Rückenschmerz – was nun?: Wann welche Therapie gegen Beschwerden hilft

Bei Beschwerden im Rücken greifen Betroffene gewöhnlich zunächst zu Schmerztabletten, bevor sie einen Arzt aufsuchen. Doch welche Wirkung zeigen diese und auf welche weiteren Therapien greifen Ärzte zurück? Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde und Wirbelsäulenspezialist aus München, erklärt: „Generell sollte die Behandlung von Rückenleiden immer an der Ursache ansetzen und nicht nur die Schmerzen unterdrücken. In Kombination mit weiteren Maßnahmen unterstützen Tabletten oder Injektionen jedoch den Behandlungserfolg.“ Haben sich bereits chronische Schmerzen entwickelt, schalten verschiedene Maßnahmen die Reizweiterleitung der Nerven dauerhaft aus.

Tabletten gegen den Schmerz
Leichte Beschwerden lassen sich oft mit rezeptfreien Schmerzmitteln lindern. Ärzte empfehlen meist sogenannte nicht steroidale Antirheumatika, kurz NSAR, zu denen etwa Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac oder Ibuprofen zählen. Sie hemmen sowohl die Schmerzübertragung der Nerven als auch Entzündungen. „Betroffene müssen jedoch beachten, dass auch nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel Nebenwirkungen mit sich bringen“, warnt Dr. Schneiderhan und rät: „Für alle Arzneimittel eine ärztliche Empfehlung einholen und die Einnahme zeitlich begrenzen.“ Darüber hinaus gilt es, Schmerzen mit Maßnahmen wie Wärmeanwendungen oder leichter Bewegung entgegenzuwirken. Bei stärkeren Schmerzen besteht zudem die Möglichkeit, dass Ärzte Opiate verschreiben. Im Gegensatz zu NSAR entfalten sie ihre Wirkung direkt im Gehirn oder Rückenmark.

Gezielt zu den Nerven
Nach einer exakten Diagnose lassen sich Schmerzmittel bei Bedarf auch mittels Injektionen verabreichen. Hierbei setzen Ärzte unter Röntgen-Kontrolle oder Computertomografie feine Spritzen an die betroffenen Nerven. Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente zeigen dann direkt vor Ort Wirkung. „Bei chronischen Schmerzen nutzen wir Injektionsbehandlungen zudem, um die ursächlichen Nervenbahnen eindeutig zu lokalisieren“, ergänzt Dr. Schneiderhan. „Nehmen die Beschwerden nach der Behandlung ab, können wir die Reizweiterleitung mithilfe weiterer Verfahren dauerhaft ausschalten.“

Feine Sonden stoppen Reize
Im Gegensatz zu Injektionsbehandlungen erzielen Ärzte mit minimalinvasiven Therapien ein lang anhaltendes Ergebnis und je nach Behandlungsverfahren lassen sich störendes Gewebe, Vernarbungen oder Verklebungen im gleichen Schritt entfernen. Zu den möglichen Maßnahmen zählen Hitzesonden-, Mikrolaser- und Katheterbehandlungen. Bei der erstgenannten Therapie führt der Behandler eine feine Sonde an die betroffenen Nervenfasern und erhitzt dort die Sondenspitze auf 80 Grad Celsius. Ähnlich wirkt der Mikrolaser, der jedoch noch weitere Effekte hat. „Vor allem bei Bandscheibenbeschwerden eingesetzt, schrumpft das Laserlicht zusätzlich den Bandscheibenkern und verschließt feine Einrisse im Gewebe“, sagt Dr. Schneiderhan. Mit dem Katheter lässt sich wiederum ein individuell abgestimmter Medikamentenmix an die Nerven bringen, der neben Schmerz- und Entzündungshemmern auch eine Enzymlösung enthält. Letztere löst rückenmarksnahe Vernarbungen und Verklebungen.

Schmerzen elektrisch überlagern
Ebenfalls zu den minimalinvasiven Verfahren gehört der Schmerzschrittmacher. Dieser findet bei chronischen Schmerzen Anwendung und hilft, die oft nebenwirkungsreiche Medikamenteneinnahme zu reduzieren. „Bei der sogenannten Rückenmarkstimulation implantieren wir zwei Elektroden in der Nähe des Rückenmarks“, beschreibt Dr. Schneiderhan das Vorgehen. „Über einen kleinen Stimulator geben diese elektrische Impulse ab, welche die Schmerzen überlagern.“ Patienten verspüren dann lediglich ein leichtes Kribbeln. Mit einer Art Fernbedienung lässt sich die Impulsstärke jederzeit anpassen.

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