Finger weg von per E-Mail offerierten Medikamenten

Sie tragen Betreffzeilen wie „Buy Viagra“ oder „Sell Cialis“ und sollen größtenteils illegale Billig-Kopien von Potenzmitteln und Medikamenten an den Internet-Nutzer bringen. Die Rede ist vom so genannten „Pharma-Spam“, der mittlerweile täglich weltweit unzählige Internet-Nutzer erreicht und ärgert. Dennoch ist sich Arthur Wetzel, Präsident der Wirtschaftsinitiative „no abuse in internet“ (naiin), sicher: „Die Spammer hätten ihre Medikamenten-Werbung per Mail schon längst eingestellt, würde nicht ein Teil der Empfänger auf die Angebote eingehen. Diese Menschen setzen sich jedoch großen gesundheitlichen Risiken aus. Denn beim überwiegenden Teil der offerierten Arzneien handelt es sich um Fälschungen.“

Die von der deutschen Internet-Branche gegründete Initiative kritisiert vor allem aber die Haltung der Pharma-Branche, die sich laut naiin im Kampf gegen Pharma-Spam nicht nur zu wenig engagiere, sondern an den unerwünschten E-Mail-Werbekampagnen womöglich sogar mitverdient. Die Arzneimittelhersteller hingegen bekunden zwar in auffälliger Regelmäßigkeit, dass sie in keiner Weise von den Spam-Mails profitierten und dem weltweit organisierten Handel mit illegalen Medikamenten ohnehin nur schwer beizukommen sei. „Viele Pharma-Konzerne scheinen aber zu vergessen, dass es ihre Markennamen sind, mit denen die Spam-Empfänger zum Kauf der illegalen Billig-Ware verlockt werden. Inwieweit auch Original-Produkte über den Vertriebsweg ‚Spam‘ abgesetzt werden, ist schwer zu belegen. Tatsache ist, dass die Spammer millionenfach Gratis-Werbung für diese Pharma-Produkte machen“, bestätigt Philippe Wacker, Vorstandsmitglied des European Multimedia Forum (EMF).

naiin will deshalb die Pharma-Branche verstärkt in die Pflicht nehmen und fordert neben einem verbindlichen Verhaltenskodex auch groß angelegte Aufklärungskampagnen sowie die flächendeckende Einführung von fälschungssicheren Sicherheitsmerkmalen auf den Verpackungen, so dass Verbraucher illegale Medikamente leicht und sofort erkennen können. „Die wenigsten Verbraucher sind wohl derzeit in der Lage, echte von gefälschten Medikamenten zu unterscheiden. Dabei kann die Einnahme gefälschter Präparate schlimmstenfalls zum Tode führen“, gibt der naiin-Präsident zu bedenken. Außerdem sei eine bessere Abstimmung unter den Unternehmen der Branche sowie mit den staatlichen Behörden und mit Einrichtungen wie naiin von Nöten, damit das Problem „Pharma-Spam“ mit konkreten technischen, rechtlichen und öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen, die auch von der Pharma-Industrie mitgetragen werden, gelöst werden kann. „Wir sind im Kampf gegen den Pharma-Spam schlichtweg auf das Know-how sowie auf die Unterstützung der Branche angewiesen“, so Wetzel.

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