Vier von fünf Deutschen haben mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen, wovon zirka ein Drittel aller Menschen wiederkehrend jährlich zumindest einmal an starken Rückenbeschwerden leiden. In 2006 wurden zirka 44 % aller Krankenversicherten aufgrund von Rückenbeschwerden ärztlich behandelt. Die Ursachen der Rückenbeschwerden sind vielfältig. Oft lösen ungewohnte oder einseitige Belastungen Rückenbeschwerden aus. Auch psychische Probleme wie Zukunftsängste, Sorgen um die Familie oder Beruf können Ursachen von Rückenbeschwerden sein. Es gilt daher der Grundsatz, dass bei Auftreten von Rückenschmerzen dies als Warnsignal für den Betroffenen zu sehen ist, sich mehr um körperliche und/oder seelische Belange zu kümmern.

Über 90 Prozent aller Rückenschmerzen sind als rein muskulär verursacht zu sehen und verschwinden bei richtiger Behandlung nach einigen Tagen wieder. Rein wissenschaftlich betrachtet sind Rückenschmerzen mehr oder minder starke Schmerzen des menschlichen Rückens, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können. Man spricht von einer Dorsalgie, wenn der Rücken oder von einer Lumbalgie/Lumbago, wenn die Lenden-Kreuzbeinregion betroffen ist. Immer mehr Menschen leiden unter Rückenschmerzen, sie gelten als einer der bedeutenden Zivilisationskrankheiten. Es spielt keine Rolle wie alt man ist, ob 30 oder 60 Jahre, es kann jeden plötzlich und unvorbereitet treffen. Die Vorbeugung spielt eine wesentliche Rolle.
Was kann man nun vorbeugend tun gegen Rückenschmerzen?
• Vermeiden Sie stundenlanges und unbewegliches Sitzen im Büro.
• Sitzen Sie in gerader Haltung mit einer aufrechten Sitzposition, dem Kopf als Verlängerung der Wirbelsäule und nach hinten gezogenen Schultern.
• Auch im Büro soll man sich bewegen: Nehmen Sie lieber die Treppe als den Fahrstuhl und stehen Sie zwischendurch mal vom Schreibtisch auf.
• Arbeiten oder telefonieren Sie im Stehen. Machen Sie kleine Bewegungsübungen. Hierdurch wird nicht nur der Rücken entlastet, sondern hierdurch steigert auch die Konzentrationsfähigkeit.
• Richtig durchgeführte und rückenschonende Haus- und Gartenarbeit sind mit viel Bewegung verbunden und können dem Rücken gut tun, Überbelastung jedoch zu Schmerzen führen
• Gehen Sie Spazieren, fahren Sie Rad oder gehen Sie schwimmen. vermeiden Sie aber möglichst Brustschwimmen
• Betreiben Sie regelmäßig gezielte spezielle Rückengymnastik. Durch das regelmäßige Bewegungstraining wird die Rückenmuskulatur gestärkt, die die Wirbelsäule hält. Am besten macht man das Training in einem guten Fitness- Studio unter fachgerechter Anleitung und Betreuung
• Heben Sie schwere Gegenstände korrekt auf. Der Körper sollte möglichst nah am Gegenstand sein. Er sollte dabei gerade sein. Fassen Sie den Gegenstand (z. B. einen Kasten Wasser) mit beiden Händen an und spannen Sie Rumpf- und Bauchmuskulatur kräftig an. Somit entlasten Sie Ihren Rücken.
• Optimieren/verringern Sie Ihr Körpergewicht

Sind jedoch akute Rückenschmerzen aufgetreten, ist es sinnvoll, einen Facharzt aufzusuchen, der mit der Behandlung von Rückenschmerzen besonders vertraut ist. Grundsätzlich helfen eine Entlastungslagerung mit hoch gelagerten Beinen, Ruhe und lokale Wärmeanwendungen. Im akuten Stadium ist die Einnahme von wirksamen Schmerzmitteln notwendig und sinnvoll. Hierdurch wird der starke Schmerz gelindert. Wichtig ist es, sich zu bewegen. Langes Liegen ist unbedingt zu vermeiden, da hierdurch die Schmerzen verstärkt werden. Langes Sitzen sollte ebenso unbedingt vermieden werden. Bei sehr starken Muskelverspannungen kann eine gezielte Physiotherapie – wie z.B. die Behandlung der schmerzhaften Triggerpunkte, Fango usw. – notwendig werden. Bei Persistenz oder gar Zunahme der Beschwerden, Ausstrahlen der Schmerzen in die Beine oder Lähmungserscheinungen mit Gefühlsstörungen an den Beinen ist eine umgehende weiterführende ärztliche Abklärung zwingend erforderlich. In diesen Fällen ist notwendig, einen akuten Bandscheibenvorfall rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Untersuchungsverfahren wie CT oder MRT sind hier geboten, um die Diagnose zu sichern. Welches Behandlungsverfahren dann in Frage kommt, hängt von der Art des Bandscheibenvorfalls auf. Es stehen grundsätzlich unterschiedliche Verfahren der Behandlung zur Verfügung. Es gilt, das individuell richtige Behandlungsverfahren zu wählen.

Zusammenfassend gilt:
Eigene und aktive Vorbeugung durch Beachtung der vielen möglichen und nötigen Maßnahmen sind die richtige Voraussetzung dafür, dass Rückenschmerzen seltener und weniger dramatisch verlaufen. Es gilt in jedem Fall die Chronifizierung eines Rückenleidens zu vermeiden. In diesem Sinne lautet die Devise:

Stärken Sie Ihren Rücken

Hierdurch beugen Sie den möglichen Rückenbeschwerden vor.

Sollte es trotzdem zu akuten Rückenbeschwerden kommen, suchen Sie einen qualifizierten Arzt auf, der sich mit den Problemen des Rückenschmerzes auskennt. Die richtige Therapie führt in der Regel zu einer raschen Linderung der Beschwerden. Versuchen Sie nicht selbst die Beschwerden zu kurieren, insbesondere, wenn Sie regelmäßig von starken Rückenschmerzen und Hexenschuss geplagt sind.

Autor: Prof. Dr. med. Jürgen Ahlers
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
www.unfallchirurgie.com

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