Mehr als die Hälfte der jungen Deutschen fühlt sich gesund – zumindest körperlich. Insgesamt vergeben sie im Durchschnitt 7,3 von zehn möglichen Punkten für ihre körperliche Fitness. Für die die seelische Verfassung geben sie sich lediglich 6,7 Punkte, nur 40 Prozent beurteilen ihre psychische Gesundheit als gut. 10 Prozent bezeichnen ihren psychischen Zustand sogar als schlecht. Besonders junge Frauen und Mädchen fühlen sich seelisch unter Druck: 44 Prozent von ihnen geht es in der Corona-Krise schlechter als vor der Pandemie. Dies sind Ergebnisse der Studie „Generation Z & Health“ der pronova BKK, für die 1.000 junge Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren befragt wurden.

Die Corona-Krise hinterlässt auch langfristige Narben im Seelenleben der jungen Menschen. Bereits im Frühjahr 2021 hatten 55 Prozent der 16- bis 29-Jährigen in der Vorgängerstudie angegeben, seit Beginn der Pandemie häufiger traurig und depressiv zu sein. 56 Prozent fühlten sich häufig einsam. Schon zu dem Zeitpunkt gingen 80 Prozent davon aus, dass die Krise sie persönlich nachhaltig verändert hat.

Was den jungen Menschen hilft, ist ihr vorbehaltloser Umgang mit dem Thema. 71 Prozent stellen fest, dass sie offener mit psychischen Herausforderungen umgehen als ihre Eltern oder Großeltern. „Rat suchen ist keine Schande – das haben sie gelernt“, sagt die auf den Gesundheitsmarkt spezialisierte Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen. „Als während der Pandemie viele Unternehmungen und Verabredungen wegfielen, haben die jungen Deutschen versucht, diese Lücke in ihrem Leben mit sozialen Medien zu füllen. Dort tauschen sich die 16- bis 29-Jährigen auch über psychische Probleme aus, reden ohne Vorurteile über dieses Thema.“

Schon im Frühjahr hatten 54 Prozent der Generation Z angegeben, dass sie im Freundeskreis viel über ihre Sorgen im Zusammenhang mit Corona sprechen.

Verwandte, Freundeskreis und Therapie helfen der Psyche

Auch die Verwandten sind laut Studie wichtiger geworden. „Familien hat die schwierige Zeit zusammengeschweißt und das Vertrauen gestärkt“, bestätigt Mühlhausen.

Somit sind Partnerin und Partner (38 Prozent), Freundeskreis sowie Eltern (36 Prozent) die ersten Ansprechpartner bei psychischen Problemen. Für immerhin elf Prozent der Abiturienten sind Foren und Ratgeberseiten im Internet Anlaufstellen bei seelischen Beschwerden. Doch auch der Gang zum Psychotherapeuten ist für sieben von zehn jungen Erwachsenen so selbstverständlich wie der Weg zum Hausarzt bei körperlichen Leiden. Einzig lange Wartezeiten auf den Psychotherapie-Termin sehen 77 Prozent aller Befragten und 88 Prozent der Akademiker als großes gesundheitliches Risiko.

Ein ungutes Gefühl bleibt

Die Corona-Krise hat den Alltag grundlegend verändert und neue Unsicherheiten gebracht. All das wirkt sich belastend auf die Psyche aus. So berichtet ein Drittel der Befragten von finanziellen Schwierigkeiten durch Jobverlust oder Kurzarbeit. Das betrifft vor allem junge Eltern: 38 Prozent der unter 30-Jährigen mit Kindern sind finanziell unter Druck.

Im Frühjahr haben die Kontaktbeschränkungen und Homeschooling die jungen Deutschen schwer belastet. Vor den aktuell beschlossenen Einschränkungen freuten sich 43 Prozent besonders auf die Treffen mit Freundinnen und Freunden in größerer Runde und 39 Prozent auf Kino, Restaurant und Clubs. 42 Prozent der Befragten genießen gerade die Zeit mit dem Freundeskreis und sehen darin einen der wichtigsten positiven Einflussfaktoren auf ihre Gesundheit.

„Die Freude ist häufig noch getrübt und wird oft von Ängsten überschattet“, sagt Mühlhausen. „Die jungen Menschen kämpfen mit einem unguten Gefühl in vielen Lebenslagen – bei Menschenansammlungen in Räumen, bei Treffen mit unterschiedlichen Personen, aber auch wenn sie sich zurückziehen und eben nicht überall wieder mitmachen.“ Jeder Dritte hat in einem vollen Restaurant Beklemmungen. Gleich viele belastet die Unsicherheit über geltende Regelungen. 28 Prozent fürchten sich weiterhin vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus.

Zur Studie

Die Studie „Generation Z & Health – junge Erwachsene und Gesundheit in der Corona-Pandemie“ wurde im Oktober 2021 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 29 Jahren repräsentativ online befragt.

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