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Mehr Infarktpatienten könnten überleben, wenn sie früher Hilfe suchten

Gut 220 000 Menschen erleiden pro Jahr in Deutschland einen Infarkt, wie der aktuelle Herzbericht zeigt. Jeder vierte von ihnen stirbt daran. Es könnten deutlich weniger sein, wenn Betroffene schneller den Notarzt rufen würden. „Viele Patienten kommen einfach zu spät“, sagt Dr. Florian Krackhardt vom Universitätsklinikum Charité in Berlin in der „Apotheken Umschau“.

„Sie warten darauf, dass es besser wird oder bis ihre Hausarztpraxis öffnet, anstatt den Notruf zu wählen.“ Ein Herzinfarkt geschieht, wenn ein Herzkranzgefäß sich so weit verengt, dass die Durchblutung eines Teils des Herzmuskels unterbrochen wird. Der Herztod sei aber in den meisten Fällen vermeidbar. „Mit dem Herzkatheter lässt sich im Prinzip jede Durchblutungsstörung beheben, wenn es rechtzeitig geschieht“, erklärt der Herzspezialist.

Sex nach dem Infarkt?

Nur wenige Ärzte sprechen Patienten nach einem Herzinfarkt auf das Problem sexueller Aktivität an. Kommt die Sprache jedoch darauf, erhalten die Kranken oft falsche Empfehlungen. Das ergab eine Befragung von 3500 Menschen in den USA und Spanien. Kam das Thema auf, empfahlen Ärzte oft unnötig, sich zurückzuhalten, eher die passive Rolle einzunehmen und auf eine niedrige Herzfrequenz zu achten.

„Ärzte sollten ihre Patienten vielmehr wissen lassen, dass körperliche – und dazu gehört auch sexuelle – Aktivität okay ist“, sagt Studienautorin Professorin Stacey Tessler Lindau in der „Apotheken Umschau“. „Stoppen sollte man, wenn Brustschmerzen, Atemnot oder Unwohlsein auftreten.“

Ein implantierbares kleines Gerät soll Herzpatienten vor einem Infarkt warnen

Ärzte der Herzzentrums Freiburg haben Patienten erstmals in Europa ein Gerät implantiert, das vor einem Herzinfarkt warnt. Es sieht wie ein Schrittmacher aus und sitzt wie dieser unter der Haut oberhalb des Herzens. Eine Elektrode führt in die rechte Herzkammer und überwacht das EKG. Bei Unregelmäßigkeiten vibriert ein Taschenempfänger. Zwei Lämpchen geben die Dringlichkeitsstufe an – ob der Patient den Notarzt rufen oder zum Hausarzt gehen sollte.

„Der `Guardian` soll Patienten mit hohem Infarktrisiko, etwa Diabetiker mit koronarer Herzkrankheit, rechtzeitig warnen, wenn es zu einer Durchblutungsstörung im Herzen kommt“, erklärt Dr. Maximilian Hartmann vom Herzzentrum Freiburg im Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“. In den USA wurden bereits über 600 Wächter implantiert, in Freiburg, wo das Konzept entwickelt wurde, hat man gerade damit begonnen. Vorerst wird der Guardian nur bei ausgewählten Patienten im Rahmen von Studien eingesetzt.

Sex nach dem Infarkt?

Kein Sex-Stopp nach dem Herzinfarkt: Stabile, komplikationslose Patienten können sieben bis zehn Tage danach wieder sexuell aktiv werden, berichtet die „Apotheken Umschau“. Aktiv werden sollen aber auch die Mediziner, denn ob Patienten ihr Sexualleben wiederbeleben, hängt stark davon ab, ob ein Arzt mit ihnen darüber gesprochen hat. Das fanden Forscher der Universität von Chicago (USA) heraus. Wird kein Wort darüber verloren, reduzieren fast die Hälfte der Männer und 60 Prozent der Frauen ihre Aktivitäten. Jeder Zehnte verzichtet ganz.

Herzinfarkt: Extra-Reha für Frauen?

Nach einem Herzinfarkt folgt für neun von zehn Patienten ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik. Dort lernen sie nicht nur, ihre Leistungsfähigkeit wieder aufzubauen, sondern auch, wie sie durch einen gesunden Lebensstil das Risiko eines erneuten Infarktes verringern können. In der Klinik Höhenried am Starnberger See können Frauen und Männer dies in getrennten Gruppen wahrnehmen. „Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind überraschend groß“, begründet dies Professor Dr. Bernhard Schwaab im Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“.

Gemischte Gruppen, so der Kardiologe, funktionieren oft schlechter. Frauen fühlten sich zum Beispiel häufig gehemmt, wenn sie mit Männern gemeinsam Sport treiben. Im Bereich Ernährung besitzen sie dagegen oft mehr Vorwissen. „Männer brauchen außerdem oft länger, um zu akzeptieren, dass bei ihrem Infarkt auch psychische Faktoren eine Rolle spielen“, sagt Schwaab. Frauen falle es leichter, in Gesprächsgruppen über solche Probleme zu reden.

Ehe rettet Männerherzen

Verheiratete Männer haben im Falle eines Herzinfarktes offenbar die besseren Karten. Sie kommen bei Brustschmerzen, einem wichtigen Warnzeichen, schneller in die Klinik, berichtet das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ unter Berufung auf kanadische Forscher, die dies anhand von Krankenakten eruierten. Möglicher Grund: Die Frauen drängen ihre Männer, den Notarzt zu rufen.

Nach dem Infarkt bald wieder bewegen

Es ist wichtig, sich nach einem Herzinfarkt zu schonen – aber nicht zu lange. Das Patientenmagazin „HausArzt“ berichtet über eine kanadische Untersuchung, der zufolge Patienten, denen es gut geht, sich schon nach einer Woche wieder leicht belasten sollten. Für jede Woche, um die sich der Beginn des Sportprogramms verzögere, müsse der Patient später einen Monat länger trainieren, um die gleiche Wirkung für das Herz zu erzielen.

Diabetiker unterschätzen ihr Infarkt-Risiko

Mehr Aufklärung über das Herzinfarktrisiko von Diabetikern verlangt Professor Diethelm Tschöpe, Leiter des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeyenhausen. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die Zuckerkranke und Gesunde nach ihrem Wissen über den Herzinfarkt befragte, findet er „beängstigend“: Nur 15 Prozent der Diabetiker wussten, dass sie ein erhöhtes Infarktrisiko haben. „Dabei stirbt die Hälfte aller Diabetiker am Herzinfarkt“, erklärt Tschöpe im Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“.

Und weiter: „Allein die Tatsache, dass jemand Diabetiker ist, hebt sein Herzinfarktrisiko auf das eines Patienten, der bereits einen Infarkt hinter sich hat.“ Tschöpe wendet sich auch an die Ärzte, die mehr aufklären müssten: „Arzt-Patienten-Gespräche sollten eine neue Qualität bekommen: weniger Fachchinesisch, mehr Zeit. Damit ließe sich viel erreichen.“

Was kommt nach dem Herzinfarkt?

Ein Druck in der Brust, Atemnot, Schweißausbrüche und Todesangst – das sind einige der typischen Symptome für einen Herzinfarkt. Nun zählt jede Minute. Eine schnelle und optimale Versorgung kann lebensrettend sein. Doch was kommt nach dem Infarkt? Geht das Leben weiter wie zuvor? Ein Herzinfarkt ist kein einmaliges Ereignis, das sich erledigt hat wie eine überstandene Grippe. Die Koronare Herzerkrankung bleibt lebenslang bestehen, auch wenn der Patient den akuten Infarkt gut überstanden hat. Die Gefährdung, einen weiteren Infarkt zu erleiden, ist hoch: Eine aktuelle Auswertung des Deutschen Herzregisters belegt, dass einer von acht Patienten in Deutschland das erste Jahr nach dem Infarkt nicht überlebt. (1)

Die Initiative „Herzbewusst – Leben nach dem Herzinfarkt“ setzt sich dafür ein, diese Zahl zu reduzieren – und zwar durch Information, Aufklärung und Hilfe zur Selbsthilfe. Ziel ist es, über Veranstaltungen und die Website www.herzbewusst.de über die Erkrankung und deren Risiken aufzuklären. So soll sich langfristig die Zahl der Menschen verringern, die im ersten Jahr nach dem Infarkt versterben.

Ins Leben gerufen wurde die bundesweite Initiative vom forschenden Arzneimittelunternehmen AstraZeneca und dem Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) in Kooperation mit der DAK. Mit einer Installation am Ostbahnhof Berlin, die die alarmierend hohe Todesrate veranschaulichte und einen „Herzinfarktrisiko-Check“ für Interessierte anbot, ist „Herzbewusst“ am 16. November gestartet. „Dass immer noch so viele Menschen im ersten Jahr nach dem Infarkt sterben, zeigt, wie viele sich der Gefährdung nicht bewusst sind“, sagt Dr. Kai Richter, Medizinischer Direktor, AstraZeneca. „Mit ‚Herzbewusst‘ möchten wir die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, dass ein Herzinfarkt kein kurzfristiges Gesundheitsproblem ist, sondern das Leben des Patienten langfristig beeinflusst.“ Eine aktuell veröffentlichte Studie der DAK zeigt, dass sich die Initiative einer gegenwärtigen Problematik annimmt: Obwohl schwere Herzkrankheiten mit Abstand die häufigste Todesursache in Deutschland sind, werden bösartige Tumore von den Deutschen als größte Bedrohung empfunden. Der Herzinfarkt rangiert lediglich auf Platz fünf der am meisten gefürchteten Todesursachen. (2)

„Wir möchten die Aufmerksamkeit auf die Patienten richten, die bereits einen Herzinfarkt hatten und dafür sensibilisieren, selbst aktiv zu werden, um das Langzeitrisiko zu senken“, so Dr. Franz Goss, stellvertretender Bundesvorsitzender des BNK. Konkret verweist Goss auf einen gesunden und aktiven Lebensstil sowie die konsequente Einnahme der verordneten Medikamenten, um so einem weiteren Infarkt vorzubeugen.

„Die DAK engagiert sich bereits seit langem mit innovativen Gesundheitsprogrammen besonders für Patienten mit Herzerkrankungen“, erklärt Professor Dr. h.c. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK. „Unser Angebot ‚Gezielt bewegen – Fitness stärken‘ richtet sich speziell an Menschen mit KHK. Das DAK-Spezialisten-Netzwerk ‚Herz im Takt‘ errang den Innovationspreis im Deutschen Gesundheitswesen. Die Initiative ‚Herzbewusst‘ passt insofern ideal zu unseren Versorgungsmanagement.“

Der Patient im Mittelpunkt

Um die Situation der Betroffenen nachhaltig zu verbessern, setzen sich die Initiatoren auch für eine optimierte Zusammenarbeit in der Patientenversorgung ein. „Wir haben als niedergelassene Kardiologen kein Nachfrageproblem – wir haben in Deutschland ein Versorgungsproblem.“, so Goss. „Wir brauchen aufgeklärtere Patienten verbunden mit noch besserer Nutzung der vorhandenen Ressourcen, die den Prozess von der Klinik über die Reha hin zur hausärztlichen Führung mit fachärztlicher Begleitung definieren. Der Patient selbst muss dabei im Mittelpunkt all unserer Aktivitäten stehen.“ „‚Herzbewusst‘ soll neben der Information und Aufklärung einen Anstoß geben, nachzudenken“, ergänzt Kai Richter, „Es gibt bereits viele sehr gute Angebote zur Patienteninformation, auch auf diese möchten wir mit ‚Herzbewusst‘ die Aufmerksamkeit lenken.“

Für 2011 planen der BNK und AstraZeneca in Kooperation mit der DAK Weiterbildungsangebote für Fachkreise zum Thema Akutes Koronarsyndrom. Schwerpunktthema für Interessierte und Betroffene im nächsten Jahr ist das Thema Lebensgestaltung. An einem „Herzbewusst-Herztag“ im April 2011 werden niedergelassene Kardiologen bundesweit über frühzeitige Risiko-Einschätzung und Tipps zu einer gesünderen Lebensweise informieren.

(1) Zeymer U. Stiftung Institut für Herzinfarktforschung, 2010
(2) http://www.dak.de/content/filesopen/Angst_vor_Krankheiten.pdf

Neben Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel ist auch die Körpergröße ein Risikofaktor für Herzinfarkt

Kleine Menschen haben ein höheres Risiko für Herzerkrankungen als große, berichtet die „Apotheken Umschau“. Als klein definierte eine finnische Untersuchung Frauen unter 153 und Männer unter 164,5 Zentimeter. Die Wissenschaftler um Dr. Tuula Paajanen analysierten 52 Studien und kamen zu dem Ergebnis, dass kleine Menschen mit einer rund 50 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit leben, an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben.

„Größe ist aber nur ein Risikofaktor“, betonte Paajanen. Als weitere negative Merkmale gelten Rauchen, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht.