Zunehmende Zahnverletzung bei Kindern und Jugendlichen: Richtige Vorbeugemaßnahmen retten Zähne

Nach aktuellen Einschätzungen der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) haben in den letzten Jahren aktuelle und risikoreiche Trendsportarten speziell bei Kindern und Jugendlichen immer wieder zu einem saisonalen Anstieg unfallbedingter Zahnverletzungen geführt. Darüber hinaus sind inzwischen weitere Risikofaktoren bekannt. Die DGMKG informiert über mögliche Risikogruppen und rät zu frühzeitiger Prophylaxe. „Ist dennoch ein Zahnunfall passiert, ist die richtige Behandlung beim Spezialisten unerlässlich für ein später zufriedenstellendes Ergebnis“, betont Prof. Dr. Dr. Elmar Esser, Pressereferent der DGMKG.

Es passiert immer häufiger beim Inlineskating, Kickboarding (modernes „Tretrollerfahren“), in Schwimmbädern und neuerdings auch beim Heeling (Schuhe mit Rolle im Absatz): Studien zufolge erleiden heute über 50 % aller Kinder und Jugendlichen ein Zahntrauma noch vor dem 17. Lebensjahr. Dabei sind Kinder zwischen dem 3. und 4. (Milchzähne) sowie dem 9. und 12. Lebensjahr und im Alter von 16 Jahren besonders betroffen. Die häufigste Verletzung im bleibenden Gebiss ist der Bruch der mittleren Schneidezähne im Oberkiefer, im Milchgebiss die Verlagerung des Zahns. Etwa zwei Drittel aller Zahnunfälle passieren Zuhause oder an öffentlichen Sport- und Spielstätten.

Wen es treffen kann
„Nicht alle Kinder und Jugendlichen erleiden gleich häufig Zahnunfälle“, sagt Prof. Dr. Andreas Filippi vom Zahnunfall-Zentrum der Universität Basel und Klinik für Zahnärztliche Chirurgie, Radiologie, Mund- und Kieferheilkunde, der sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und eine wissenschaftliche Ausarbeitung hierüber veröffentlicht hat. „Es gibt heute zahlreiche wissenschaftlich identifizierte Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Zahntraumas erhöhen“, so Filippi. Zu den klassischen Risikofaktoren gehören der so genannte große Overjet (zu kurzer Unterkiefer), zu weit vorstehende Oberkieferfrontzähne, ein unzureichender Lippenschluss, das Ausüben von Risiko-Sportarten sowie Männer schlechthin. Als neue und daher nicht so bekannte Risikofaktoren benennt Filippi das kindliche Übergewicht, Hyperaktivität bei Kindern und die sozio-ökonomische Umgebung. Zusätzlich scheint es ein gewisses genetisches Risiko zu geben.

Risiko lass’ nach
Verantwortungsvolle und phrophylaxeorientierte Zahnärzte und MKG-Chirurgen erkennen derartige Risikofaktoren bei ihren Patienten und geben entsprechende Empfehlungen zur Prophylaxe von Zahnunfällen. Dies kann bei Zahnfehlstellungen eine frühzeitige kieferorthopädische Behandlung sein. Wer Risikosportarten wie Eishockey, Handball, Basketball oder auch diverse Kampfsportarten ausübt, sollte einen Zahnschutz tragen.

Doch Zahnunfall – was jetzt?
Grundsätzlich können bei einem Zahnunfall 5 Gewebe unabhängig voneinander verletzt werden: Die Zahnhartsubstanzen, die Zahnwurzel, das Zahnfleisch, der den Zahn umgebende Knochen und das umgebende Weichgewebe. Im Idealfall sollten diese Bereiche für jeden verletzten Zahn einzeln diagnostiziert und – falls erforderlich – auch separat behandelt werden. „Erst dann ist eine vollständige Therapie gewährleistet“, betont Prof. Esser.
Am Unfallort sollten Zähne oder deren Bruchstücke sofort gesucht und sachgerecht aufbewahrt werden: Bei Zahnbruchstücken reicht eine feuchte Lagerung, verlorengegangene Zähne gehören sichersten für eine spätere Replantation in eine Zahnrettungsbox. „Schwerste Zahnunfälle mit Verletzungen unterschiedlichster Gewebe sollten am besten interdisziplinär behandelt werden“, rät Esser. Dies mit dem obersten Ziel, dass Kinder oder Jugendliche auch schwer verletzte Zähne, die früher als nicht erhaltungswürdig eingestuft wurden, lebenslang behalten können – was heutzutage in den meisten Fällen vorhersagbar möglich ist.

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