Olivenöl ist das gesündeste Fett… und viele andere Irrtümer, wenn es um die Ernährung geht

Essen, bis der Arzt kommt: Selbstmord mit Messer und Gabel herrscht in den Küchen vieler Bundesbürger. Aber auch viele Ernährungsmärchen gilt es aufzulösen, betont heute Wissenschaftsjournalist und Diätassistent Sven-David Müller in Berlin, der zusammen mit der Ernährungswissenschaftlerin Dipl. troph. Doreen Nothmann von der Medizinischen Hochschule Hannover das Buch „Moderne Ernährungsmärchen“ herausgegeben hat.

Seit vielen Jahren preisen viele Ernährungswissenschaftler und Mediziner die Vorteile der mediterranen Ernährungsweise und heben Olivenöl als besonders gesund hervor. Aber mediterran essen bedeutet mehr als die Verwendung von Olivenöl, macht Diätassistent Müller deutlich. Ob die Effekte der Mittelmeerkost überhaupt für Nordeuropäer gelten, ist unbewiesen. In keinem Falle ist Olivenöl ein besonders gesundes Öl, denn es enthält reichlich von den gesättigten Fettsäuren, die nachweislich Gefäße und das Herz schädigen. Außerdem ist es arm an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und enthält keine Omega-3-Fettsäuren. Statt aus der mediterranen Ernährungsweise selektiv das Olivenöl als gesundheitsförderlich herauszustellen, wäre es sinnvoller gewesen, den Menschen zu vermitteln, dass sie reichlich frisches Gemüse und Obst, Wasser und Hülsenfrüchte in den Speiseplan einbauen sollten. Aber das ist nicht im Sinne der Marketingstrategen der Europäischen Gemeinschaft.

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Ja, macht Müller das Fass auf und stellt dar, dass Olivenöl gesund ist, weil es verkauft werden muss. In Europa gibt es einen großen Olivenöl-Überschuss. Unterhalb des nach China abgeschmolzenen Butter-Berges befindet sich ein voller Olivenöl-See, zeigt der Berliner Experte Müller auf. Den Absatzexperten ist es nicht nur gelungen, der Bevölkerung Olivenöl schmackhaft zu machen, sondern auch die Ernährungsexperten glauben inzwischen an das Ernährungsmärchen, dass Olivenöl gesund ist. Eine wissenschaftliche Begründung gibt es für diese Behauptung aber nicht, betont Sven-David Müller vom Zentrum für Ernährungskommunikation, Diätberatung und Gesundheitspublizistik (ZEK). Raps-, Lein- und Nussöle sind aus ernährungsphysiologischer Sicht schon allein durch ihre Fettsäurezusammensetzung dem Olivenöl deutlich überlegen. Außerdem schmecken diese Öle einfach besser. Wer isst schon gerne ein Schnitzel, das in Olivenöl angebraten wurde? Und wenn das Olivenöl nicht charakteristisch riecht und schmeckt, zweifele ich massiv daran, dass es sich überhaupt um ein hochwertiges Öl handelt, macht Müller deutlich.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Recherche konnten die Autoren weitere Ernährungsmärchen aufklären: Salz löst keinen Bluthochdruck aus, Zucker ist nicht für Karies verantwortlich, Pilze dürfen aufgewärmt werden, Spinat enthält nicht so viel Eisen, dass Popeye daraus ernorme Kräfte entwickeln kann, Fett macht nicht fett, Süßstoff ist kein Mastmittel, Glutamat ist nicht gesund und kann sogar die Insulinresistenz fördern, Gemüse und Obst enthalten nicht immer weniger Vitamine, Margarine hat genauso viele Kalorien wie Butter, Rohkost ist nicht nur gesund, Hühnereier erhöhen den Cholesterinspiegel nicht und niemand braucht lebensnotwendig warme Mahlzeiten. Diese und mehr als 70 andere Ernährungsmärchen, nicht nur der Agrarlobby, decken die Autoren auf und scheuen es nicht, sich mit der Lebensmittel-Industrie und den Lobbyisten anzulegen. Unser Ziel ist es, den Lesern aufzuzeigen, was alles behauptet wird und warum. Im abschließenden Kapitel „Nichts als die Wahrheit“ klären die Autoren die Leser auf, welche Lebensmittel zu einer gesunden Ernährungsweise gehören sollten.

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