinnen abends wieder verlassen können. „Wenn die Behandlung in den Alltag integriert werden kann, verringert sich auch das Rückfallrisiko“, weiß Suchtforscher von der Goltz. Optimale Behandlungsmethode ist derzeit die kognitive Verhaltenstherapie: Etwa 50 Prozent der Patientinnen werden dadurch geheilt, in 35 Prozent der Fälle wird eine Verringerung der Medikamentendosis erreicht.

Quelle: vital

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